Skandalöse Vorfälle in den Heimen: Hormonbehandlung zur Unfruchtbarmachung!

Wir haben gesicherte Beweise von mindestens einem Ehemaligen, dass er als Kind im Heim einer Hormonbehandlung ausgesetzt war, die ihn nicht nur unfruchtbar gemacht, sondern ihn regelrecht kastriert hat.

In zwei weiteren uns bekannten Fällen verdichten sich die Verdachtsmomente einer solchen Behandlung.

Wir rufen alle Ehemaligen auf, denen so etwas passiert ist, sich dringend zu melden, damit wir dem nachgehen, das in unsere Recherchen einfließen lassen und dann gemeinsam überlegen können, wie man damit (auch rechtlich) umgehen und diese Ungeheuerlichkeiten öffentlich machen kann.

Melden Sie sich bitte bei
Heidi Dettinger, 05032.964647 oder Rolf-Michael Decker, 0421.70500707.

Hormone können injiziert oder auch in Tablettenform verabreicht werden. Der bleibende Schaden ist im schlimmsten Fall irreversibel und stellt unserer Meinung eine weitere, grobe Menschenrechtsverletzung dar!

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Anvertraut und ausgeliefert

Vortrag von Manfred Kappeler an der Hochschule Esslingen

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Manfred Kappeler (TU Berlin) zum Thema „Anvertraut und ausgeliefert – Zur Verletzung von Menschenrechten und Menschenwürde in der Heimerziehung“ am Dienstag, 27. Mai von 17:30 bis 19:00 Uhr an der Hochschule Esslingen, Flandernstraße 101, Hörsaal H5. Diese Veranstaltung findet im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe “Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen” statt. Sie öffentlich und kostenlos.

Die Soziale Arbeit war und ist ein Hauptort der Missachtung der Würde und der Verletzung der Menschenrechte von Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf professionelle Hilfe und Unterstützung angewiesen sind oder gegen ihren Willen als „Hilfe-Bedürftige“ definiert werden.

Der Menschenrechtsdiskurs in der Sozialen Arbeit muss von der Meta-Ebene der Deklarationen heruntergeholt werden, um ihn in der beruflichen Alltagspraxis vom Kopf auf die Füße zu stellen. Es geht darum, die politischen, sozialen und kulturellen Menschenrechte in der Sozialen Arbeit selbst zu achten und zu verteidigen.

Die Gefahr der Nichtbeachtung und Verletzung von Menschenwürde und Menschenrechten der Klientinnen und Klienten der Sozialen Arbeit wächst mit dem Grad ihres Angewiesen-Seins auf Hilfe. Am Beispiel der Heimerziehung von Kindern und Jugendlichen wird gezeigt, wie in Einrichtungen, in denen das Leben einer weitgehenden Regulierung/Fremdbestimmung unterliegt, aus Anvertrauten Ausgelieferte werden und wie der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Willkür und Gewalt in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe verbessert werden kann.
Der Vortrag findet am Dienstag 27. Mai 2014 von 17.30 bis 19.00 Uhr im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe „Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen“ in Hörsaal H 5 in der Hochschule Esslingen, Flandernstraße 101 statt.

Quelle: idw

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Nie wieder!

Folgender Text aus Dirk Schäfers Blog ist ein Kommentar zu den unsäglichen Vorgängen in den Heimen der Haasenburg GmbH (wir berichteten) und den Untersuchungen, die nun – längst überfällig – zu den Vorgängen in diesen Kinderheimhöllen aufgenommen wurden.
Wir danken Lutz Adler für das Überlassen des Textes.

“Nie wieder!”

Was wird aus Kindern die verbogen, belogen, missbraucht, geprügelt werden, denen man Bildung vorenthält und die durch Zwangsarbeit oder den Zwang zur Arbeit ausgebeutet werden? Was wird aus Kindern die ohne Urteile und Prüfung eingesperrt und Drill ausgesetzt werden? Was wird aus Kindern die das ertragen mussten ohne die Möglichkeit, sich zu wehren oder Schutz zu finden? Ich kann das sicher nicht allgemein beurteilen, aber aus mir ist ein Mann von 58 Jahren geworden.

