Ehemalige Heimkinder gesucht

Für ein Gespräch/Interview über Medikamentenversuche an Heimkindern in den 1950er bis 1970er Jahren

Wer wird gesucht?
Ehemalige Heimkinder, die in den 1950er bis 1970er Jahren Medikamentenversuchen bzw. Medikamentenmissbrauch ausgesetzt waren. (Betroffene, die damals in eine Psychiatrie oder in einer Einrichtung für Menschen mit einer Behinderung untergebracht waren, sollen im Rahmen dieser Studie nicht befragt werden)

Wann?
Zwischen August und September 2019

Wofür?
Für ein Gespräch über das persönliche Erleben des Medikamentenmissbrauchs. Im Fokus dabei sollen die psychische Verarbeitung dieser Erlebnisse und die Hindernisse in der Verarbeitung stehen.

Warum?
Um einen Beitrag in der Aufarbeitung der Geschehnisse zu leisten sowie zu reflektieren wie der (gesellschaftliche) Umgang mit Traumata nachdem sie geschehen sind aussehen sollte, möchte ich diese Studie durchführen und dafür mit ihnen ein Gespräch führen.

Zu meiner Person:
Mein Name ist Jakob Schlottner. Ich bin 24 Jahre alt und studiere Psychologie im Master an der Universität zu Lübeck. Ich setzte mich schon länger mit traumatischen Erlebnissen in der Generation meiner Großeltern (Flucht aus Ostpreußen) und wie sich diese Erlebnisse auch noch heute auswirken, auseinander. Vor dem Hintergrund dieses schon bestehenden Interesses und der seit kurzem beginnenden Aufarbeitung der Medikamentenversuche in Heimen in den 1950er bis 1970er, hat sich nun dieses Thema für meine Masterarbeit entwickelt.

Ich bin interessiert an einem von Ihnen aktiv mitgestalteten Gespräch, um ihre Erfahrungen für meine Masterarbeit aber auch für einen kleinen Beitrag zur Aufarbeitung der Medikamentenversuche zu nutzten. Ihre Angaben werden vertraulich behandelt und persönliche Daten unkenntlich gemacht.

Für Ihre Mithilfe wäre ich Ihnen sehr dankbar!

Wie?
Bei Interesse melden Sie sich bei mir und wir vereinbare ein Treffen: Tel: 0160/99446951 Email: jakobschlottner@gmail.com



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Ex-Heimkinder fordern 500 Euro Opferrente

Domradio.de,
19.06.2019

Der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) fordert eine monatliche Opferrente von 500 Euro, die nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet wird. Sie habe die Befürchtung, Politik, Kirchen und Gesellschaft wollten einen Schlussstrich unter dieses düstere Kapitel der Geschichte ziehen, sagte VEH-Sprecherin Doris Petras der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Daher habe der Verein am selben Tag einen Offenen Brief an die katholische Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht, dem weitere Briefe und Aktionen folgen sollen – als nächstes an die evangelische Kirche, aber danach auch an Jugendämter, Ärzteverbände, die Pharmaindustrie und andere mehr.

In dem Offenen Brief wirft der Verein der katholischen Kirche vor, immer noch zu wenig zu tun, um den ehemaligen Heimkindern zu helfen, trotz aller Traumata aus der Zeit im Heim ein einigermaßen normales Leben führen zu können. “Diese Chance hatten die meisten bisher noch nie in ihrem Leben”, sagte Petras der KNA: “Viele haben einfach keine Kraft mehr, sind vereinsamt und konnten nie richtig arbeiten und damit auch nie eine vernünftige Rente erwirtschaften.”

Zu dem Offenen Brief wolle sich die Bischofskonferenz “wie grundsätzlich zu allen Offenen Briefen” nicht äußern, hieß es auf Anfrage. In einem früheren Brief an den VEH, der der KNA vorliegt, hatte der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, unter anderem zugesagt, sich gemeinsam mit der evangelischen Kirche für eine Reform des Opferentschädigungsgesetzes OEG und weitere “betroffenenfreundliche Regelungen” im Entschädigungsrecht einzusetzen. Außerdem hatte er auf die Beteiligung der Kirchen am “Fonds Heimerziehung” und an der “Stiftung Anerkennung und Hilfe” hingewiesen. (dpa, 19.6.2019)

Quelle

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Wir fordern eine Opferrente!

Der Verein und weitere Selbsthilfegruppen haben einen Brief an sämtliche katholische Bischöfe versandt, dazu ein gesondertes Schreiben an die deutsche Bischofskonferenz.

