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Erste Erfahrungen und Eindrücke der Heimkinder mit dem Fonds

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Bericht eines ehemaligen Heimkindes zum OEG Antrag (Stand Mai 2014)

Meine Erfahrungen mit dem Heimkinderfond und dem OEG.

Meine Kindheit ist, wie bei vielen anderen Leidensgenossen, auch nicht sehr harmonisch verlaufen und ich zehre noch heute von dem damals Erlebten.

Zu meinen Schäden gehören neben physischer und psychischer Hospitalisierung noch einige andere "Störungen" und körperlichen Beeinträchtigungen, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen möchte.

Die Ehemaligen wissen wovon ich da gerade rede.

Außer einem Freund und meiner Ex-Frau, hatte ich bisher verschwiegen, was mir in den 10 Heimen der evangelischen Diakonie und den evangelischen Kinderheimen so passiert ist.

Anfang 2013 brach ich dann mein Schweigen und begann mit umfangreichen Recherchen, der Suche nach Ehemaligen und Leidensgenossen. Im Heimkinderforum wurde ich fündig und erfuhr dort auch von dem Verein ehemaliger Heimkinder e.V..

Ich stellte einen Antrag auf Entschädigung beim Heimkinder-Fond, der relativ schnell
(2 Monate Antrag/Auszahlung) und unbürokratisch bearbeitet und genehmigt wurde.

Mir wurde gesagt das es schwierig werden könnte den Antrag und die Fragen auszufüllen, doch da hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten. Die "Schwierigkeiten" traten erst nach einiger Zeit auf, als ich begann einen Antrag nach OEG zu stellen und mir so einiges anzuhören hatte.

Aber der Reihe nach.

Beim Versorgungsamt stellte ich über den “Weissen Ring” einen Antrag auf Opferentschädigung,
was bis dahin auch noch alles ok war.

Doch dann ging es schon in dem ersten Antwortschreiben zur Sache:

  • Ich solle Zeugen benennen.
  • Ich solle noch mehr Einzelheiten der Taten beschreiben.
  • Ich solle Datum und Uhrzeit angeben.
  • Ich solle Unterlagen bringen.

Es gab verschiedene Treffen im Amt, mal mit, mal ohne Begleitung.

Doch irgendwie beschlich mich das Gefühl, mal wieder als Lügner dazustehen.

Bei einem diesen Treffen wurde von seiten des Amtes so tief "nachgebohrt",
Fangfragen gestellt, so das ich nur zu diesem Ergebniss kommen kann.

Unter anderem wurde ich gefragt

  • ob ich als Kind schon gewußt habe, daß der sexuelle Mißbrauch an mir,
  • "sexueller Mißbrauch ist".

Bei dem "Gespräch" durfte ich dann auch dem Mitarbeiter erklären wie die sexuellen Handlungen heißen, die an mir vorgenommen werden sind.

Er wußte ganz genau worum es ging, wollte aber unbedingt diese Wörter aus meinem Mund hören.

Dann läuft dieser Antrag nun schon 1 Jahr, ohne das es zu nennenswerten Ergebnissen
gekommen ist.

Der Antrag nach OEG und die Behandlung durch das Amt haben erst alle Wunden wieder aufgerissen und mich ins bodenlose stürzen lassen. Ich laufe so derart neben der Spur, das selbst einfache kleine Dinge die es zu erledigen gilt, eine riesengroße Belastung darstellen.

Ein Verfahren beim Versorgungsamt ist für den Antragsteller so demütigend, erniedrigend, daß ich mir heute wünsche diesen Antrag nie gestellt zu haben.

Es sind neben den Fragen und Handlungen des Versorgungsamtes auch politische Vorgaben die einem diese Ohnmacht der Machtlosigkeit aufzeigen.

Sie wollen gar nicht entschädigen, den die Hürden sind so hoch gelegt das kaum einer sie in Angriff nimmt (nehmen kann). Wahrscheinlich sind sie auch mit Absicht so hochgelegt.

Die Schläge die wir einstecken mußten werden mit dem Zuchtparagraphen begründet;
Das sei erlaubt gewesen.
Nach den Genfer Konventionen hatten Kriegsgefangene mehr Rechte als die Kinder in Deutschland.

Das deutsche Grundgesetz enthielt 1948 schon den Punkt der geistigen und körperlichen Unversehrtheit. Nur für die deutschen Kinder galt er eben nicht und da liegt der Hase begraben. Für mich sind und waren das Straftaten, die auch nach dem OEG entschädigt werden müssen!!

