Untersuchungsausschuss gefordert

Aus Dierk Schäfers Blog:

25. Mai 2014

Gefordert wird ein Untersuchungsausschuss zur Gewalt an Heimkindern in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975[1]

Wird es ihn geben? Wie frei wäre er in der Beweiswürdigung?

Die Fragen sind nicht unberechtigt angesichts

  • der Geschichte des Runden Tisches/Heimkinder,
  • seiner Vorgeschichte und Installierung,
  • seiner Arbeitsphase,
  • seiner Ergebnisse und
  • deren Umsetzung.

Der Runde Tisch/Heimkinder hatte einen vergleichbaren Untersuchungsgegenstand. Darum haben sich schon in frühem Stadium auch ehemalige Heimkinder aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Runden Tisch gewendet. Doch der erklärte sich für diese Betroffenengruppe nicht zuständig, also blieben sie außen vor. Dies betraf und betrifft logischerweise auch den Fonds, der als Ergebnis des Rundes Tisches eingerichtet wurde, finanziert – zumindest nach Plan – zu je einem Drittel vom Staat (wer auch immer in unserem abgestuft föderalen System dafür erfolgreich anzusprechen ist,) und den beiden Großkirchen, die eine ähnlich föderale Struktur haben, zusätzlich zu den Unterschieden zwischen den „verfassten“ Kirchen und ihren Wohlfahrtseinrichtungen.

Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss ist berechtigt, weil es wichtig ist zu erfahren, warum gerade die schwächsten der ehemaligen Heimkinder, die aus Behindertenheimen und psychiatrischen Einrichtungen übergangen wurden, war doch bei ihnen eine besondere Schutzbedürftigkeit anzunehmen. Die Ausnutzung dieser besonders Hilfebedürftigen stellt eine noch dringendere Untersuchungsnotwendigkeit dar, als die der Behandlung der Schutzbefohlenen aus den Erziehungsheimen, die allerdings auch im höchsten Grad verwerflich war. Das mindeste wäre gewesen, beide Gruppen gleich zu behandeln. Diese Ungleichbehandlung ist an sich schon unverständlich und bedarf der Aufklärung. Der Handlungsbedarf ist umso dringender angesichts der Nichtdiskriminierungsrichtlinien nach UN- und EU-Recht[2].

Doch nicht genug damit. Wenden sich ehemalige Heimkinder aus den Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975 an „ihre“ Einrichtung, so werden sie abgewiesen mit der Begründung, man habe ja bereits in den Heimkinderfonds einbezahlt, der sei zuständig – was dieser ablehnt. Ich beziehe mich hier auf das Beispiel der früheren Volmarsteiner Anstalten[3]. Ein Untersuchungsausschuss müsste sich also auch um die Geldflüsse kümmern, die angeblich zugunsten dieser Betroffenengruppe geleistet und wohl fehlgeleitet wurden[4].

Eine weitere Unklarheit besteht hinsichtlich der Vorkommnisse sexuellen Mißbrauchs von Kindern. Dafür gab es einen eigenen Runden Tisch mit anderen Ergebnissen. Mir ist bis heute nicht klar, ob ehemalige Heimkinder, die nicht nur misshandelt usw., sondern auch mißbraucht wurden, Leistungen aus beiden Fonds erhalten können, die Ergebnis beider Runder Tische waren. Da es auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie neben vielfachen Misshandlungen fallweise auch sexuellen Mißbrauch gab, wäre es sinnvoll, es hier nicht zu einem weiteren Beispiel unterschiedlicher Opferdignitäten kommen zu lassen.

Der Runde Tisch/Heimkinder hat mit dem Fonds erklärtermaßen kein Recht geschaffen, kein einklagbares Anrecht auf irgendwelche Leistungsansprüche. Folgerichtig wurden die Leistungen aus dem Fonds zunächst auch als erklärungspflichtiges Einkommen der Empfänger angesehen. Inwieweit die auf Bundesebene politisch gewünschte Nicht-Anrechenbarkeit auf allgemeine Sozialleistungen von allen Sozialämtern respektiert wird, ist mir nicht bekannt.

Verbunden mit den Leistungen aus dem Fonds sollten, zumindest in der Anfangszeit der Antragstellungen, auch Verzichterklärungen auf sonstige Leistungen in dieser Sache, egal von wem, unterzeichnet werden. Wenn nun ein Untersuchungsausschuss für die bisher nicht eingeplanten ehemaligen Heimkinder gefordert wird, so sollte das nicht auf Gleichstellung im Unrecht hinauslaufen, eine Gleichstellung im rechtsfreien Raum, der frei bleibt von rechtlichen Ansprüchen der Opfer. Der Untersuchungsausschuss sollte sich auch mit den staatlichen Zuständigkeiten für die Zustände in kirchlichen Einrichtungen für Kinder befassen, wie sie vom EuGH im Verfahren gegen Irland definiert wurden. [5]

Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss ist allemal gut begründet und er sollte seine Effektivität darin erweisen, daß er die Fehler, die am Runden Tisch Heimkinder sehenden Auges[6] und wie ich meine absichtlich gemacht wurden, vermeidet und Recht schafft.