Die Antworten waren beschämend: Es erreichten uns lediglich vier (!) Schreiben von insgesamt 28 Bischöfen (vielmehr deren Büros). Von der Bischofskonferenz war die Antwort gleich ganz Schweigen!

Wir haben also nach reiflicher Überlegung beschlossen, mit diesem Schreiben an die Öffentlichkeit zu gehen, denn wir denken doch, dass wir und unser Anliegen zumindest eine Antwort wert sind!

Hier der Brief im Wortlaut

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Die Tabletten-Kinder

Autor: Reiner Burger

Medikamente wurden noch bis in die siebziger Jahre an Heimkindern und „milieugeschädigten“ Jugendlichen getestet. Ohne Rücksicht auf die Nebenwirkungen.

[ Artikel mit vier Fotos — eins davon mit der Beschriftung: Die tägliche „Dröhnung“: Heimarzt Waldemar Strehl auf einem Bild von 1959 – Foto Franz Sales Hausʹ Wilhelm Strickum]

Tabletten, Tabletten, Tabletten. „Wir bekamen immer für irgend etwas Medikamente.“, erinnert sich Anton Turinsky. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder kam er 1955 ins Franz Sale Haus in Essen, ein katholisches Heim für behinderte und auffällige Kinder. Ihre Mutter hatte psychische Probleme, ihr Vater fühlte sich mit den zappeligen Zwillingen überfordert. Es hieß, wir hätten erblich bedingt eine Belastung, wurden von Heim zu Heim im Rheinland herumgereicht. Damals hatte man ganz schnell den Stempel ,Schwachsinnʻ.“ Gerade fünfeinhalb waren die beiden, als sie schließlich das Sales-Haus aufnahm. „Manche besonders unruhigen Kinder bekamen morgens, mittags, abends Pillen. Sie wussten schon, wenn sie sich in Reih und Glied aufzustellen hatten“, erzählt Turinsky. „Die Schwestern kamen mit einem Serviertablett, auf dem die Medikamente lagen. Dann wurde noch in den Mund geschaut, ob man die Pille wirklich geschluckt hatte. Tabletten gehörten für uns Heimkinder zum Alltag.“ 

Anton Turinsky war erschüttert, als er vor wenigen Wochen eine Liste des damaligen Heimarztes Waldemar Strehl zu Gesicht bekam. Unter dem Datum 28. Januar 1958 führte der Mediziner detailliert Protokoll über den experimentell-hochdosierten Einsatz des kurz davor vom Pharmahersteller Merck auf dem Markt eingeführten Neuroleptikums Decentan an 29 Bewohnern des Heimes, die meisten von ihnen im Alter von fünf bis dreizehn Jahren. Die Nebenwirkungen waren dramatisch. Bei mehreren Probanden vermerkte Dr. Strehl Blick-, Starr und Schreikrämpfe. „Zunge war wie gelähmt“, heißt es bei einem Jungen, bei einem anderen: „Nach erneuter Behandl. mit 8 mg (4 Tabl.) Schrei- und Blickkrämpfe, Torsionsspasmen, Meningismus“. Neben dem Namen des damals acht Jahre alten Anton Turinsky finden sich ähnliche schockierende Einträge. 

Die Pharmazeutin Silvia Wagner stieß bei ihren Recherchen auf die Strehl-Liste. Wagner schreibt derzeit ihre Doktorarbeit über Arzneimittelstudien an Heimkindern. Sie wertete zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen aus den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren aus und recherchierte im Bundesarchiv oder bei Pahrmaunternehmen wie Schering und den ehemaligen Behringwerken. „Besonders offen und hilfreich war man bei Merck in Darmstadt“, sagt Wagner. „Während andere Unternehmen ihre Unterlagen teilweise schon vernichtet haben, ist bei Merck alles vorbildlich abgelegt, deshalb konnte ich auch die Liste von Dr. Strehl finden.“ 

Vor kurzem veröffentlichte Wagner eine Vorstudie mit ihren bisher wichtigsten Ergebnissen über dieses, wie sie formuliert, „unterdrückte und verdrängte Kapitel der Heimgeschichte. Wagner fand Belege für etwa fünfzig Versuchsreihen mit Kindern in Heimen in ganz Deutschland zwischen 1957 und 1972. In keinem einzigen Fall stieß sie auf Hinweise, dass die Betroffenen oder ihre Eltern vorab um ihre Einwilligung gefragt worden wären. Nach ihren Recherchen ist die Pharmazeutin überzeugt, dass seinerzeit viele neue Medikamente auch an Heimkindern getestet wurden. „Diese Funktionalisierung von Kindern und Jugendlichen zu Versuchpersonen stellt eine Form von Gewaltanwendung dar, die jene Gewalt ergänzte und unterstützte, die sie in ihren Heimen ohnehin schon erfuhren“, sagte Wagner. „Sie wurden unter Missachtung ihrer Bedürfnisse und Rechte zu bloßen Forschungsobjekten degradiert. 