Seit mehr als 40 Jahren vermeide ich viele Alltäglichkeiten, ohne dass es jemand sehen kann. Ich übe mich in Unauffälligkeit. Ich vermeide geschlossene Räume von denen ich die Türen nicht sehen kann. Ich könnte eingesperrt werden! Ich fahre nicht einmal mit der Bahn, weil es ist ein abgeschlossener Raum, den ich nicht freiwillig verlassen kann. Das geht nur wenn der Zug hält. Ich könnte ein Konzert besuchen, kann ich aber nicht, mir jagen viele Menschen, die gemeinsam an Veranstaltungen teilnehmen, Angst und Panik ein. Ich kann nicht entkommen wenn ich möchte. Ich könnte mit Freunden gemeinsam essen gehen, das normalste von der Welt, kann ich aber nicht, es ist eine Tortur für mich, warten zu müssen bis alle Ihr Essen haben, es könnte mir gestohlen werden. Ich werde zappelig und unsicher, also vermeide ich es. Ich bin misstrauisch und argwöhnisch und beleuchte alles und Jeden der sich mir nähert. Ja, ich zerstöre unbewusst vielleicht konstruktive Synergien. Das sind ein paar wenige der  Auffälligkeiten, die mir selbst auffallen. Sicher gibt es aber noch so einige Dinge, die ich gar nicht weiß und selbst bemerke, wissenschaftlich betrachtet.

Es ist für mich zur Gewohnheit geworden so zu sein, so zu handeln und so zu leben. Aber wie viel Leben ist das eigentlich? Wenig genug und sehr, sehr anstrengend. Das weiß ich von mir. Was hat die Gesellschaft versäumt und was hätte ich ohne diese Einschränkungen, die ich selbst indessen als Behinderung empfinde, erreichen können?

Eine Million behinderte Menschen, die ähnliche oder gleiche Einschränkungen haben und wir reden über Inklusion? Wir reden über Menschenwürde und Menschenrechte und über die Bereicherung von Gesellschaften durch kritische Bürger, die Ihre Rechte auf der Straße einfordern. Wir belehren andere, Demonstrationen als Bürgerbeteiligung wahr zu nehmen und nicht als Bedrohung zu empfinden. Natürlich tun wir das, oder mindestens unsere Vertreter auf Zeit. Richtig und gut, aber sollten wir nicht zuerst dafür Sorge tragen, dass wir den heute Betroffenen von Heimerziehung – in welcher Form auch immer – die Würde zurück geben und Ihnen ein finanziell gesicherten Lebensabend trotz Behinderung oder gerade deshalb ermöglichen.  Wir haben in diesem Land einiges wieder gut zu machen, in Form angemessener Renten und Entschädigung für erlittenes Unrecht und Ausbeutung.

Sollten wir nicht endlich damit aufhören, diese Opfer zu produzieren? Sollten wir nicht endlich solche Formen des Umganges mit Kindern beenden? Sollten wir nicht endlich alles in unserer Macht stehende unternehmen, die Täter solcher „Erziehungspraktiken“ zu verurteilen? Sollten wir nicht endlich unserer Kinder mit Rechten ausstatten, die diese auch einfordern können, weil Sie diese verstehen? Sollten wir uns nicht endlich fragen, wie viel Schaden wir durch nichts tun anrichten
Ich denke, wir müssen!

Wir müssen das einfordern. Bildermann kenn ich nicht, aber ich bilde mir ein, dass wir uns das alle fragen lassen müssen, auch und aktuell zuerst in Brandenburg. Es ist so eine Sache mit „nie wieder“ in unserem Land, ist es nicht an der Zeit damit endlich anzufangen?
Ich dachte, hoffte und glaubte letztendlich auch, dass wir etwas gelernt haben. So als Land, als  Gesellschaft , als das sogenannte Volk.

Offenbar haben wir das nicht. Oder wollen wir vielleicht nicht? Es wirkt auf mich, als wollten wir nicht. Als litten wir alle unter Amnesie und offenbar haben wir sie gern, unsere Amnesie. Sonst müssten wir uns ja täglich mit Fragen auseinandersetzen auf die es Antworten gibt.

