Wir suchen

Für einen Redakteur der Sendung Frontal 21 suchen wir DRINGEND Menschen die in evangelikalen Heimen waren (Heime von “Strenggläubigen”, nicht Diakonie)! Zum Beispiel:

Elisabethstift Berlin-Hermstorf
Christhof Wisen
Herrnhuter Brüdergemeinde
Zieglersche Anstalten, Wilhelmsdorf oder anderswo
Brüdergemeinde Korntal, Korntal, BW

Aber auch in anderen Heimen derselben “Bauart”

Betroffene können sich melden unter der Handy-Nummer 
0172.26797633 (es meldet sich der Redakteur)

oder Heidi Dettinger
05032-964647 oder h.dettinger@veh-ev.eu

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Westpol bittet um Mithilfe

Liebe ehemalige Heimkinder,

ich bin Journalistin beim WDR und arbeite zusammen mit zwei Kollegen an einer TV-Dokumentation über Kinder, die in der Nachkriegszeit aus Kinderheimen in Psychiatrien verlegt wurden. Dafür möchte ich in Eurem Forum gern einen Aufruf posten, in dem wir nach Menschen suchen, die in der Nachkriegszeit in Psychiatrien waren.

Zu unserem Film: In Psychiatrien sind nach dem Krieg ähnlich schlimme Dinge passiert wie in den Heimen: die Kinder wurden geschlagen, eingesperrt, mit Medikamenten ruhig gestellt. Doch kaum jemand spricht darüber und es gibt auch keinerlei Entschädigung oder Rentenersatzleistungen für Psychiatrieopfer. Das wollen wir ändern. In unserem Film begleiten wir exemplarisch zwei Menschen, den Mut haben, uns und der Öffentlichkeit von ihren Erlebnissen zu berichten.

Unser Aufruf: Zeitzeugen aus Psychiatrien in der Nachkriegszeit gesucht!

Wir produzieren für das WDR Fernsehen eine Dokumentation über die Zustände in Psychiatrien in der Nachkriegszeit. Und dafür brauchen wir Ihre Hilfe: Wir suchen Menschen, die in der Nachkriegszeit (1945-1980) als Patient in einer Psychiatrie waren und bereit sind, von ihren häufig schlimmen Erfahrungen zu berichten. Nicht unbedingt vor der Kamera, sondern einfach am Telefon oder per Brief oder Mail. Das geht auch anonym. Schon einmal herzlichen Dank für Ihr Vertrauen!
In welcher Einrichtung sind Sie gewesen? Was haben Sie als Patientin oder Patient dort erlebt? Haben Sie noch alte Patientenakten oder andere Dokumente? Haben Sie Tagebuch geführt oder alte Briefe aus dieser Zeit an Ihre Eltern geschrieben und aufgehoben?

Wir freuen uns auf Ihre Berichte!

WDR Fernsehen – Redaktion Westpol
Stichwort „Kinderpsychiatrie“
Stromstr. 24
40221 Düsseldorf
Tel.: 0211-8900- 131
E-Mail: westpol@wdr.de

Links zu weiteren Westpol-Filmen zum Thema “Kinderpsychiatrie”:

24.03.13 Sexueller Missbrauch in der Kinderpsychiatrie http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2013/0324/kinderpsychiatrie.jsp

10.03.13 Gewalt in der Kinderpsychiatrie – Aufklärung unerwünscht http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2013/0310/kinderpsychiatrie.jsp

03.03.13
Gewalt in der Kinderpsychiatrie – Herr Petersen und seine Petition http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbeitraege/2013/0303/kinderpsychiatrie.jsp

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Und alle haben geschwiegen – Eine Kritik

Und alle haben geschwiegen

1. Der Spielfilm

Es war ein verlogener Film mit Szenen die so unwirklich waren, dass mir als ehemaliger Insassin eines Heimes für schwererziehbare Mädchen – einem Heim der Diakonie – schier die Augen über gingen:

Jungen und Mädchen
in einem kirchlichen Erziehungsheim unter einem Dach! Das ist so unwahrscheinlich wie ein Tsunami in der Wüste Gobi. Was sollte dann also damit erreicht werden? Ach ja, die Liebesgeschichte eingeläutet… Vielleicht. Ich glaube aber, dass eine solche Verzerrung zu einer emotionalen Schieflage führen kann und soll. Nicht bei den Ehemaligen – die wissen es besser – sondern bei anderen. Sie soll ein bisschen versöhnlicher stimmen. Nicht intellektuell, sondern emotional.