Zumindest in einem, schon 2011 von Bochumer Historiker Uwe Kaminsky entdeckten Fall geschah das sogar mit Billigung der Behörden: 1966 fand im Heim Neu-Düsselthal in Düsseldorf eine Psychopharmaka-Versuchsreihe mit „schwererziehbaren“ Kindern statt. Verabreicht wurde ihnen das Neuroleptikum Truxal der Troponwerke. Die zuständigen Landesbehörden hatten zunächst Bedenken: Sie bezweifelten, dass die gewonnenen Ergebnisse für die Heimarbeit relevant seien, und fürchteten den „Widerstand der Eltern der in einer besonderen Testreihe einbezogenen Kinder“. Schließlich einigten sich die Behörden einfach mit dem für den Test verantwortlichen Mediziner von der Rheinischen Landesklinik Düsseldorf darauf, dass es sich bei dem Vorhaben nicht um einen Test „im Sinne eines experimentellen Medikamentenversuchs“ handele. Eine Einwilligung hielt das Landesjugendamt nun nicht mehr für nötig. Schließlich habe das Amt als „Träger von Erziehungsrechten und -pflichten“ an Stelle der Eltern die „bestmögliche Hilfe“ zu gewährleisten. 

Noch Anfang der siebziger Jahre fand unter ebendiesen Vorzeichen in der Rheinischen Landesklinik für Jugendpsychiatrie Viersen-Süchteln eine Studie mit dem Neuroleptikum Dipiperon statt, das das Pharmaunternehmen Janssen zur Verfügung gestellt hatte. Bei den Probanden handelte es sich überwiegend um „milieugeschädigte Kinder, die aus sehr ungünstigen sozialen Verhältnissen“ stammten. Sie waren zwischen zwölf und vierzehn Jahre alt. Die Ärzte nahmen „hirnorganische Störungen und milieureaktive Störungen“ an, wie es in Unterlagen von damals heißt. 

Im Landeskrankenhaus in Schleswig wurde ebenso wie in den Bodelschwinghschen Anstalten Bethel (Bielefeld) vor Markteinführung das Medikament Encephabol anfang der sechziger Jahre auch an Epilepsie-Patienten im Kindesalter gestestet. Die Mediziner setzten damals große Hoffnungen in neue Medikamente, beschränkten sich die Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsien doch lange im Wesentlichen auf Brompräparate. Erst später wurden Fortschritte mit anderen Arzneimitteln erzielt. Über „38 ausgiebig geprüfte Fälle“, in denen er das Mittel mit Testbezeichnung B6/II eingesetzt hatte, berichtete der in Bethel zuständige Arzt an Hersteller Merck. Nach Durchsicht eigener Akten geht Bethel davon aus, dass keine rechtskräftige Einwilligung der gesetzlichen Vertreter der Kinder vorlag. „Wenn dem tatsächlich so ist, hat es sich bei den Versuchen schon damals um Grundrechtsverstöße gehandelt“, sagt Günther Wienberg vom Vorstand der Bodelschwinghschen Stiftungen. Bethel werde das Thema „Medikamentenvergabe, Medikamentenversuche und Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie“ umfassend aufarbeiten. 

Sabine Bernschneider-Reif hat sich ein Aktenkonvolut auf ihrem antiken Arbeitstisch parat gelegt. Bernschneider-Reif ist Leiterin der Abteilung Corporate History von Merck. Das älteste chemisch-pharmazeutische Unternehmen in der Welt ist sehr geschichtsbewusst. Zur Abteilung Unternehmensgeschichte zählen ein Museum, eine historische Bibliothek und eben ein großes Archiv, das Medizin- und Wissenschaftshistoriker aus dem In- und Ausland schätzen. „Wir unterstützen selbstverständlich auch die Aus- und Aufarbeitung des Heimkinder-Themas“, sagt Bernschneider-Reif. Sie nimmt die Liste des Essener Heimarztes Dr. Strehl aus dem Konvolut. Die Pharmazeutin und Historikerin schüttelt den Kopf, als sie die Ergebnisse der Anwendungen des Essener Heimarztes noch einmal liest. Vieles bleibt auch für Bernscheider-Reif ein Rätsel. Nach welchen Kriterien wählte der Mediziner seine Probanden aus? War die hohe Dosierung Willkür? Welche Beziehung bestand überhaupt zwischen Merck und dem Mediziner? „Grundsätzlich ist es wichtig das gesamte Thema im Kontext des historischen Erfahrungsraums zu sehen“, sagt Bernscheider-Reif. 