Anhang

Zur Erinnerung und Vertiefung seien hier noch einmal die Vorgeschichte, die Geschichte und die Nachgeschichte des Runden Tisches skizziert und in diesem Zusammenhang auf die Aufgaben des gewünschten Untersuchungsausschusses hingewiesen.

1. Die Vorgeschichte

Auf die Gewalt an Heimkindern in kirchlichen wie staatlichen Erziehungsheimen muß nicht weiter eingegangen werden. Hier hat der Runde Tisch hinreichend Material zusammentragen lassen und es gibt auch wissenschaftliche Veröffentlichungen, die belegen, daß die Klagen der ehemaligen Heimkinder aus diesen Einrichtungen die Zustände realistisch wiedergeben:

  • Einweisungen ohne korrekte rechtliche Grundlage,
  • Zwangsarbeit[7],
  • persönlichkeitszerstörende Demütigungen,
  • Mißhandlungen und
  • sexueller Mißbrauch

… waren in den untersuchten Heimen nicht ungewöhnlich, in manchen alltäglich. Durchgängig war das Vorenthalten von Bildungsangeboten, die die Kinder befähigt hätten, anspruchsvollere Berufe mit Zukunftsperspektive zu ergreifen. Dies alles gehört nur darum hierher, weil die Bedingungen für die Insassen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975 nicht besser waren. Beispielhaft sei hier auf die Volmarstein-Untersuchung verwiesen[8].

Man darf erwarten, daß eine Untersuchung ähnlicher Einrichtungen zu ähnlichen Ergebnissen kommen wird. Dies wäre die erste Aufgabe des Ausschusses. Am Runden Tisch wie auch in der Nachgeschichte mit dem Fonds für ehemalige Heimkinder fanden diese Einrichtungen keine Berücksichtigung, nicht einmal Erwähnung. Vom Runden Tisch wurde recht rüde mitgeteilt, man sei für diese Gruppe nicht zuständig. Dabei blieb es bis heute. Das gleiche gilt, und sei der Vollständigkeit halber angefügt, für Säuglingsheime.

2. Die Geschichte des Runden Tisches …

… ist insofern heranzuziehen, als sich eine solche nicht wiederholen darf, nun für die bisher vernachlässigten Heimkindergruppen. Nach erfolgreicher Petition der ehemaligen Heimkinder aus den Erziehungsheimen[9] setzte der Bundestag den Runden Tisch unter der Leitung von Frau Vollmer ein. Frau von der Leyen, die damalige Familienministerin ließ jedoch verlauten: „Die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.[10] Diesen Teil der Geschichte habe ich in meiner Anhörung am Runden Tisch am 2. April 2009[11] ausführlich dargestellt und auf weitere „Geburtsfehler“ verwiesen, so besonders die asymmetrische Machtverteilung am Runden Tisch, die vonseiten der Leitung wie der Mehrheit nie als Problem angesprochen, geschweige denn kompensiert wurde. So wurde der Runde Tisch zum Lehrstück, wie man schwächere Partner übertölpelt. Das Ergebnis war eine erzwungene Einstimmigkeit mit allen Tricks, die einer gewieften Verfahrensleiterin zur Verfügung stehen. Ich habe diesen Teil der Geschichte analysiert und interpretiert[12]. Ein Untersuchungsausschuß wird – denke ich – um eine gründliche Beachtung dieser Vorgänge nicht umhinkommen können.

3. Die Nachgeschichte …

… ist noch nicht abgeschlossen und ich kann auf diverse aktuelle Veröffentlichungen in den Medien verweisen, aber auch auf meinen Blog, der diese Probleme immer wieder aufgreift.[13] Zur Nachgeschichte gehört aber auch, daß (angeblich) Behinderteneinrichtungen den Fonds Heimkinder gespeist haben, obwohl dieser nicht für diese Gruppe vorgesehen war, und folgerichtig ist man dort auch nicht bereit, Zahlungen zu leisten. Meine Anfrage an die Volmarsteiner Anstalten[14] blieb bis heute ohne Antwort. Auch deren ehemaligen Insassen wurde auf gleiche Anfrage keine Antwort zuteil[15].

Nun also die Bitte nach einem Untersuchungsausschuß für die Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während der Jahre 1950 bis 1975. Hoffentlich kommt er und hoffentlich kann er freigehalten werden von allem Ränkespiel der Einrichtungen, die ihn zu fürchten haben.

[1]http://www.bioskop-forum.de/publikationen/newsletter-behindertenpolitik.html

Der Antragstext: „Der Deutsche Bundestag möge einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss einrichten, der

Erstens: die Gewalt an Heimkindern in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975 untersucht.