Eine Bücherei
und eine Taschenlampe nachts im Bett führen beide auch zu eben jener emotionalen Schieflage – bei allem Schrecken, es meldet sich das Stimmchen “immerhin gab es Bücher, Bildungsmöglichkeiten, nachts konnte gelesen werden”… Dieses Stimmchen wird irgendwann andere Emotionen, die der Film ausgelöst haben mag, ausblenden und überstimmen.

Die verliebten Blicke,
dann sogar das Treffen im Strafzimmer! Ein Junge und ein Mädel? Im Strafzimmer? Auf einem Bett sitzend? Im Halbdunkel mit Sonnenstreifen? Irgendwie süß, niedlich, ein bisschen schmerzhaft (kommt der Schmerz von dem geschwollenen Gesicht oder der Süße der jungen Liebe?), ziemlich romantisch und absolut verlogen.

Eine Bank vor dem Tor,
auf der sich Mutter und Tochter eine halbe Stunde lang ungestört unterhalten dürfen. Und natürlich fehlte das Vogelgezwitscher, als Luisa durch das Tor tritt, ebenso wenig wie Luisas verträumter Blick in diesem Moment der „Freiheit“. Lüge!

Der Film war gespickt mit diesen Szenen, eine verlogener als die andere. Und während Überlebende der Kinderheimhöllen diese kleinen und großen Lügen sofort auffallen und sie deshalb wirkungslos verpuffen, fallen sie Nicht-Ehemaligen genau nicht auf und können so ihre Wirkung entfalten: Es war ja doch alles nicht so schrecklich – immerhin gab es Nächte, in denen man sich gegenseitig im Schein der Taschenlampe vorlesen konnte, sich Jungen und Mädel verlieben konnten, sich weiße Bettwäsche im Winde blähte, und sogar das Strafzimmer war irgendwie romantisch…

Völlig unglaubwürdig war die Erklärungen der Filmemacherinnen über die „gebremste Brutalität“, die nicht recht in die Prime-Time passe. Jeder Tatort ist inzwischen gruseliger, von TV-Berichten aus Kriegs- und Krisengebieten ganz zu schweigen. Verhungernde Kinder mit Fliegen in den Augenwinkeln, Kindersoldaten, denen noch der Rotz aus der Nase läuft, die aber dennoch eine tödlich aussehende Waffe ziemlich nonchalant über der schmalen Schulter tragen, Patienten in überfüllten dreckigen Krankenhäusern mit abgerissenen und kaum medizinisch versorgten Gliedmaßen gehören jedenfalls genauso wenig zu meinen favorisierten Prime-Time-Bildern, wie auf ausgedörrtem Boden liegendes, mit Schwären und Fliegen übersätes Vieh, zerrupfte Hühner in deutschen Hühner-Kzs, Maden, die sich auf meinem Mittagessen von morgen winden. Dennoch bekomme ich dies oft genug zum Abendbrot serviert.

Aber an Heimkindern begangene Brutalitäten sind nicht vorzeigbar? Aha…

Tatsächlich ließen die elegante, gebildete, aus Amerika herein gewehte Luisa (Senta Berger) und der eloquente Paul (Matthias Habich) in dem Spielfilm nur einen Schluss zu: Ein paar Jahre Heim sind nicht schön, haben aber außer ein paar Albträumen keinen wirklichen Schaden angerichtet!