Tatsächlich ist aus heutiger Sicht undenkbar, was damals Rechtslage und gängige Praxis war. Es gab seinerzeit noch kein Zulassungsverfahren für Medikamente. Wie bei der pharmakologischen Prüfung gab es in den fünfziger Jahren auch für klinische Studien keine verbindlichen Regelwerke, vielmehr lagen Umfang und Ausgestaltung des Verfahrens praktisch im Ermessen von Ärzten und pharmazeutischer Industrie. Selbst nach Inkrafttreten des Arzneimittelgesetzes im Jahr 1961 gab es kein vorgeschriebenes Zulassungsverfahren. Das änderte sich erst 1976. Bis dahin handelte es sich bei den „Prüfberichten“ von Kliniken und niedergelassenen Ärzten oft um unsystematische Rückmeldungen mit Allgemeinformeln und nicht selten einfach nur um wohlfeile Unbedenklichkeitbescheinigungen. Hatte ein Unternehmen alle notwendigen Unterlagen eingereicht, war das Bundesgesundheitsamt verpflichtet, ein neues Medikament zu registrieren, auch wenn es nicht wirksam oder gar gesundheitlich bedenklich war. 

Die Mediziner hatten für sich in Anspruch genommen, selbst festlegen und steuern zu können, welche Arzneimittel von Nutzen sind und welche nicht, schreibt der Historiker Niklas Lenhard-Schramm in seinem im Sommer [2016] vorgelegten Standardwerk über den Contergan-Skandal. Im Fall Contergan hatte das zur Folge, dass sich kaum ein Mediziner an die Behörden wandte, als erste gravierende Nebenwirkungen bekannt geworden waren. Lenhard-Schramm bezeichnete das als Genehmigungspraxis „im Sinne eines Laissez-faire“. 

Wie ungeordnet das Überprüfungsprozedere für neue Medikamente ablief, lässt sich bei Decentan exemplarisch nachzeichnen. Unter der Bezeichnung „T57“ wurde die Arznei in verschiedenen Kliniken getestet – darunter auch die Kinderstation der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren im bayrischen Allgäu oder das Hapheta-Heim im nordhessischen Treysa. Mit Blick auf die Markteinführung am 1. Dezember 1957 wandten sich Vertreter der „Wissenschaftlichen Abteilung“ von Merck an weitere Krankenhäuser, Universitätskliniken und niedergelassene Ärzte. Noch in einem „Sammelbericht Berlin“ von Ende Januar 1958, heißt es trotz der „insgesamt zahlreichen Fälle an vielen Prüfstellen“ ergebe sich, „wie zu erwarten war, kein einheitliches Bild über Indikationen, Dosierungen, Wirksamkeit, Nebenerscheinungen“. In jenen Tagen besuchte auch ein Merck-Vertreter Dr. Strehl im Essener Franz Sales Haus, nahm vermutlich die Liste entgegen und ließ sich „die für uns sehr deprimierenden Ergebnisse“ ausführlich darlegen. Er habe nicht verschwiegen, dass er die von Strehl gewählte Dosierung „für viel zu hoch“ halte, heist es im Besuchsprotokoll des Merck-Vertreters. Strehl sei „offenbar an medikamentösen Nebenwirkungen bei seinen Zöglingen“, bei denen es sich zumeist um Patienten mit „erethischem Schwachsinn“, also Unruhezustände handelte, „einiges gewöhnt“. Für die Einführung in der Heimpraxis halte Strehl Decentan für nicht geeignet, heißt es in dem Protokoll. Trotzdem setzte der Mediziner den Einsatz dann in geringerer Dosierung fort. Im März 1958 berichtete ein Merck-Vertreter dann über „gute Erfolge“ an seine Zentrale in Darmstadt. Strehl arbeite nun mit Vier-Milligramm-Tabletten in der Dosierung 3- 5-mal täglich und habe die Acht-Milligramm-Tabletten abgesetzt. „Die Schwestern des Hauses fordern laufend die 4-mg-Dragees nach, da sie somit endlich Ruhe auf den Stationen haben und die Kinder auch tadellos schulfähig gehalten werden.“ 

Ein Merck-Sprecher legt wert auf die Feststellung, das sein Unternehmen seinerzeit nicht rechtswidrig gehandelt habe. „Daher stellt sich die Frage nach Wiedergutmachung nicht. Sollten sich Dritte nicht entsprechend der Gesetzeslage verhalten haben, bedauern wir das selbstverständlich. 