Antworten zum Beispiel auf die Frage: Woher kommt der NSU. Wer hat das gewusst und zugelassen? Wir oder die, die dafür bezahlt werden so etwas zu bemerken, öffentlich zu machen, ja, auch die Bürger zu schützen. Die haben es gewusst und offensichtlich auch bemerkt , nur weder öffentlich gemacht noch die Ihnen anvertraute Sicherheit der Bürger im Auge behalten.

Ich habe keine Amnesie und bemerke das sich vieles wiederholt. Zum Besipiel die Art und Weise, wie ich in einem Spezialheim der DDR erzogen wurde. Diese Methoden wiederholen sich nun in einem privatisierten geschossenen Kinderheim in Deutschland. Und das, nachdem wir geschädigten Heimkinder von damals bis heute nicht entschädigt haben für diese Misshandlungen. Nun geschehen diese Misshandlungen wieder. Was haben wir also tatsächlich gelernt als Gesellschaft? Nach zwei großen Kriegen haben wir uns die Beteuerung „Nie wieder“ auf die Fahnen geschrieben. Nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen an der Odenwaldschule  riefen wir wieder: „Nie wieder“

Und nun? Die Fortsetzung sog. Erziehungsmethoden in einer GmbH in Brandenburg. Nein, kein bedauerlicher Einzelfall, sondern die konsequente Fortsetzung und Folge der Nicht-Bewältigung, der Nicht-Aufarbeitung , Nicht-Verhinderung, und der nicht angemessenen Entschädigung der Opfer solchen Tuns. Es reicht einfach nicht „Nie wieder“ zu sagen. Wir müssen diese Geschichten gemeinsam aufarbeiten und bewältigen. Wir können nur verhindern, was wir verstanden und beendet haben. Wie groß soll der angerichtete Schaden an den Kinderseelen noch werden?

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Kinderheim Haasenburg: Skandalöse Zustände ./. gewaltige Gewinne

“Der Horror am Waldrand” titelt die taz einen Artikel von Kaija Kutter und Kai Schlieter am Wochenende und zitieren aus einem Protokoll aus dem Jahre 2008 (!), in dem es um “Anti-Aggressionsmaßnahmen” mit der 17 jährigen Hanna (Name geändert) geht:

19.30 Uhr: Verweigerung von Nahrung und Medikamenten.
20.05 Uhr: Wehrt sich. Kopf wird festgehalten.
20.07 Uhr: Wehrt sich weiter. Hanna werden beide Hände verbunden, da sie an den Fingern pult. Kopf wird weiter festgehalten.
20.10 Uhr: Halsgurt wird gelöst, da Sie sich aufreibt. Hanna fängt an, Kopf auf Unterlage zu hauen summt lauter.
20.27 Uhr: Versucht Hand aus Fixierung zu lösen. Erzieher hält weiterhin Kopf fest.
20.39 Uhr: Hanna bewegt Kopf wieder heftiger hin und her. Erzieher hält Kopf wieder fest.
20.47 Uhr: Schlägt Kopf heftig auf Liege. Erzieher hält Kopf wieder fest.
21.25 Uhr: Stellt sich in die Mitte des Raumes verschränkt ihre Arme.
21.28 Uhr: Gesprächsangebot. Ignoriert dieses Angebot.
21.33 Uhr: Pult noch immer an ihren Fingern herum. Erzieher fordert sie auf, das zu unterlassen.
21.50 Uhr: Erz. müssen ihre Hände hinter den Rücken verschränken.
21.54 Uhr: wird fixiert. Klopft mit Fußspitze auf den Boden.

Dem Protokoll zufolge dauert die Prozedur bis ein Uhr nachts. Als Grund für die Behandlung ist in der Rubrik „auslösende Situation“ vermerkt: „Befolgte Anweisung nicht, ging selbständig auf den Flur“.