Zweitens: die gesetzlichen Bestimmungen der 30jährigen Verjährung in den Fällen aufhebt, in denen Heimmitarbeiter gegen internationale Vereinbarungen verstoßen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.“

[2] http://www.un.org/Depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdfhttp://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Themen/Internationales/EU/EU_node.html

[3] Heute „Die Evangelische Stiftung Volmarstein“ http://www.esv.de/

[4] Siehe auch unten Punkt 3. Die Nachgeschichte

[5] http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/02/09/das-durfte-aufsehen-erregen/http://www.wdr5.de/sendungen/diesseitsvoneden/missbrauchirland100.html

[6] Ich habe in einer Anhörung bei der zweiten Sitzung des Runden Tisches alle Problembereiche behandelt und anschließend zu Protokoll gegeben http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf , zudem habe ich Verfahrensvorschläge unterbreitet, die zu einem angemessenen Ergebnis geführt hätten, wenn man denn gewollt hätte: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/verfahrensvorschlage-rt.pdf , erneut aufgegriffen unter: http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/08/27/losungsvorschlage-von-dr-wiegand/

[7] Ein Begriff, der am Runden Tisch nicht zugelassen war, doch der Tatsache, daß erzwungene Arbeit, über normale Mithilfe im Heimalltag hinausging hatte auch die Vorsitzende als richtig anerkannt. Kompensationszahlungen für entgangene Rentenansprüche werden jedoch erst für Zwangsarbeit ab dem 14. Lebensjahr gewährt, obwohl es auch nachgewiesenermaßen Kinderarbeit gegeben hat.

[8] Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler, Gewalt in der Körperbehindertenhilfe, Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967 eine Besprechung unter: http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/03/21/im-herzen-der-finsternis/

[9] http://www.veh-ev.eu/Der_Verein/Petition/Petition_des_Vereins_ehemaliger_Heimkinder.pdf

[10] Zitiert nach: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf

[11] http://dierkschaefer.wordpress.com/2009/04/05/anhorung-runder-tisch-2-april-2009/

[12] http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[13] http://dierkschaefer.wordpress.com

[14] http://dierkschaefer.wordpress.com/2013/11/21/volmarsteiner-anstalten-und-ihr-finanzbeitrag/

[15] http://dierkschaefer.wordpress.com/2013/12/12/sobald-wir-konkretere-informationen-erhalten-melden-wir-uns-bei-ihnen/

 

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Wer ist hier behindert – oder: Wer behindert wen?

Unter obigem Titel veröffentlichte der evangelische Pfarrer a.D. Schäfer vor zwei Tagen folgenden Text nebst Anhang auf seinem Blog:

»Wie Sie wissen, hat sich die Diakonie von Anfang an dafür eingesetzt, dass der Runde Tisch Heimerziehung und der Fonds Heimerziehung auch die Interessen der Betroffenen, die als Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Behinderten­hilfe waren, berücksichtigt werden. Das ist bislang nicht gelungen«.

So heißt es in der Antwort des derzeitigen Diakoniepräsidenten (EKD). Das Dokument ist unten zu sehen.

Von dem behaupteten Einsatz der Diakonie habe ich nichts wahrgenommen. Aber wenn doch, dann möchte ich gern belegt haben, mit welchen Mitteln und Worten es der Diakonie nicht gelungen ist, Frau Vollmer als Leiterin  des Runden Tisches davon abzubringen, ausschließlich Erziehungsheime zu thematisieren und nicht die Zustände in den Behindertenheimen.

Wäre doch schön, wenn die Diakonie glaubhaft machen könnte, daß Menschen mit Behinderung, wenn auch damals übelst behandelt, wenigsten heute nicht mehr Menschen zweiter Klasse sind.

Ich wüßte zudem gern, ob die Einrichtungen für Behinderte tatsächlich Geld in den Heimkinderfonds eingezahlt haben, wenn ja, ob der Fonds das Geld zurücküberwiesen hat, und schließlich, ob das Geld der Behindertenheime nun direkt an die Antragsteller aus diesen Heimen geht oder ob diese Behinderten weiter behindert werden, die paar Kröten zu erhalten. Bitte aber auch dafür Belege!

Warum sollte man den Rechtsnachfolgern von Einrichtungen, in denen Verbrechen an wehrlosen Kindern begangen wurden, die aber den ehemaligen Heimkindern aus den Erziehungsheimen nur nach Prüfung ihrer Belege Glauben schenken, warum sollte man denen einfach nur so glauben?

dw-ekd-antwort

 

Diese schier unerträglich Lüge des Herrn OKR Johannes Stockmeier wurde von Dirk Friedrich, 1. Vorsitzender des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V. kurz und wütend kommentiert:

“Das ist die Höhe! – Dreister kann Mensch wahrhaftig nicht lügen!

Das Thema “Betroffene aus Einrichtungen der Behindertenhilfe” war, soweit meine Kenntnis, nur kurz und das am Anfang des RTH erwähnt worden. Mehr kam von diesen Banausen nicht!

Lügenden OKRs sollte man die Ausgangstür zeigen und sie beim Rauswurf in die Hacken hauen!

Wie krank sind diese Kirchenvertreter eigentlich?”