Ich bin mittlerweile so sauer um diese Angelegenheit, daß ich nun bereit bin zu kämpfen und zwar bis zum obersten Gericht. Es wird Zeit das daß Unrecht nicht nur als Unrecht anerkannt wird sondern, endlich auch entschädigt wird.

Ich werde Unterstützung gebrauchen können und wenn es nur die Telefonnummer eines Anwaltes ist, der bereit ist den Kampf gegen das System aufzunehmen. Über die 2. Vorsitzende des Vereines VEH können sie Kontakt zu mir aufnehmen. Sie verfügt über meine persönlichen Daten.
Ich werde über den weiteren Verlauf des Verfahrens berichten.

Als nächstes stehen die Untersuchungen durch den medizinischen Dienst
des Versorgungsamtes statt.

Danach wird es dann einen Bescheid geben.

(Vielleicht können wir in dieser Angelegenheit weiter berichten).

 

 

Die neue/alte Stigmatisierung

Immer wieder gehen beim VEH e.V. Berichte von Ehemaligen ein, die sich an die Anlauf- und Beratungsstellen ihrer Region gewandt haben und einer Wand von Vorurteilen und Unverschämtheiten begegnen...

Hier mal ein paar besonders herausstehende Beispiele:

  1. "Sie waren doch nur in einem Kinderheim. Wir bezahlen Ihnen 250 Euro und das war's."
    (250 Euro ist eine sog. Fahrtkostenpauschale...)
  2. "Wozu brauchen Sie eine Therapie? Schaffen Sie sich einen Hund oder eine Katze an. Ist doch eine schöne Therapie."
  3. "(...) (dass) viele, die zur Beratungsstelle kämen, sich die Misshandlungen und Ungerechtigkeiten alle nur einbilden!!! Das wäre ein psychologisches Krankheitsbild und das hätten sie bei vielen eindeutig feststellen können..."
  4. "Sachleistungen über 1.000 Euro werden direkt an den Handwerker/Verkäufer (z.b. bei einem Badumbau) bezahlt. Damit soll einem Missbrauch (durch die Ehemaligen natürlich, d. Red.) vorgebeugt werden."

Und - was ist der noch furchtbareren Stigmatisierung und Diskriminierung entgegenzusetzen, die mit den z.T. 30 und 40 Jahre alte "Gutachten" HEUTE noch betrieben wird?

"Gutachten", in denen ein Kind als "debil", als "schwachsinnig", "verhaltensgestört", "verhaltensauffällig" beschrieben wird. Die schon damals leichtfertig bis bösartig, auf jeden Fall aber falsch waren. Und die heute immer noch und immer wieder aus den verdreckten Schubladen gekramt werden:

Bei OEG-Prozessen, bei Verhandlungen und auch bei neu zu erstellenden Gutachten als "Grundlage" dienen.

 

 

Wir finden das unglaublich, möchten einschlägige Erfahrungen sammeln, die mit solchen "Altlasten" gemacht wurden und alle, die so etwas oder ähnliches erfahren haben, ermuntern, sich beim VEH e.V. zu melden - entweder direkt telefonisch bei einer unserer Telefonkontaktstellen (siehe internen Link)

 

oder an eine der folgenden E-Mail-Adressen:

 

 

C. Mc. Closkey

 

D. Friedrich

 

H. Dettinger

 

Wir werden diese Informationen sammeln und entsprechend damit an die Öffentlichkeit gehen. Über unsere Homepage, über Internetportale und über unsere Presseverteiler.

Außerdem wollen wir alle daran erinnern, dass solche Informationen sehr, sehr wichtig für den Anwalt sind, wenn man in einem Verfahren steckt!

 

 

Bevor Sie die Beratungs- bzw. Anlaufstelle aufsuchen und etwas unterschreiben...

Finden Sie eine Person Ihres Vertrauens, die Sie begleitet.

Dies könnte später mal von Bedeutung für Sie sein – wenn Sie nämlich eine Zeugin oder einen Zeugen benötigen.

Weisen Sie bei dem ersten „Beratungsgespräch“ die/den SachbearbeiterIn darauf hin, dass Sie von jedem Gespräch dieser Art ein Besprechungsprotokoll haben wollen.