Sofortige Schließung aller Heime der Haasenburg GmbH

(Quelle: http://www.taz.de/Kinderheim-in-Brandenburg/!118139/?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter)

PS:
Heute erreichte uns folgende Mail:

Betreff: Petition in Zeichnung

Liebe Mitzeichner*Innen der Petition zur Schließung aller Kinder- und Jugenderziehungsheime der Haasenburg,

Wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, haben sich die Anwälte der Haasenburg GmbH nun bei mir gemeldet mit dem Ziel, eine Unterlassung zu erwirken. Sie fordern, die Petition solle heute um 18:00 Uhr verschwunden sein. Sollte ich dieser Forderung nicht nachkommen, drohen sie mit rechtlichen Schritten. Zur Zeit befinde ich mich in Kommunikation mit der taz, mit den BetreiberInnen der Seite openpetition.de sowie mit Anwält*Innen und Menschenrechtsorganisationen. Wir haben nun beschlossen, die Petition solange pausieren zu lassen, bis wir die Formulierungen soweit überarbeitet haben, dass uns keine Nachteile daraus erwachsen können. Ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken für Ihre Unterstützung. Ihre Unterschrift soll selbstverständlich bestehen bleiben und ich werde Ihnen umgehend mitteilen, wenn die Petition wieder online geht. Offenbar gibt es inzwischen auch weitere Petitionen zum Thema. Entsprechende links finden sie im unten stehenden link. Es handelt sich hierbei um einen Bericht der taz über die Reaktion der Haasenburg GmbH auf meine polemische Petition. http://www.taz.de/Kinderheime-Haasenburg/!118392/

Danke für Ihre Mithilfe. Sollte sich unter Ihnen ein/e Rechtsanwältin befinden, so würde ich mich über Ihre Meldung sehr freuen. Ideen bitte an meike.buettner@gmail.com.

Hoffnungsfrohe Grüße,
Meike Büttner

Zum Glück kann inzwischen berichtet werden, dass die von der taz losgetretene Diskussion weitere Kreise zieht. Hier ein paar Links zum nachlesen:

Brandenburgisches Ministerium für Bildung, Jugend und Sport: Gründung einer Untersuchungskommission zu den Vorwürfen gegen die Haasenburg GmbH

Linksfraktion Brandenburg: Unhaltbare Zustände in den Heimen der Haasenburg GmbH

Grüne Fraktion Brandenburg: Schnellstmögliche Aufklärung erforderlich

Grüne Fraktion Hamburg: Keine Kinder mehr in die Haasenburg schicken

Petition: Sofortige Schließung aller Haasenburg-Kinderheime

Verein ehemaliger Heimkinder: Dieses Heim gehört geschlossen und Heimleiter, Geschäftsführer und Erzieher vor ein Gericht gestellt

taz: Designierter Vorsitzender der Hamburger Aufsichtskommission für geschlossene Heime steht für diese Aufgabe nicht mehr zur Verfügung

taz: Unterlassungserklärung der Haasenburg GmbH

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Was kritisieren wir am Ausdruck „Missbrauch“

Der Objektstatus ent-menschlicht die Opfer. Er verhindert, dass Menschen, die Opfer von sexualisierter Gewalt wurden, als Rechtswesen in einem Rechtsstaat wahrgenommen werden. Als Menschen, die Rechte haben, deren Grenzen zu achten sind, und über die niemand einfach so verfügen darf. Der Objektstatus verführt dazu, die Opfer weiterhin zu übergehen, das Unrecht, das ihnen geschehen ist, zu verleugnen, ihnen ihr erlittenes Leid abzusprechen und die dringend benötigte Unterstützung zu verweigern.

Die Verwendung des Begriffs „Missbrauch“ bzw. „sexueller Missbrauch“ unterschlägt die Tatsache, dass es sich eigentlich um einen Missbrauch von Macht handelt. Aus Täterperspektive ein durchaus positiver Effekt: Seine strafbaren Handlungen werden quasi unsichtbar, während die Verdinglichung des unschuldigen Opfers zum Missbrauchsobjekt bzw. Sexualobjekt zementiert wird.

Der Begriff „Missbrauch“ verschleiert zudem die Tatsache, dass es sich bei den damit umschriebenen Handlungen um Sexualstraftaten handelt und die „Missbraucher“ Sexualstraftäter sind. Er unterschlägt, dass die Täter Gesetze brechen und verharmlost Straftaten zu „unpassendem Verhalten“. Somit dient er eindeutig dem Täter.