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Nie wieder!

Folgender Text aus Dirk Schäfers Blog ist ein Kommentar zu den unsäglichen Vorgängen in den Heimen der Haasenburg GmbH (wir berichteten) und den Untersuchungen, die nun – längst überfällig – zu den Vorgängen in diesen Kinderheimhöllen aufgenommen wurden.
Wir danken Lutz Adler für das Überlassen des Textes.

“Nie wieder!”

Was wird aus Kindern die verbogen, belogen, missbraucht, geprügelt werden, denen man Bildung vorenthält und die durch Zwangsarbeit oder den Zwang zur Arbeit ausgebeutet werden? Was wird aus Kindern die ohne Urteile und Prüfung eingesperrt und Drill ausgesetzt werden? Was wird aus Kindern die das ertragen mussten ohne die Möglichkeit, sich zu wehren oder Schutz zu finden? Ich kann das sicher nicht allgemein beurteilen, aber aus mir ist ein Mann von 58 Jahren geworden.

Seit mehr als 40 Jahren vermeide ich viele Alltäglichkeiten, ohne dass es jemand sehen kann. Ich übe mich in Unauffälligkeit. Ich vermeide geschlossene Räume von denen ich die Türen nicht sehen kann. Ich könnte eingesperrt werden! Ich fahre nicht einmal mit der Bahn, weil es ist ein abgeschlossener Raum, den ich nicht freiwillig verlassen kann. Das geht nur wenn der Zug hält. Ich könnte ein Konzert besuchen, kann ich aber nicht, mir jagen viele Menschen, die gemeinsam an Veranstaltungen teilnehmen, Angst und Panik ein. Ich kann nicht entkommen wenn ich möchte. Ich könnte mit Freunden gemeinsam essen gehen, das normalste von der Welt, kann ich aber nicht, es ist eine Tortur für mich, warten zu müssen bis alle Ihr Essen haben, es könnte mir gestohlen werden. Ich werde zappelig und unsicher, also vermeide ich es. Ich bin misstrauisch und argwöhnisch und beleuchte alles und Jeden der sich mir nähert. Ja, ich zerstöre unbewusst vielleicht konstruktive Synergien. Das sind ein paar wenige der  Auffälligkeiten, die mir selbst auffallen. Sicher gibt es aber noch so einige Dinge, die ich gar nicht weiß und selbst bemerke, wissenschaftlich betrachtet.

Es ist für mich zur Gewohnheit geworden so zu sein, so zu handeln und so zu leben. Aber wie viel Leben ist das eigentlich? Wenig genug und sehr, sehr anstrengend. Das weiß ich von mir. Was hat die Gesellschaft versäumt und was hätte ich ohne diese Einschränkungen, die ich selbst indessen als Behinderung empfinde, erreichen können?

Eine Million behinderte Menschen, die ähnliche oder gleiche Einschränkungen haben und wir reden über Inklusion? Wir reden über Menschenwürde und Menschenrechte und über die Bereicherung von Gesellschaften durch kritische Bürger, die Ihre Rechte auf der Straße einfordern. Wir belehren andere, Demonstrationen als Bürgerbeteiligung wahr zu nehmen und nicht als Bedrohung zu empfinden. Natürlich tun wir das, oder mindestens unsere Vertreter auf Zeit. Richtig und gut, aber sollten wir nicht zuerst dafür Sorge tragen, dass wir den heute Betroffenen von Heimerziehung – in welcher Form auch immer – die Würde zurück geben und Ihnen ein finanziell gesicherten Lebensabend trotz Behinderung oder gerade deshalb ermöglichen.  Wir haben in diesem Land einiges wieder gut zu machen, in Form angemessener Renten und Entschädigung für erlittenes Unrecht und Ausbeutung.

Sollten wir nicht endlich damit aufhören, diese Opfer zu produzieren? Sollten wir nicht endlich solche Formen des Umganges mit Kindern beenden? Sollten wir nicht endlich alles in unserer Macht stehende unternehmen, die Täter solcher „Erziehungspraktiken“ zu verurteilen? Sollten wir nicht endlich unserer Kinder mit Rechten ausstatten, die diese auch einfordern können, weil Sie diese verstehen? Sollten wir uns nicht endlich fragen, wie viel Schaden wir durch nichts tun anrichten
Ich denke, wir müssen!

Wir müssen das einfordern. Bildermann kenn ich nicht, aber ich bilde mir ein, dass wir uns das alle fragen lassen müssen, auch und aktuell zuerst in Brandenburg. Es ist so eine Sache mit „nie wieder“ in unserem Land, ist es nicht an der Zeit damit endlich anzufangen?
Ich dachte, hoffte und glaubte letztendlich auch, dass wir etwas gelernt haben. So als Land, als  Gesellschaft , als das sogenannte Volk.

Offenbar haben wir das nicht. Oder wollen wir vielleicht nicht? Es wirkt auf mich, als wollten wir nicht. Als litten wir alle unter Amnesie und offenbar haben wir sie gern, unsere Amnesie. Sonst müssten wir uns ja täglich mit Fragen auseinandersetzen auf die es Antworten gibt.