Wenn Sie nun Geld aus dem Fonds bekommen können und wollen, erhalten aber gleichzeitig Transferleistungen (ALG II, auch HARTZ IV genannt oder eine Grundsicherung zur Rente), sollten Sie unbedingt folgendermaßen vorgehen:

  • Gehen Sie als erstes zum Sozialamt / Arbeitsamt.
  • Lassen Sie sich zusagen, dass das Geld NICHT angerechnet wird.
  • Lassen Sie sich diese Zusage schriftlich geben.
  • Dann erst machen Sie sich auf den Weg zur Anlaufstelle und beantragen den Rentenausgleich!

Sollten Sie schon Fondsleistungen erhalten haben oder es erfolgt gerade und Sie bekommen o.g. Transferleistungen, müssen Sie diese unbedingt beim Sozialamt angeben, vielleicht gleich mit dem Amtsleiter, Dezernenten oder Bürgermeister reden und auf die (eventuell…) bevorstehende Anweisung zur Nichtanrechnung verweisen.

Mit etwas Glück zeigt man Verständnis und wartet die angekündigte Anweisung ab, ohne die Leistungen zu kürzen oder einzustellen.
Sollte man keine Einsicht zeigen, passiert folgendes:

Die Fondsleistungen werden als Einkommen gewertet und die Sozialhilfe wird entsprechend gekürzt oder sogar eingestellt.

Das bedeutet für Sie:

  1. In den Folgemonaten werden erneut die im Zuflussmonat erfolgte Berechnung zu Grunde gelegt, übersteigen die Fondsleistungen den ermittelten Bedarf, werden diese Beträge dem Vermögen hinzugerechnet, übersteigen sie das Schonvermögen, sind die Mehrbeträge auch in den Folgemonaten zur Bestreitung des Lebensunterhaltes aufzuwenden. Unter Umständen kann so über einen längeren Zeitraum die Gewährung der Sozialhilfe versagt werden.
  2. Erfolgt dann nachträglich eine Anweisung zur Nichtanrechnung, werden die gekürzten oder entsagten Sozialhilfemittel auch nicht rückwirkend nachgezahlt, denn Sozialhilfe dient nur der Abdeckung des aktuellen Bedarfs, es sei denn die Anweisung enthält eine andere Regelung.
  3. Auf keinen Fall dürfen Sie den Empfang von Fondsleistungen verschweigen. Das kann schwerwiegende Folgen haben, wenn es herauskommt:
  4. Die Fondsleistungen werden für die Vergangenheit gegengerechnet und es wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Aufhebung der Bewilligungsbescheide und Rückforderung der gewährten Sozialhilfe kommen;
  5. da die Sozialhilfe in der Regel verbraucht sein wird, erfolgt eine Einbehaltung der Sozialhilfe bis auf das zum Lebensunterhalt Unerlässliche so lange, bis der Rückzahlbetrag somit erstattet wurde;
  6. darüber hinaus droht eine Strafanzeige wegen Sozialbetrug;
  7. daran ändert vom Prinzip her auch keine nachträgliche Anweisung zur Nichtanrechnung etwas, es sei denn, sie erfolgt rückwirkend seit der Gewährung von Leistungen aus dem Fonds. (Zitiert nach „Zuma“)

Nochmals zusammengefasst:

  • Unterschreiben Sie keine Ihnen unbekannten Formulare, Papiere oder Zettel der sogenannten Beratungs- bzw. Anlaufstellen.
  • Wenn Sie eine „Schweigepflichtsentbindung“ eventuell mit der Verzichterklärung in einem Dokument oder separat unterschreiben, sollten sie sich im Klaren darüber sein, dass alle Personen, die diese Dokumente bekommen, im Nachhinein Erkundigungen über Ihren Gesundheitszustand und Ihre sozialen Verhältnisse einholen dürfen. Alle Ämter, soziale Institutionen, alle Sie behandelnden Ärzte sowie kirchliche Institutionen sind von der Schweigepflicht gegenüber der Fondsverwaltung entbunden. Ob dieser Personenkreis der Fondsverwaltung und der Anlaufstellen schlussendlich über die Kompetenz verfügt, Ihren Gesundheitszustand und Ihre soziale Situation richtig zu interpretieren ist sehr fraglich. Dieser Personenkreis wird keine medizinische Ausbildung haben, speziell nicht, wenn es sich um Erkrankungen (wie Traumatisierungen, diese mit Spätfolgen usw.) ehemaliger Heimkinder handelt.
  • Lassen Sie sich speziell für diesen Fall, eine Datenschutzregelung mit Ihrem Namen, Ausstellungsort, Ausstellungsdatum, Stempel und dem Namen des Sachbearbeiters darauf aushändigen.
  • Bedenken Sie auch, dass die sogenannten Anlaufstellen nur ihren Antrag auf Hilfeleistungen aus dem Fonds entgegennehmen. Die Anlaufstellen entscheiden nicht über ihren Antrag sondern leiten ihn weiter an die sogenannten Fondsverwaltungsstellen.
  • Ihr Antrag wird von Ihnen unbekannten Personen bearbeitet. Sie haben also kaum noch eine Möglichkeit einer Einflussnahme.
  • Lassen Sie sich nicht zum Unterschreiben unter Druck setzen, bitten Sie sich Bedenkzeit aus.
  • Sie haben ein Recht auf diese Vorsichtsmaßnahmen und selbstverständlich auch auf Ihr Misstrauen! Lassen Sie sich nicht damit abwimmeln, dass „alles seine Richtigkeit habe“.

In der Zwischenzeit haben wir durch Rückmeldungen erfahren, dass z.T. in den Anlaufstellen sehr burschikos mit ehemaligen Heimkindern, die einen Antrag stellen wollen, umgegangen wird. Wenn Sie Erfahrungen dieser Art machen, teilen Sie uns dies bitte mit, vielleicht sind wir in der Lage, Ihnen und anderen ehemaligen Heimkindern in einer ähnlichen Situation zu helfen. Auf alle Fälle werden wir darum besorgt sein, dass dieses Verhalten der Anlaufstellen veröffentlicht wird.

Was kann der VEH für Sie hierbei tun?

  • Vorweg: Wir dürfen keine Rechtsberatung machen.
  • Wir können Ihnen aber unsere Meinung zu der einen oder anderen Angelegenheit mitteilen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.
  • Lassen Sie sich nicht auf dubiose Telefonberatungen ein, wenn Sie nicht genau wissen, mit wem Sie reden. Es sind zurzeit leider eine Menge Scharlatane unterwegs, die alle “nur Ihr Bestes” wollen und Ihnen das Blaue vom Himmel (oder einen Geldsegen!) versprechen.
  • Um auch anderen Ehemaligen Heimkindern in ähnlichen Situationen helfen zu können, sind wir Ihnen für jede Information, die Sie uns zukommen lassen, dankbar.
  • Wir unterliegen dem Datenschutz und haben einen Datenschutzbeauftragten.

 

 

Diesen Text stellen wir Ihnen hier zur Verfügung:

 

Viele weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Homepage.

 

 

Siehe zu diesem Thema auch unsere Seite Verzichtserklärung:

"Entschädigung"? Der Fonds Heimerziehung

„Menschen die am Rand der Gesellschaft leben, werden gerne übersehen„ Wir wollten eine Entschädigung die den Namen verdient und uns wenigstens im Alter ein menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Entschädigung ist ein finanzieller Ausgleich für erlittenes Leid und damit einhergehender Einschränkung der Lebensqualität.

Mit diesem Fonds Heimerziehung werden wir erneut gedemütigt !!!!!

Die Menschenrechtsverletzungen werden in keinster Weise anerkannt, bzw. entschädigt, somit sind wir auch im Alter weiterhin die Heimkinder und leben größtenteils an und unter der Armutsgrenze. Wir haben nicht nur gesundheitliche Schäden davon getragen, sondern großen seelischen Schaden genommen, man hat uns als Kind die Würde genommen und diese traumatische Vergangenheit holt uns bis heute immer wieder ein, dies ist mit keinem Geld der Welt gutzumachen (Länder wie Irland, Österreich, Norwegen, Belgien, Kanada, Australien, USA entschädigen ihre Opfer in Millionenhöhe, soviel ist diesen Ländern das zerbrochenen Leben eines Kindes wert, hier werden die Täterorganisationen geschützt).

Vieles haben wir auch unbewusst auf unsere Kinder übertragen, denn „es ist nicht vorbei“ !!! – Diese traumatischen Erlebnisse haben unser Leben bestimmt. Ich haben den Glauben an den Sozial-und Rechtsstaat verloren, denn für die Bankenrettung wurden binnen kürzester Zeit Milliarden bereit gestellt und wir sollen jetzt mit Almosen abgefertigt werden.