Das Franz Sales Haus in Essen ist viel mehr als ein Haus – es ist eine kleine Stadt für Menschen mit geistigen, psychischen und mehrfachen Behinderungen. In der katholischen Einrichtung gibt es einen Biobauernhof und das moderne Hotel „Franz“, in dem Bewohner mitarbeiten und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben genießen. Über die Grenzen Essens hinaus als besonders gelungenes Beispiel für Inklusion gilt der Sportsverein „DJK Franz Sales Haus“ in dem Menschen mit und ohne Behinderung Sport treiben. Als vorbildlich gilt das Haus auch im Umgang mit seiner eigenen Geschichte. Als vor einigen Jahren erstmals über die skandalöse Pädagogik in vielen Heimen in der Nachkriegszeit, die Misshandlungen und den sexuellen Missbrauch von Heimkindern berichteten, zählte das Sales-Haus zu den ersten Einrichtungen, die unabhängige Forscher mit einer Aufarbeitung beauftragten. 2012 legte der Historiker Bernhard Frings von der Ruhr Universität Bochum seine Studie vor. Hinweise auf einen Medikamententest fand der Forscher im Heimarchiv damals nicht. 

Umso mehr wurde Heimdirektor Günther Oelscher nun von den neuen Rechercheergebnissen überrascht. „Wir werden auch diese Frage von unabhängigen Wissenschaftlern aufklären und einordnen lassen und unsere Aufarbeitung vervollständigen“, verspricht Oelscher. Im Dezember will das Kuratorium des Hauses einen entsprechenden Beschluss fassen. Wie die Bodelschwinghschen Stiftungen in Bethel will auch das Sales-Haus an einem Forschungsprojekt der nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) teilnehmen. 

Steffens hat die Verantwortlichen aller nordrhein-westfälischen Einrichtungen, in denen es nach bisherigem Kenntnisstand zu Medikamententests an Heimkindern gekommen ist, am 25. November [ in ihr Ministerium zu einem Treffen eingeladen. „Klar ist, dass die eigentliche Aufarbeitung und Dokumentation durch unabhängige Personen erfolgen muss“, sagt Steffens. Nur zu erforschen, was genau damals in den verschiedenen Heimen geschah, reiche aber nicht aus. „Um die Dimension der Geschehnisse mehr als ein halbes Jahrhundert später angemessen bewerten zu können, brauchen wir eine fundierte zeitgeschichtliche Einordnung.“ Den Auftrag für eine Studie zum historischen Kontext und zur rechtlichen Aufarbeitung will das Land vergeben. Das Projekt werde „aber leider Zeit in Anspruch nehmen“. 

Dabei gibt es schon ein ganze Reihe von Grundlagenstudien, die man nur systematisch auswerten muss. Zum rechtlichen Rahmen findet sich viel in der – von Steffens selbst in Auftrag gegeben – Contergan Studie. In einer umfangreichen LVR Studie über die Nachkriegsgeschichte der öffentlichen Heimerziehung im Rheinland schilderte der Historiker Kaminsky vor fünf Jahren, wie es in der Nachkriegszeit allmählich in Mode kam, „schwererziehbare“ Kinder mit Medikamenten zu sedieren: Zum einen ging es darum, bei den Kindern „die pädagogischen Angriffsflächen zu verbreiten“, wie 1967 der Düsseldorfer Landesobermedizinalrat formulierte. Die neuen Mittel galten in der Heimerziehung als Fortschritt. Zum anderen führten die Überbelegung vieler Heime und die unzureichende pädagogische Ausbildung vieler Erzieher zu permanenter Überforderung. Viele Erzieher wussten sich nicht anders als mit körperlicher Gewalt zu helfen. 

„Die Medikamentengabe fanden viele als ,Modernisierung des Erzieherhandelnsʻ weil körperliche Disziplinierungsmaßnahmen bei erziehungsschwierigen Kindern entfallen konnten“, sagt Kaminsky. Er spricht von einer „Medizinierung der Pädagogik“. Die Dokumentenfunde von Silvia Wagner machten deutlich, wie regelmäßig Heimkinder Opfer von Versuchsreihen werden konnten. 

Im Franz Sales Haus herrschte seinerzeit schon deshalb eine „ärztlich-medizinische“ Dominanz, wie Frings in seiner Studie über das Essener Heim schreibt, weil es neben Dr. Strehl keinen Heilpädagogen oder Psychologen gab. Er entschied mit seinen Gutachten weitgehend allein über die Lebenswege der Kinder. Häufig riet er, trotz eigentlich positiver Entwicklung, zum Verbleib der Kinder und Jugendlichen im Heim. Die meisten waren wie Anton Turinsky und sein Zwillingsbruder von einem Amtsarzt oder einer Landesklinik mit der Diagnose „Schwachsinn“, „moralischer Schwachsinn“ oder „erethischer Schwachsinn“, die aus der Zeit des Nationalsozialismus übernommen wurden, nach Essen geschickt worden. Und viele Eltern nahmen das Etikett „Schwachsinn“ in Kauf, weil sie hofften, dass ihr „Sorgenkind“ im Sales-Haus die beste Förderung bekommt. 