Selbst die Verknüpfung des (Macht)Missbrauchs mit dem Adjektiv „sexuell“ schützt letztlich den Täter: es gibt vor, es handele sich bei den Taten um eine Form von „Sexualität“. Sexualität umfasst in der Regel einvernehmliche intime Handlungen zwischen zwei gleichberechtigt handelnden Personen. Beim sexualisierten Machtmissbrauch von Erwachsenen gegenüber Kindern herrscht aber weder Einvernehmlichkeit (aufgrund der mangelnden Freiheit des „Missbrauchsobjekts“), noch Gleichberechtigung zwischen den beteiligten Personen. Die Begriffskombination „sexueller Missbrauch“ entlastet den Täter, weil sie das Opfer in eine Verantwortungsgemeinschaft zwingt, die der tatsächlichen Realität nicht entspricht.

Die Verknüpfung des (Macht)Missbrauchs mit „Sexualität“ entlastet den Täter auch dort, wo die Verantwortung für sein strafbares Handeln durch den so genannten „Sexualtrieb“ relativiert wird. Regelmäßig erfahren Täter Nachsicht und Verständnis, weil unterstellt wird, dass ein quasi autonom agierender innerer „Sexualtrieb“ für ihre Handlungen ursächlich sei. So werden aus Tätern „Opfer“ und aus (tatsächlichen) Opfern „Täter“, weil es in dieser „Theorie“ ja auch einen Auslöser für den „unbeherrschbaren Durchbruch“ des „Triebs“ geben muss.

Der so genannte „sexuelle Missbrauch“ von Kindern ist keine „verirrte“ Form von Sexualität, sondern mittels sexueller Handlungen ausgeübte Gewalt. Die „Sexualität“ ist nur Mittel zum Zweck, nämlich zum Zweck der Durchsetzung der Interessen des Täters. Diese gelten weniger der Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse, als vielmehr der Selbstregulation durch Machtausübung und um die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen. Was nicht ausschließt, dass sexuelle Handlungen für den Täter der bevorzugte Weg dazu sind. Um es an einem simplen Beispiel zu verdeutlichen: Wenn ein Nachbar dem anderen mit dem Spaten eins überzieht, so spricht auch niemand von Gartenarbeit, sondern klar von Gewalt.

Nicht zuletzt führt die Verbindung der Gewalttaten mit „Sexualität“ dazu, dass sie durch ein mächtiges Tabu verdeckt werden. In unserer christlichen Kultur ist ein tiefes Sexualtabu verankert. Dies bewirkt, dass viele Menschen mit spontaner (oft unbewusster) Abwehr auf das Thema „sexueller Missbrauch“ reagieren. Den Mitwissern ergeht es ähnlich. Das schützt wiederum die Täter (vor Verfolgung) und verhindert, dass den Opfern Anteilnahme und Unterstützung zu teil werden. Gleichzeitig  verstärkt es das Schweigegebot: Opfern fehlt die Sprache und der Raum, das, was sie erlebt haben, offen auszusprechen. Die Erkenntnis und Einordnung ist einem Kind je nach Alter nicht gegeben.

Der Terminus „sexueller Missbrauch“ dient also ganz klar Täterinteressen. Er zementiert den Objektstatus des Opfers, untergräbt ihre Integrität und sichert ihr Schweigen. Er verschleiert den durch den Täter ausgeübten Machtmissbrauch, verharmlost seine Straftaten, relativiert seine Verantwortung, verdreht die Wahrheit und vor allem verleugnet er die in den Taten enthaltene massive Gewalt.

Bei dem, was landläufig als „sexueller Missbrauch“ bezeichnet wird, handelt es sich korrekterweise um sexualisierten Machtmissbrauch bzw. sexualisierte Gewalt. Nur diese Bezeichnungen stellen sicher, dass das Verursachungsprinzip, bzw. der Verursacher der Straftaten und Folgen identifiziert und entsprechend richtig eingeordnet und geahndet wird.