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2. Die Dokumentation zum Film

zeigte Aussagen von Ehemaligen, die betroffen machten. Aber leider blieb es auch dabei. Hier wurde eine wirklich historische Chance verpasst, aufzuzeigen, dass

  1. die Heimerziehung in Deutschland einen fließenden Übergang darstellt von Nazideutschland in die Nachkriegszeit. Erzieher, die erwiesener Maßen Aufseher in KZs gewesen sind oder natürlich auf jeden Fall ihre Ausbildung im Nationalsozialismus „genossen“ hatten. Es gab meines Wissens keine Verurteilung ehemaliger ErzieherInnen, Brüder, Diakone, Diakonissen…
  2. in deutschen Heimen Zwangsarbeit geleistet wurde, die laut § 12 GG der Bundesrepublik Deutschland verboten ist: (2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht. (3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig. Außerdem ratifizierte die Bundesrepublik Deutschland 1957 das Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in dem Zwangsarbeit für illegal erklärt wurde.
  3. Der Runde Tisch Heimerziehung ein Farce war, die dafür sorgte, dass ehemalige Heimkinder verunsichert und vertröstet werden konnten, es darüber hinaus
  4. nie eine Entschädigung für Ehemalige aus den Höllen deutscher Heimerziehung gab, dass – ganz im Gegenteil – Kirchen, Bund und Länder die Billiglösung wählten und durchsetzten und nicht zuletzt
    • ein Großteil der Ehemaligen ganz und gar aus jeglicher Art von Zahlung herausfallen:
    • Ehemalige aus Heimen für Kinder mit Behinderungen,
    • Kinder, die in die Psychiatrie gesteckt wurden
    • Kinder, die Zwangsarbeit leisten mussten, bevor sie auch nur 14 Jahre alt waren,
    • Kinder und Jugendliche, die nach 1975 ohne Lohn und Lohnabgaben in den Heimen schuften mussten.

In keiner Weise kompensiert werden auch die Brutalitäten und Bestialitäten, die den Kindern und Jugendlichen in den Heimen angetan wurden:

  • Vergewaltigungen durch so genannte Brüder und Schwestern, von Nonnen und Diakonen, Heimleitern und Diakonissen, PraktikantInnen und älteren Heimkindern,
  • Prügeln bis hin zu regelrechten Folterungen,
  • systematischer Freiheitsentzug,
  • Illegale Medikamentengaben zum Zwecke der Ruhigstellung, des Gefügigmachens oder auch des Experimentierens,
  • psychische Misshandlung wie „niedermachen“, demütigen, isolieren,
  • Verweigern von Beschulung und Berufsausbildung,
  • Gewaltsame Trennung von Geschwistern, Eltern, Großeltern,
  • Religiöse und politische Indoktrinierung.

Diese Dinge fanden im der Dokumentation keinen Widerhall, sie wurden nicht erwähnt, geschweige denn diskutiert.

Erwähnung fanden auch nicht die oftmals desolaten finanziellen Situationen, in denen Ehemalige sich heute häufig befinden.

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Und alle haben geschwiegen – Chat zu Film und Diskussion!

Unmittelbar nach dem Film “Und alle haben geschwiegen” (Montag, 04.03.2013, 20.15 Uhr, ZDF) und bereits während der anschließenden Dokumentation „die Leiden der Heimkinder“ wird es einen Chat auf den Internetseiten des ZDF geben.

Offensichtlich soll dieser auf der Videotextseite 898 auch im TV verfolgt werden können. Siehe Videotextseite 348 zur „Dokumentation“!

Wer sich einklinken kann, sollte dies tun – der Vorstand wird auf jeden Fall dabei sein und über die Zustände des RTH berichten. Auch hat sich jemand gemeldet, der über die aktuelle Situation des Fonds für ehemalige Heimkinder, wie er sie selbst erlebt berichten will – inkl. seiner Kritik an dem Fonds.