Antworten zum Beispiel auf die Frage: Woher kommt der NSU. Wer hat das gewusst und zugelassen? Wir oder die, die dafür bezahlt werden so etwas zu bemerken, öffentlich zu machen, ja, auch die Bürger zu schützen. Die haben es gewusst und offensichtlich auch bemerkt , nur weder öffentlich gemacht noch die Ihnen anvertraute Sicherheit der Bürger im Auge behalten.

Ich habe keine Amnesie und bemerke das sich vieles wiederholt. Zum Besipiel die Art und Weise, wie ich in einem Spezialheim der DDR erzogen wurde. Diese Methoden wiederholen sich nun in einem privatisierten geschossenen Kinderheim in Deutschland. Und das, nachdem wir geschädigten Heimkinder von damals bis heute nicht entschädigt haben für diese Misshandlungen. Nun geschehen diese Misshandlungen wieder. Was haben wir also tatsächlich gelernt als Gesellschaft? Nach zwei großen Kriegen haben wir uns die Beteuerung „Nie wieder“ auf die Fahnen geschrieben. Nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen an der Odenwaldschule  riefen wir wieder: „Nie wieder“

Und nun? Die Fortsetzung sog. Erziehungsmethoden in einer GmbH in Brandenburg. Nein, kein bedauerlicher Einzelfall, sondern die konsequente Fortsetzung und Folge der Nicht-Bewältigung, der Nicht-Aufarbeitung , Nicht-Verhinderung, und der nicht angemessenen Entschädigung der Opfer solchen Tuns. Es reicht einfach nicht „Nie wieder“ zu sagen. Wir müssen diese Geschichten gemeinsam aufarbeiten und bewältigen. Wir können nur verhindern, was wir verstanden und beendet haben. Wie groß soll der angerichtete Schaden an den Kinderseelen noch werden?

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Dierk Schaefers Blog »Es gefällt mir sehr gut in Mariazell.«

Auch in der Schweiz gab es Kinderheimhöllen. Zwei Studien haben die Vergangenheit historisch aufgearbeitet. http://bazonline.ch/22947066/print.html

Kommentar Helmut Jacob
der dreck der kirchen ist international. wenn luzern in deutschland wäre, würde alles 1:1 passen.

Kommentar Dirk Friedrich
Richtig, Herr Jacob!
Und wenn ich dann höre, dass Heimkinder “pathologische” Lügner/innen sind, die “fantasieren”, die sich nur solche Geschichten ausdenken, um bei den Anlaufstellen “abzuzocken”, dann könnte ich zur “Wildsau” werden!

Ich frage mich, wann endlich die katholischen Ordensgemeinschaften, die vieles, das in dem Artikel beschrieben wird – und hier in Deutschland – verbrochen haben, zur Verantwortung gezogen werden!

Die dümmlichen Hinweise, dass die Nonnen und Brüder, ja sehr alt oder längst verstorben sind, ziehen nicht! Oder die mitleidheischende öffentliche Mitteilung, dass die klerikalen Tanten und Onkels, …ach so alt und krank seien…. Nein, das zieht auch nicht! Diese “Geistlichen” haben zehntausende von Existenzen auf dem Gewissen! Bis hin zu den Suiziden von Kindern und Jugendlichen, und die, die auch später das Erlittene nicht verarbeiten konnten. Die sich selbst getötet haben.
Unendliches Leid zufügen, das war ihr Geschäft. Für sich selbst, da sie Sadisten oder Sadistinnen waren, oder für ihren fantastischen Herrgott. Das muss man sich mal vorstellen und dabei ruhig bleiben?
Nee, so nicht!
Die wenigen Ordenstrachtträger/innen, die sich hinter den Klostermauern verschanzen und von ihren Oberinnen und Äbten schön aus der öffentlichen Diskussion heraus gehalten werden, sollte man für ihre Verbrechen an den Kindern und Jugendlichen vor den Richter zerren.
Aber, da ja auch “Vater” Staat – mit unendlich viel Dreck am Stecken – involviert ist, wird das wohl bis zum Sankt Nimmerleinstag nichts werden.
Da sind sich die Kirchen und die Politik einig! Ein paar kleine Almosen verteilen und schon stimmt ihr Gleichgewicht wieder.
Man gönnt sich ja sonst nichts! Ganz einfach und Toll!

Kommentar Dierk Schäfer
Das ist eine verengte Sichtweise. Ohne Kirchen wäre es nicht besser. Was bei den Kirchen besonders stört, ist die ideologisch unterfütterte Gewaltanwendung. Doch das ist bei den staatlichen Einrichtungen in der DDR nicht anders gewesen, und die Ideologen im Iran rechtfertigen sogar Vergewaltigungen religiös. Auch die Gewaltexzesse in Abu Ghraib hatten nichts mit Kirche zu tun. All dies entschuldigt die Mißhandlungen der Heimkinder in kirchlichen Einrichtungen nicht, und auch nicht die Kirchen.