Bis zu seinem Wechsel an eine andere Einrichtung im Frühjahr 1969 konnte Strehl im Sales-Haus, schalten und walten, wie er wollte. Sogar zur Bestrafung setzte er laut Friggs Medikamente ein: Immer wieder sollen Zöglingen sogenannte „Betonspritzen“ oder „Kotzspritzen“ verabreicht worden sein, die zu heftigen Erbrechen oder verübergehender Bewegungsunfähigkeit führten. 

Strehl sei für die Schwestern wie ein Heiliger, ein Gott in Weiß gewesen, erinnert sich Anton Turinsky. „Wenn wir untersucht wurden, mussten wir immer in einer Reihe stehen mit nackten Oberkörpern. Die Nonnen ermahnten uns: Keine Widerworte, wenn der Doktor spricht.“ An den Test, auf den er mit zu heftigen Nebenwirkungen reagierte, kann sich Turinsky nicht erinnern, auch nicht an „medikamentöse“ Strafen. „Aber an die tägliche Dröhnung in meiner Kindheit kann ich mich gut erinnern. Zwei Stunden Mittagsschlaf mussten wir täglich machen, damit die Nonnen ihre Ruhe hatten, das ging nur mit Tabletten.“ 

Nein, eine Entschuldigung wegen der vielen Medikamente und wegen des Tests mit Decentan an ihm erwarte er nicht, sagt Turinsky. „Von den Verantwortlichen lebt ja niemand mehr.“ Was ihn vielmehr umtreibe, sei das Etikett „Schwachsinn“, dass man ihm damals aufdrückte. Turinsky zieht seinen Lebenslauf aus einer Dokumentenmappe hervor. Als er 1968 das Sales-Haus verließ, machte er eine Bäckerlehre. Später arbeitete er bei einem Konditor in Düsseldorf. Von einer Mehlstauballergie ließ er sich nicht unterkriegen, sondern schulte zum Feinmekaniker um. Bis zu seiner Rente war TurinskyVorarbeiter, Schichtleiter und Ausbilder in einem High-Tech-Unternehmen beschäftigt. „Ich habe so ziemlich alles gemacht, wofür man mich in meiner Kindheit und Jugend für zu doof gehalten hat.“

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Das beste Rezept: Aus Fehlern lernen

Zwei Wissenschaftsjournalisten haben die größten deutschen Medizin-, Pflege- und Pharmazieskandale nach 1930 unter die Lupe genommen. Von Michael Gregory

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Das neue Jahr begann mit einer guten Nachricht für Patientinnen und Patienten in Deutschland. Seit 1. Januar 2019 gilt die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verordnete Personal-Untergrenze in besonders sensiblen Bereichen von Krankenhäusern: den Intensivstationen. Die vielerorts drohenden oder bereits bestehenden personellen Engpässe könnten so zumindest etwas vermieden werden. Dies ist ein gutes Signal an alle, die in körperlich und seelisch äußerst belastender Situation auf zuverlässige Hilfe angewiesen sind. Aber auch den Schwestern und Pflegern in den Kliniken verspricht die Neuregelung Verbesserungen. In einem oft von Überlastung geprägten Umfeld, dessen Arbeitsbedingungen manche als skandalös einschätzen, war es ein erforderlicher Schritt.

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Arzneimittel- und Menschenversuche an Heimkindern

Endlich Transparenz und Entschädigungen!

Öffentliches Fachgespräch, 14. Dezember 2018, 11:30 – 16:00, Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, Raum E.300

Der Einsatz vonMedikamenten in den 1950 bis -70er Jahren in der Heimerziehung sowie Arzeimittelstudien in Heimen sind bislang nur wenig thematisiert worden. 

Erst durch die 2016 von der Pharmazeutin Sylvia Wagner veröffentlichte Studie “Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte. Arzeimittelstudien an Heimkindern” wurde bekannt, dass mindestens 50 Arzneimittelstudien an HeimbewohnerInnen durchgeführt wurden, zum Teil im Auftrag oder mit Wissen von Behörden.