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Hier noch ein paar Links zum Film und drum herum:

Hölderlinblog
Sächsische Zeitung
Frankfurter Neue Presse
Quotenmeter
Finanznachrichten
Stuttgarter Zeitung
Der Westen

http://www.fnp.de/nnp/region/hessen/hiebe-statt-liebe-heimerziehung-im-nachkriegsdeutschland_rmn01.c.10497833.de.html

http://www.tagesspiegel.de/medien/drama-das-schweigen/7869642.html

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-wetter-und-herdecke/film-heute-zeigt-gewalt-in-den-heimen-id7678123.html

http://www.fnp.de/fnp/nachrichten/vermischtes/-und-alle-haben-geschwiegen-heimkinder-und-ihr-schweres-los_rmn01.c.10497827.de.html

http://www.diakonie-portal.de/presse/pressemitteilungen-2013/heimkinder

http://www.derwesten.de/staedte/heiligenhaus/heimkinder-erlebten-unvorstellbares-leid-id7672542.html

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/kultur/fernsehen/12881551.htm

http://www.news4press.com/HEIMKINDER-WURDEN-IM-NAMEN-DES-HERRN-GES_721893.html

http://www.derwesten.de/staedte/heiligenhaus/heimkinder-erlebten-unvorstellbares-leid-id7672542.html

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/kultur/fernsehen/12881551.htm

http://www.sz-online.de/nachrichten/und-alle-haben-geschwiegen-2519756.html

http://www.presseportal.de/pm/73876/2424504/-die-kirchen-muessen-die-heimkinder-entschaedigen-das-ehemalige-heimkind-alexander-markus-homes/gn

http://www.ptext.de/nachrichten/senta-berger-matthias-habich-geschwiegen-zdf-fernsehfilm-doku-leid-heimkindern-5-531499

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2013-02/26109713-die-kirchen-muessen-die-heimkinder-entschaedigen-das-ehemalige-heimkind-alexander-markus-homes-fordert-aufklaerung-und-entschaedigung-007.htm

http://www.t-online.de/nachrichten/id_55628514/ausgleich-fuer-ddr-heimkinder.html

http://www.politikexpress.de/die-kirchen-muessen-die-heimkinder-entschaedigen-das-ehemalige-heimkind-alexander-markus-homes-fordert-aufklaerung-und-entschaedigung-824556.html

http://www.spiegel.de/kultur/tv/zdf-film-und-alle-haben-geschwiegen-ueber-heimkinder-a-886644.html

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Arbeiten für Gottes Lohn

Mo, 28.01.13 | 22:45 Uhr| ARD

Die Story im Ersten: Arbeiten für Gottes Lohn
Wie die Kirche ihre Sonderrechte ausnutzt

Über Gerechtigkeit und Nächstenliebe reden die Kirchen gern und viel. Doch viele ihrer Mitarbeiter vermissen genau diese Tugenden, wenn es um die Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen geht. Immer wieder kämpfen sie gegen Lohndumping und Leiharbeit in ihren kirchlichen Einrichtungen. Rund 1,3 Millionen Menschen sind bei den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie beschäftigt. Damit sind die Kirchen nach dem Öffentlichen Dienst der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland.

Mitarbeiter der Kirchen verleihen “schwarzes Schaf” an kirchliche Einrichtung in Bremen.
Die Dokumentation “Arbeiten für Gottes Lohn” schildert, wie sich viele Beschäftigte gegen ihren Arbeitgeber Kirche wehren, wie sie sich organisieren und für gerechtere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen engagieren. Ein Streikrecht haben sie nicht, denn die Kirchen genießen in diesen arbeitsrechtlichen Konflikten ein “Selbstbestimmungsrecht”, das das Grundgesetz jeder Religionsgesellschaft garantiert.

Mitarbeiter der Kirchen und verdi protestieren für bessere Arbeitsbedingungen.

Die Autorin Gita Datta hat quer durch die Republik mit den Menschen gesprochen, die im “Namen des Herrn” jeden Tag erleben, wie dieses “Selbstbestimmungsrecht” ausgenutzt wird. Und wie wenig das mit den ansonsten immer wieder gepredigten Tugenden der Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu tun hat.

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