Aber die Probleme müssen sachlicher benannt werden. Wenn ein Mensch unkontrollierte Gewalt über Wehrlose hat, neigt er dazu, diese zu mißbrauchen, wenn er nicht über innere Gewaltschwellen verfügt, was wiederum situationsabhängig sein kann, so daß auch ein friedlicher Mensch unter Umständen Dinge tut, die er sich nicht zugetraut hätte. Hat er sie aber getan, ist die Reue leider selten. Dann kommen die Rechtfertigungen, die wir alle kennen.

Ich kann nicht abschätzen, inwieweit die Religion dazu beigetragen hat, Gewaltschwellen aufzubauen. Die Heimkinder haben ihre eigenen Erfahrungen, doch sie zu verallgemeinern, erscheint mir bei allem Verständnis zu einfach.

Kommentar Helmut Jacob
“Ein paar kleine Almosen verteilen und schon stimmt ihr Gleichgewicht wieder.”
wobei ein weiterer mosaikbrocken der moralischen verluderung unserer kirchen in der tatsache zu finden ist, das die meisten vebrechensnester unter ihrer regie entstanden, sie aber nur ein drittel der almosen zahlen und sie, als rechtsnachfolger, der gesellschaft die größten summen aufs auge drücken. so wenig moral muss man erst einmal besitzen, um kein schlechtes gewissen dabei zu haben.

Kommentar Heidi Dettinger
Die ideologische Verbrämung der Gewalt und der Gewaltexzesse – das ist etwas was die Kirche hervorragend kann. Und sie hat ihre Meisterschaft im Laufe der Jahrhunderte des öfteren unter Beweis gestellt.

Natürlich hat das mit Religion zu tun. Und das der Islam das auch kann, widerlegt Herrn Friedrich natürlich in keiner Weise. Eher im Gegenteil würde ich sagen.

Und wie kommen Sie denn darauf, dass Abu Grhaib nichts mit Kirche und Religion zu tun hatte? Die Gleichung für den doch reichlich religiösen Herrn Busch war doch ganz einfach:

Irak + Islam = Extremismus bzw. Islamismus
Islamismus + Flugzeuge = Zerstörung der Twin Towers
Twin Tower = Krieg = Irak = Islamismus = Abu Grhaib

Ohne Religionen wäre das keine Gleichung. Allerdings: Ohne Erdöl auch nicht. Und so sieht es denn bei den Heimkindern und deren Leiden auch aus:

Die bösen Kinder müssen gebrochen werden, um sie zu ordentlichen Menschen wieder zusammenzusetzen. Das ist durchaus mit der Kirche und der darin herrschenden Religion zu begründen und zu rechtfertigen.

Zum Brechen der Kinder sind alle Mittel recht: Folter, Vergewaltigung, Ausbeutung jeglicher Art.

Natürlich spielt auch hier das “Erdöl” eine wichtige Rolle: Die ökonomische Ausbeutung der Kinder und Jugendlichen hat den Kirchen und Ordensgemeinschaften riesige Summen in die klebrigen Taschen gespült.

Und wie es so ist, mit denen, die an der Macht sind… Freiwillig geben sie nichts her! Und im Almosen geben war die Kirche auch immer ziemlich groß. Das hat zwar niemandem wirklich geholfen, aber doch die Mäuler einigermaßen gestopft.

Kommentar Dirk Friedrich 
Lieber Herr Schäfer,
Sie haben Recht!
Tatsächlich habe ich eine “verengte Sichtweise”.
Ich bin in dem damaligen Heimsystem groß geworden. Habe “Werte” beigebracht bekommen, die gar nicht zuließen, mich anderweitig und “frei” orientieren zu können, um eine eigene Sichtweise zu bekommen. Knapp 14 Jahre – vom Baby bis zum Heranwachsenden – hatte ich das “Glück” nicht zu merken und zu wissen, dass es auch Liebe, Zuwendung und Verständnis auf der anderen Seite des zwei Meter hohen Zaunes – natürlich Stacheldraht bewehrt – geben kann. Erst nach den 14 Jahren Heimkarriere, als ich in ein NICHTS gestoßen und gestolpert wurde, konnte ich “fürs Leben lernen”. Sehr spät und mit riesigen Defiziten behaftete – manche gibt es noch heute – und einer damaligen unglaublichen Angst vor der – durch die Nonnen indoktrinierten “bösen Welt mit ihren Dämonen und Teufeln” – musste ich mir meine Überlebensnische suchen.
Ich hatte tatsächlich Glück und bin an der “bösen Welt” nicht zerbrochen. Manche, die mit mir in den verschiedenen Heimen waren, gibt es nicht mehr. Sie haben ihrem Leben ein Ende gesetzt. Andere rennen noch heute vor Justiz und Knast davon.
Sicherlich habe ich eine heute eine andere Sichtweise als damals, wenn auch “verengt”. Die vergangene Kindheit, das Kind in mir, werde ich nicht los. Es kann noch nicht verzeihen und zur Tagesordnung übergehen, wie es die klerikalen Sadistinnen und Prügelnonnen gern hätten. Es hat aber überlebt! Darauf bin ich, aller Defizite zum Trotz, sehr stolz!
All die dümmlichen und frommen Sprüche, das man verzeihen und vergeben soll, damit Ruhe in ein einem selbst einkehrt, halte ich für ein jämmerliches Tätergeschwätz.
So hätten sie es gern, damit sie weiter machen können und ihr Gewissen “reingewaschen” ist.