Dabei wurden neben Impfstoffen und Psychopharmaka auch Medikamente zur Senkung der Libido getestet. Zusammen mit den eingeladenen Expert*innen und allen Teilnehmenden wollen wir das Thema stärker an die Öffentlichkeit bringen sowie weitere parlamentarische und außerparlamentarische Initiativen ausloten. Vor allem geht es darum, über das Ausmaß und die Folgen dieser Versuche Transparenz zu schaffen und die Möglichkeit zusätzlicher Entschädigungen für die Betroffenen und deren Hinterbliebener zu erörtern. Da Bundesbehörden in die grauenvollen Arzneimitteltests an Heimkindern ebenfalls verstrickt waren, sind Aufarbeitung und Entschädigung auch eine bundespolitische Aufgabe.

Mit

  • Susanne Ferschl,  MdB, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende,  Leiterin des Arbeitskreises Gesundheit, Arbeit und Soziales
  • Sylvia Gabelmann, MdB, Sprecherin für Arzneimittelpolitik und Patientenrechte
  • Norbert Müller, MdB, Sprecher für Kinder- und Jugendpolitik
  • Friedrich Straetmanns, MdB, Sprecher für Rechtspolitik
  • Prof. Dr. jur. Jan Bruckermann, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der  FOM-Hochschule in Köln
  • Heidi Dettinger, 1. Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.
  • Prof. Dr. Jürgen Eilert, Professur für Theorien der Sozialen Arbeit an der  CVJM-Hochschule Kassel, Autor »Psychologie der  Menschenrechte – Menschenrechtsverletzungen in deutschen Heimsystem 1945 bis 1973«
  • Sylvia Wagner,  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Pharmazeutin und Autorin der Untersuchung zu Arzneimittelstudien an Heimkindern
  • Dr. Burkhard Wiebel, Neurowissenschaftler, Forschung zu Heimkindern in der  Psychiatrie; Mitglied der Beschwerdekommission des  Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) Moderation

Moderation: Doris Petras,Sprecherin für den V.e.H. und Fraktionsgeschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE. im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)


Aufgrund der Sicherheitsbestimmungen des Bundestages ist eine Anmeldung, sowie das Mitführen eines gültigen Personaldokuments mit Lichtbild unbedingt erforderlich. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.

 <https://www.linksfraktion.de/termine/detail/arzneimittel-und-menschenversuche-an-heimkindern-endlich-transparenz-und-entschaedigungen/> 
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Missbrauchsstudie über Fälle der sexuellen Gewalt an Kindern in der katholischen Kirche

Stellungnahme des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.

Ist die jüngst veröffentliche Studie über die Fälle sexueller Gewalt in der katholischen Kirche nun der große Befreiungsschlag, unter dessen Schirm man mit Ablasszetteln handeln könnte, wenn es diese noch gäbe, oder ist das ein erneuter Versuch die Deutungshoheit in Bezug auf die Fälle sexueller Gewalt nicht aus der Hand der katholischen Kirche zu geben?

Nachdem man das zunächst mit der Aufarbeitung beauftragte kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen im Streit von dem Forschungsauftrag entbunden hatte, war es lange ruhig um dieses Vorhaben und die Opfer warteten vergebens auf Erklärungen.

Nun liegt die Studie vor und in der Tat finden sich 3677 Fälle von sexueller Gewalt in der Studie, jedoch lässt sich feststellen, dass diese im Sinne der Kirche wohlgemeinte Aufarbeitung wesentlich zu kurz greift und erneut die voll umfängliche Aufarbeitung aller Gewalt, aller Missbräuche die es an Schutzbefohlenen gegeben hat ausblendet. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler nur einen beschränkten von der Kirche kontrollierten Zugang zu notwendigen Akten hatten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach dem Wert und der Aussagekraft dieser Studie. Schon jetzt wird eingeräumt, dass es sogenannte „Dunkelziffern“ gibt. Auffällig ist weiterhin, dass in den Pressemitteilungen zu dieser Studie das Thema „Entschädigung“ nicht vorkommt.

Sicher ist, dass alle Versuche der Aufklärung von Missbräuchen einem Flickenteppich gleichen dem ein Flicken nach dem anderen erst dann hinzugefügt wird, wenn erneute Fakten auf dem Tisch liegen und nicht mehr strittig sind.

Mit Nachdruck muss darauf hingewiesen werden, dass nicht nur die katholische Kirche ihrer Verantwortung gerecht werden muss, sondern ebenfalls die evangelische Kirche, die öffentliche Hand auf Landes- und Bundesebene sowie weitere involvierte Einrichtungen, Institutionen und auch Unternehmen und Konzerne.