(netwerkB http://netzwerkb.org/2011/01/13/was-kritisieren-wir-am-ausdruck-missbrauch/)

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„Soviel du brauchst“ – Misshandelte Heimkinder brauchen wenig

Helmut Jacob: „Soviel du brauchst“. Diese Formulierung in Anlehnung an den Bibelvers aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 16, 18 (1) war das Motto des Kirchentags 2013 in Hamburg. Phoenix-TV zur Thematik: „So viel du brauchst – dahinter steht die Frage: Was brauchen wir eigentlich, um gut zu leben? Wir als Gemeinschaft, aber auch jeder Einzelne? Haben wir noch Wünsche? Ist mehr besser? Wann sind wir zufrieden? Und wie viel ist genug? …“ (2)

Krückenschläge-auf-Kinderhänden

Krückenschläge auf Kinderfinger – Gewalt in Heimen und Klassenzimmern

Es gibt eine große Gruppe von Menschen in unserem Land, die braucht nicht viel. Ihr genügt etwa 300 Euro Rente bis zum Lebensende oder etwa 50.000 bar ausgezahlt. Damit ist diese Gruppe schon zufrieden und dafür hat sie bereits sehr viele Vorleistungen erbracht. Es sind die ehemaligen Heimkinder, die in den Nachkriegsjahrzehnten zusammengetreten, vergewaltigt, in Angst und Schrecken versetzt, gesundheitlich ruiniert wurden. An einige wenige von ihnen möchte ich noch einmal erinnern, um klar zu machen, dass ihre Ansprüche eigentlich ungerechtfertigt bescheiden sind.

Da ist das kleine Mädchen, das nachts aus dem Schlafsaal gezerrt wurde, die Treppen hinunter in den Heimgarten. Dort drückte ihr die Nonne eine Schaufel in die Hand und herrschte sie an: Du gräbst jetzt Dein eigenes Grab; und dann legst Du Dich rein und ich schaufele Dich zu.

Da ist der junge Ministrant, dem der Priester in der Sakristei in die Hose grif fund ihn gegen seinen Willen (sonst hätte der Ministrant nicht Jahrzehnte später darüber geschrieben) solange bearbeitete, bis der Priester seine Hand von dem Ergebnis seiner Schweinerei besudelte. Mangels Waschbecken in der Sakristei wischte er sich diese besudelte Hand an seinem Priestergewand (3) ab und gab im anschließenden Gottesdienst der Gemeinde die Kommunion.

Da ist die Lehrerin, die mit ihren Pranken wenigstens zwei, drei behinderten Kindern die Trommelfelle zertrümmerte und mit diesem Gewaltakt Schwerhörige hinterließ.

Da sind kleine, sechs- bis siebenjährige Schulkinder, denen die zarten Finger mit schwerem Gehstock grün und blau geschlagen wurden, wenn sie etwas Schmutz unter den Fingernägeln hatten.

Da ist der Arzt, der wenigstens vier, fünf behinderte Kinder orthopädisch so falsch behandelte, dass sie seit 50 Jahren bis heute unter Schmerzen ihre Tage fristen.

Da ist der Junge, der von einem Priester mehrmals vergewaltigt und dem Jahrzehnte danach ein Schweigegeld bezahlt wurde (4).

Da sind Jungen, die im Moor Torf stechen mussten, bis zu 12 Stunden täglich, im Winter ohne kälteschützende Bekleidung, die dafür nichts bekamen außer billigen Anstaltsfraß und den Schäferhund auf die Fersen gehetzt, wenn sie nicht dem „Hausvater“ gehorchten.

Da sind die kleinen Kinder, die schon mit sieben, acht Jahren, manche nur wenig älter, Pflegearbeiten leisten mussten, um den kirchlich geführten Betrieb überhaupt aufrecht erhalten und damit den Ruhm der Kirchen mehren zu können.

Da sind junge Männer und Frauen, die mit Strafe und Belohnung dazu dressiert wurden, ihre Mitleidenden zu kontrollieren und sie bei angeblichem Ungehorsam zusammenzuschlagen, und somit mit weniger nötigem Aufsichts- und Hilfspersonal die Kosten des Heimes zu drücken.

Da sind die Kinder, die wegen dieser jahrelangen Zwangsarbeit keine ausreichende Schulausbildung erfahren, keine vernünftige Lehre absolvieren konnten und schon darum im Leben nichts oder nur Tagelöhnergelder verdienten, die sie nun, im Alter, zum Sozialhilfeempfänger werden lassen.

Da sind die Jungen in einer Eliteschule, denen der Pater unter die Bettdecke griff, oder sie in sein Zimmer einlud oder sie an pädophile Freunde verschacherte.