Die Anlauf-und Beratungsstellen werden, außer in Berlin, von den Nachfolgern der Täterorganisationen geführt, dies ist eine weitere Demütigung aller ehemaligen Heimkinder.

Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. hat eine monatliche Opferrente von 300,--Euro gefordert bzw. eine Einmalzahlung von 54.000,--Euro für alles Leid und entgangene Lebenschancen.

(geschrieben: anlässlich der Eröffnung der Anlauf-und Beratungsstelle in Berlin Januar 2012),

Liane Mueller-Knuth (ehemaliges Heimkind)

 

 

Erfahrungsberichte und Eindrücke

Besuch bei einer Hamburger „Anlauf-und Beratungsstelle Heimerziehung“ eines potenziellen Antragsteller auf „Hilfe“ aus dem „Hilfsfonds Heimerziehung“ („Sachleistungen“) und dem „Rentenersatzfonds“ (etwas Bargeld falls zutreffend) aus freiwilligen Gaben der KIRCHEN, des STAATES, und den LÄNDER.

(Warnender Kommentar von MM: Nichts steht einem Antragsteller zu und nichts kann von einem Antragsteller eingeklagt werden falls sein Antrag abgelehnt wird. Die unterschriebene unwiderrufliche Verzichtserklärung bleibt aber trotzdem bestehen und gültig!).

Dieser Besuch ereignete sich am Mittwoch, 1. Februar 2012.

Besuch bei der Anlaufstelle Hamburg

Heute habe ich meine Anlaufstelle aufgesucht und ein wohl zweieinhalbstündiges Gespräch mit den dortigen Mitarbeitern geführt. Gleich vorweg möchte ich Euch mitteilen, dass die Rentenregelung, wonach Frauen pro Monat 200 €, und Männer 170€ pro Monat angerechnet bekommen vom Tisch ist. Ich habe es sowieso für ungerecht gehalten. Frauen und Männer werden gleichbehandelt und bekommen 200€ monatlich angerechnet, wenn die Voraussetzungen da sind. Das ist der neueste Stand.

Da ich für möglichst viel Transparenz bin, werde ich hier das schriftliche Ergebnis meines Besuches festhalten, weise aber darauf hin, dass ich einige Taschentücher während der Sitzung
verbraucht habe. Hier das formale Ergebnis meines Besuches, weitere Anmerkungen evtl. in den folgenden Antworten.

Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder am 01.02.2012
im Versorgungsamt Hamburg
Adolph -Schönfelder-Straße 5
22083 Hamburg

Aufnahmevermerk:

Herr Manfred Zielke, geb. xx.xx.xxxx, erscheint heute in der hiesigen Beratungsstelle und möchte Beratung und Entschädigung aus dem "Fonds Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975". Er war nach eigenen Angaben seit August 1953 bis 31.12.1967 mit Unterbrechungen in verschiedenen Heimen untergebracht. Vor 1953 habe es mit Unterbrechungen ebenfalls Heimaufenthalte gegeben. an die einzelnen Heime und Unterbringungszeiten erinnere er sich jedoch nicht. Weitere Daten wird Herr Zielke der hiesigen Beratungsstelle nachreichen.

 

 

Siehe auch die Blogseite von M. Zielke.

 

Vor dem 14. Lebensjahr habe er in den Heimen die üblichen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten verrichten müssen. Nach dem 14. Lebensjahr habe er eine Ausbildung zum Elektriker begonnen und sei in einem Lehrlingsheim untergebracht gewesen. In diesem Heim habe er nicht arbeiten müssen. Die Ausbildung zum Elektriker habe er später abgebrochen.

Nach den Heimaufenthalten habe er zunächst seinen Wehrdienst abgeleistet. Danach habe er in verschiedenen Berufen gearbeitet. Später habe er in Hamburg eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht. In diesem Beruf hat er auch gearbeitet.

Zwischenzeitlich sei er obdachlos gewesen und habe beruflich "nicht richtig Fuß gefasst".

Heute lebe er im Rahmen der sogenannten 58er Regelung von Arbeitslosengeld II.

Während seiner Heimaufenthalte sei er sowohl körperlich als auch seelisch misshandelt worden. Sexuell missbraucht wurde er während der Heimaufenthalte nicht.