Seit 2016 ist bekannt das es in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe, in den Kinder- und Jugendpsychiatrien neben den bekannten Missbräuchen wie sexuelle, psychische und physische Gewalt an Kindern und Jugendlichen Sedierungen der Kinder in großem Stil, die Nutzung der Schutzbefohlenen für Medikamententestungen, die Durchführung riskanter Behandlungen mit triebdämmenden Mitteln, die Anwendung innovativer Operationstechniken am Gehirn mit fatalem Ausgang sowie die weit verbreitete Anwendung schmerzhafter und psychisch belastender Untersuchungstechniken (Pneumenzephalographie) ohne ausreichende Indikation durchgeführt wurden. In diesem Jahr wurden im Zusammenhang mit entsprechenden Recherchen Todesfälle, die dadurch verursacht wurden, im Frankfurter Raum aufgedeckt. Diese Todesfälle sind belegbar und ein ehemaliger Arzt, der auch am Kindereuthanasieprogramm der Nazis mitgewirkt hat, ist dafür verantwortlich.

Eine kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. an die Bundesregierung zeigt deutlich die Haltung die diese bezüglich einer Aufklärung einnimmt. Belegbar ist eine in Säuglings- und Kinderheimen durchgeführte Studie, die von dem damaligen Bundesgesundheitsamt in Auftrag gegeben wurde. Die Bundesregierung weiß von diesen Vorfällen angeblich nichts und ist auch nicht bereit an der Aufklärung mitzuwirken. Jedoch wurden die Medikamentenstudien an Menschen in der ehemaligen DDR ausführlich untersucht. Unter dem Vorwand, dass die DDR ein Unrechtsystem war und die BRD nicht, schließt man eine Aufarbeitung dieser und möglicher weiterer Fälle seitens der Bundesregierung aus.

Der Verein ehemaliger Heiminder e.V. fordert alle beteiligten Institutionen auf, für eine voll umfängliche Aufarbeitung zu sorgen. Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. fordert die Bundesregierung auf, die Pharmakonzerne zur Mitwirkung zu verpflichten und die Rolle der Bundesregierung die sie zu entsprechenden Zeiten hatte aufzuarbeiten. Es ist einfach auf andere zu zeigen und als Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung Forderungen an andere, in diesem Fall an die katholische Kirche zu stellen.

Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. fordert eine angemessene Entschädigung für alle Opfer.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gern an:

Heidi Dettinger Vorstandsvorsitzende V.e.H.
Tel. 05032/ 95 65 299

Bei Ihrem Anruf ertönt eine englische Ansage und ein Piepton, nach dem Piepton können Sie Frau Dettinger eine Nachricht auf Band sprechen. Frau Dettinger wird Sie umgehend zurückrufen!

Doris Petras
Tel. mobil: 0157/30 18 29 30

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Zweierlei Maß bei Medikamententests

Nur für angebliches DDR-Unrecht fühlt sich der Bund in jedem Fall zuständig

Von Jana Frielinghaus
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Laura Hottenrott, Mitarbeiterin einer Forschersgruppe der Berliner Charité, im März 2016 bei der Vorstellung der Ergebnisse einer Untersuchung zu Medikamententests im Auftrag westlicher Firmen in der DDR
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Bund stellt sich dumm

Arzneimittelversuche an Heimkindern in der BRD: Regierung weiß nichts darüber und sieht keine Verpflichtung, zur Aufklärung beizutragen

Von Jana Frielinghaus
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Der Essener Ralf Aust, hier 1965 als Kind im Franz-Sales-Haus, berichtete Ende 2016 gegenüber dem Stern, dass alle Kinder dort täglich Tabletten einnehmen mussten
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Medikamente 14: Franz Sales Haus

Pharmazeutin über Arzneitests im Heim

„Impfstoffversuche an Säuglingen“

(taz online)

Ohne ihr Wissen wurden Medikamente und Impfstoffe an Heimkindern getestet. Aufgedeckt hat den Skandal die Pharmazeutin Sylvia Wagner.

Franz Sales Haus in EssenDer Schriftzug am Franz Sales Haus in Essen (Nordrhein-Westfalen), aufgenommen am 19.10.2016. Medikamente des Pharmakonzerns Merck sind Ende der 50er Jahre an Heimkindern in Essen getestet worden. Das ergebe sich aus Unterlagen im Unternehmensarchiv, sagte ein Sprecher des Pharmakonzerns und bestätigte am 19.10.201 6Berichte des ARD-Magazins Fakt und des WDR. Demnach hatten 28 Kinder im katholischen Franz Sales Haus in Essen das beruhigende Neuroleptikum Decentan bekommen. Foto: Wolfram Kastl/dpa (zu dpa «Medikamente wurden an Heimkindern getestet – Merck bestätigt» vom 19.10.2016) +++(c) dpa – Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

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