Ohne mich!

Kommentar Hildegard Neumeyer  
Herr Friederich
Sie sprechen mir voll aus meinen Herzen.
Da ich inzwischen Das Buch (Der das Schreien der jungen Raben nicht überhört) dazu die Predigt zur Vorstellung

ANMERKUNG! Dierk Schäfer
Aus dieser Kommentar-Diskussion entstand der folgende Artikel:

Lieber Herr Friedrich,

Ihr Kommentar hat mir nicht nur gefallen, sondern mich auch innerlich bewegt.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/05/es-gefallt-mir-sehr-gut-in-mariazell/#comments

Sie beschreiben sehr gut die anhaltenden Wirkungen kirchlicher Heimerziehung und ich wünschte, die Verantwortlichen würden Ihren Kommentar lesen und beherzigen.

Wenn ich von einer verengten Sichtweise geschrieben habe, so soll das nicht als Vorwurf verstanden werden, sondern exakt als Folgewirkung Ihrer Erlebnisse, die nicht Sie zu verantworten haben. Niemand kann Ihnen das Recht nehmen, die Kirchen und die Religion nach Ihren Erlebnissen zu beurteilen. Und ich will nicht in der Rolle der merkwürdigen Freunde Hiobs gesehen werden, die das Unrecht, das er erleidet, bagatellisieren oder ihm gar anlasten. Soweit Sie Interesse haben lesen Sie mein Nachtcafé. Dort geht es um das “Leiden des Gerechten” – und unsere fehlenden Antworten darauf.

Mir ging es, und darum nehme ich dafür noch einmal einen speziellen Beitrag, um die Verengung, die uns in der Sache nicht weiterführt. Bei allen berechtigten Anklagen und ohne die Kirchen in Schutz nehmen zu wollen, geht es um die Ursachen der Mißachtung der Menschenrechte. Dazu muß ich etwas weiter ausholen.
Kürzlich erschien in der Zeitschrift “Christ-in-der-Gegenwart” der Artikel: »Wie gefährlich ist Religion?« Er ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Bereits Jan Assmann hatte in seinem Buch Moses, der Ägypter auf den Zusammenhang von Intoleranz mit monotheistischen Religionen verwiesen. Er sieht die jüdische Religion in der Tradition Echnatons, der tatsächlich religiös intolerant war. Doch das Judentum ist nur im Anspruch intolerant. Jeder, der einmal bei einem Seder-Abend dabei war, wird die Erfahrung gemacht haben, nur Zaungast bei einem Familienfest von Gott und seinem auserwählten Volk zu sein. Doch diese Familie wollte immer unter sich bleiben, sie missionierte nicht, weil sie fixiert war auf ihren Vertrag mit Gott und dafür bereit war, geradezu masochistisch an eine Schwarze Pädagogik Gottes zu glauben. Das Judentum ist keine Erlösungsreligion.
Erst die Verbindung von Monotheismus und jenseits orientierten Erlösungsgedanken[1]
________________________________________
[1] Im Unterschied zum Judentum wurde in den Erlösungsreligionen das irdische Dasein zur Teststrecke: Vom irdischen Jammertal zum Freudensaal, andernfalls zur ewgen Qual
schuf die Erlaubnis, ja, das Erfordernis, seinen Mitmenschen aus lauter Menschenfreundlichkeit zu “retten”. Dies macht die erschreckende Kehrseite des Christentums deutlich, aber auch des Islam, wobei wir es dort eher mit einer Gesetzesreligion zu tun haben, die auch ohne menschenfreundliche Absichten durchgesetzt werden will. Interessant sind der Zusammenstoß beider Erlösungsreligionen und die teils bis heute anhaltende Geschichtspflege.

(http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8064632755/in/photostream)

Der Artikel rekurriert allerdings nicht auf Assmann, sondern auf Beck, welcher plakativer argumentiert und darum leichter abgetan werden kann, insbesondere durch das gewichtige Argument: »Die größten Bewegungen des Atheismus haben im 20. Jahrhundert in Verbindung mit Stalinismus, Maoismus und Nazitum auch die größten Verbrechen aller Zeiten gegen die Menschlichkeit verursacht.« Stimmt, aber das exkulpiert die Christen nicht.