Während der Heimaufenthalte habe er keine Selbstmordversuche unternommen. Spätere Selbstmordversuche hätten mehrere Ursachen gehabt. Von Selbstmordversuchen anderer Heimkinder habe er nichts gehört.

In Folge eines Heimaufenthaltes im evangelischen Heim "Gotteshütte" habe er Asthma bekommen, das später nie richtig behandelt worden sei. Auf Nachfrage teilte er mit, dass er in der Vergangenheit Therapien gehabt habe, zuletzt 1996. Weitere Therapien wünsche er nicht, weil sie ihn "nichts bringen würden".

Er sei grundsätzlich einverstanden, dass seine Daten (Name, Anschrift, Telefonverbindungen) an Forschungseinrichtungen o.ä. weitergegeben werden können.
Seine Telefonnummer laute: 040 / 642 XX XX.

Herr Zielke legt ein Schreiben vor, das einen Hinweis auf seinen Heimaufenthalt gibt. Dieses Schreiben wird in Kopie zur Akte genommen.
Weitere Unterlagen werde er bei der nächsten Vorsprache mitbringen. Er sei bereit seine Angaben eidesstattlich zu versichern.
Herr Zielke und ich einigten uns darauf, dass er nochmals hier vorsprechen und weitere Unterlagen
(s.o. auch Arbeitslosengeld II -Bescheid) vorlegen werde.

Um das während der Heimerziehung erlittene Unrecht zu lindern, würde er sich aus dem Fonds "Heimerziehung in den Jahren von 1949 bis 1975 wünschen, dass die Kosten für eine Wohnungsrenovierung, für neue Möbel sowie die Kosten für die Beschaffung neuer, nicht gebrauchter Kleidung übernommen werden könnten.

Dieser besondere Hilfsbedarf steht im Zusammenhang mit Schädigungen durch die damalige Heimerziehung, da er dadurch "nie richtig Fuß" habe fassen können und in dessen Folge berufliche, bzw. wirtschaftliche Nachteile habe in Kauf nehmen müssen.

Bei der nächsten Vorsprache werde gegebenenfalls eine Vereinbarung über Leistungen aus dem Fonds für ehemalige Heimkinder sowie die Verzichtserklärung unterschrieben werden.

Unterschrift: Bearbeiter XXX
Unterschrift: Heimkind M. Zielke

Ich lasse dies jetzt erst einmal unkommentiert stehen, nur um einen Überblick zu verschaffen, wie so ein Besuch bei der Anlaufstelle aussehen könnte. Es gibt übrigens auch Wünsche zur Hilfe wie ein Auto, eine Weltreise, Karten für den FC St. Pauli usw. Entschieden wird jedoch alles in Köln.

Die Berater in den Anlaufstellen nehmen nur die "Fälle auf, und leiten nach dem Unterschreiben einer Verzichtserklärung die Anträge weiter – vorher nicht.

M. Zielke

Ich vergaß: Der St. Pauli Fan (d.h. ein anderer Antragsteller, dem ich bei “Anlauf-und Beratungsstelle begegnete) wollte auch noch eine neue Küche. Ob es was gibt, ist jedoch fraglich.

Man ist nach meiner Meinung in erster Linie an den Verzichtserklärungen interessiert, und den Forschern möglichst viel Futter in den Rachen zu werfen. Auch bei mir wollte man gleich einen Anschlusstermin machen, wo ich dann alle verfügbaren Unterlagen mitbringe und die Verzichtserklärung unterschreiben solle.

Ich erbat mir jedoch Bedenkzeit, und will erst mal mindestens ein halbes Jahr abwarten, wie sich alles entwickelt. Es ist einfach noch zu vieles ungeklärt und die Unzufriedenheit unter den Ehemaligen ist nach wie vor hoch. Meine Gesprächspartner in der Anlaufstelle beim Versorgungsamt betreuen übrigens in erster Linie Opfer von Gewalt (bitte nicht mißverstehen) und machen nebenher die Arbeit mit den Ehemaligen.

Sie waren völlig unvoreingenommen und lernen täglich dazu, was unsere spezielle Problematik betrifft. Hausbesuche wegen Hilfen wird es übrigens in Hamburg nicht geben.

(Anm. d. Red.: Der Verfasser des Textes ist mit der Veröffentlichung einverstanden.)

 

 

 

 

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Diese Seite wurde am 25 Juli, 2015 aktualisiert.

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