In der Folge bietet Johannes Röser, der Verfasser, nun die Soziologin Tine Stein vom Wissenschaftszentrum Berlin auf. Natürlich ist es richtig, wenn sie betont, daß die großen Vorwürfe an die Christenheit, die Religionskriege, die Kreuzzüge, nicht so direkt die Christen treffen. »Wenn man die Rechnungen öffentlicher Gewalt aufmachen würde, müsste man vermutlich feststellen, dass 99 Prozent der Kriege von Politikern und nicht von Priestern entfesselt wurden – und dass immer politische, ökonomische oder soziale Machtambitionen die erste Rolle spielten. Religion kam – wenn überhaupt – erst nachgeordnet zur Bestätigung oder Sakralisierung weltlicher Interessen dazu. … Nicht Religion ist gefährlich, sondern: Politik.« Das stimmt auch und wird tatsächlich von den Religionskritikern gern übersehen.

Aber: Wie steht es mit den unpolitischen Verbrechen? Gerade die ehemaligen Heimkinder haben sie kennen gelernt. Wie ist eine prügelnde Nonne einzuordnen? Ist sie gar von ihrer Religion zu trennen? Ist sie etwa nur Sadistin, die ihre Religion als Motiv vorschiebt? Ich denke, daß diese Nonne, mit gutem Gewissen geprügelt hat, mit gutem vermeintlich gottgefälligem Gewissen. Um nicht einseitig zu sein: evangelische Erzieher haben auch geprügelt. Soweit der Anteil der Religion, soweit sie gefährlich ist.

Die verengte Sichtweise liegt nun darin, ausschließlich diese Aspekte von Religion zu sehen und die anderen auszublenden. Wohlgemerkt: Das Eine entschuldigt das Andere keinesfalls und ich weiß wirklich nicht, ob die Welt ohne Religion eine bessere wäre – ich nehme an, nein. Damit bin ich beim zweiten Aspekt der verengten Sichtweise: Unmenschlichkeit geht auch ohne Religion.

M.a.W.: Die Gefährlichkeit liegt nicht in der Religion selbst, sondern im Menschen, der sie zu seiner Rechtfertigung benutzt. Der Psychologe Zimbardo führte mit seinen Studenten ein Gefängnisexperiment durch. Doch das lesen Sie besser hier nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment , ohnehin werden ehemalige Heimkinder hier vieles wiedererkennen.

Kommentar m.dahlenburg
d.schäfer zitiert….»Die größten Bewegungen des Atheismus haben im 20. Jahrhundert in Verbindung mit Stalinismus, Maoismus und Nazitum auch die größten Verbrechen aller Zeiten gegen die Menschlichkeit verursacht.« und meint dazu …. “Stimmt, aber das exkulpiert die Christen nicht”
und beide male ist´s fast genauso falsch wie ihre demografiedemagogie von den aussterbenden Bewohnern deutschlands (die bekanntlich nie soviel waren wie derzeit — das pfarrer vertreter ihrer einstudierten religion sind ist logisch, dass sie sich auch als “versicherungsmakler” betätigen ist mir neu ; andererseits… auch mir wurde schon während meiner therapeutenausbildung vor jahrzehnten erklärt, dass deutschland spätestens im jahr 2030 so hoffnungslos vergreist sein wird, dass wir allen unseren patienten unbedingt und ganz dringend zum abschluss von rentenversicherungen raten müssten.
Und ansonsten .. , es ist schön dass ehemalige (“kranke”) Heimkinder – die allen grund dazu haben – über Kirchen und religion herziehen dürfen … sie betonen das mE viel zu oft. man könnt fast meinen sie wollen suggerieren es gäbe keine anderen wesentlichen aktuellen gründe diesen vereinen den rücken zu kehren.
eigentlich gäb´s diesmal richtig viel zu kommentieren, aber wird vermutlich wird ja eh nur wieder zensiert …

Kommentar Heidi Dettinger
Es gibt in der Tat viele Gründe, den Kirchen den Rücken zu kehren, es gibt Gründe, sie zu bekämpfen und es gibt Gründe, sie und ihre “Trachtengruppe” der Lächerlichkeit preis zu geben. Und mitnichten nur für Überlebende kirchlicher Kinderheimhöllen. Da hilft auch kein Verweis auf den Islam oder sonstige Religionen denn unsere Geisel hieß und heißt Christentum, hieß und heißt Kirche.
Der Versuch, Stalinismus, Maoismus und Nationalsozialismus gleichzusetzen, wird immer mal wieder aus der Mottenkiste gezogen und wird darum nicht weniger falsch.
Sie mögen nicht wissen, Herr Schäfer, ob die Welt ohne Religion besser wäre (obgleich Sie Ihre Frage umgehend beantworten) – ich kann Ihnen aber sagen: Mein Leben ist ohne Religion besser. Und das von Millionen anderen wäre es wohl auch, wenn sie nämlich im Leben all das hätten, was ihnen für irgendwann mal versprochen wird. Dann nämlich, wenn es kein Geld mehr kostet und keine Gehorsamsprobleme mehr aufwerfen würde.
Unmenschlichkeit geht auch ohne Religion, meinen Sie. Klar. Aber mit eben noch viel besser!

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