Da ist das Kind, das von einem Priester misshandelt wurde. Das Keuchen und Stöhnen des Priesters dabei soll allerdings nicht im Rahmen der sexuellen Vergewaltigung des Kindes hörbar gewesen sein, sondern Folge der Anstrengung bei der Züchtigung des Kindes.

Da sind die Heimkinder, denen vorgelogen wurde, sie hätten keine Eltern mehr, die seien gestorben und denen mit dieser Lüge und der Einbehaltung der Korrespondenz die Verbindung zum Elternhaus gekappt wurde.

Da sind die Kinder und jungen Menschen, die stundenlang, tagelang in die „Klabause“ gesperrt wurden oder in andere Räume in Kellern oder auf Dachböden oder sogar in die Leichenhallen zu den verstorbenen Nonnen. Kinder, die vor Angst sprachlos oder zu Stotterern wurden.

Ich könnte fortfahren, Seite um Seite, von brutalen psychischen, physischen und sexuellen Misshandlungen berichten, – aber soviel Gewalt komprimiert zusammenzufassen, tut selbst dem Unterzeichner weh und meine Schreiberin neben mir damit zu belasten, wäre verantwortungslos. Sie sind nachzulesen in Büchern, im Internet (die Eingabe „Gewalt+Heimkinder“ ergibt bereits 86.000 Ergebnisse) und auf Homepageseiten einer Gruppe behinderter Heimopfer der Orthopädischen Anstalten Volmarstein, heute Evangelische Stiftung. Auf den Seiten „Blick über den Tellerrand“ ist ein kleiner Auszug dieser Verbrechen dokumentiert (5-11).

Eins mussten all die gequälten Kinder und jungen Menschen erneut erfahren: erneute psychische Gewalt im Rahmen der Aufarbeitung dieses schwarzen Kapitels der Bundesregierung in den Nachkriegsjahrzehnten. Die Manipulationen am „Runden Tisch Heimerziehung“, die Lügereien und Abwertungen der Verbrechen – auch unter Bezug auf die Bibel – seitens der Tätervertreter, die Unterschlagung von Beweismitteln in Heimen und Behörden, und nicht zuletzt das verlogene Entschuldigungsgestammel der damals Verantwortlichen oder ihrer Rechtsnachfolger, dem keine echte Wiedergutmachung folgte, – das alles empfinden heute viele Opfer dieser Zeit als weitere Gewalt.

300 Euro oder 54.000 Euro bar, mehr wollen die meisten Geschändeten und Gequälten nicht. Und das brauchen sie. Zum Beispiel zum Bestechen des Pflegepersonals, damit sie nicht erneut – und sei es durch Entzug der Zuwendung – in Alten- und Pflegeheimen gequält werden. Das brauchen sie, um endlich mal den Blick über den Horizont wagen zu können, einen Urlaub zu erleben, irgendwo in fremden Ländern, von denen sie schon als Kind viel hörten. Das brauchen sie, um sich Hilfsmittel kaufen zu können, die ihre körperliche Leiden mildern, aber von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.

„Soviel du brauchst“ – Soviel brauchen sie! Und wenigstens soviel steht ihnen zu. Mich wundert es allerdings nicht, dass das Leid der ehemaligen Heimkinder auf dem nunmehr vergangenen Kirchentag keine Rolle mehr spielte. Dieses Kapitel hat, in diesem Fall die evangelische Kirche, mit einem frechen Grinsen abgehakt.

(1) http://www.bibleserver.com/text/LUT/2.Mose16 (2)http://www.phoenix.de/content/phoenix/tv_programm/wie_viel_ist_genug_/684980
(3) http://www.kathpedia.com/index.php?title=Priesterkleidung
(4) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43510763.html
(5) http://gewalt-im-jhh.de/Blick_uber_den_Tellerrand/blick_uber_den_tellerrand.html
(6) http://gewalt-im-jhh.de/Blick_uber_den_Tellerrand_2_/blick_uber_den_tellerrand_2_.html
(7) http://gewalt-im-jhh.de/Blick_uber_den_Tellerrand_3_-_/blick_uber_den_tellerrand_3_-_.html
(8) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_4/blick_uber_den_tellerrand_4.html
(9) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_5/blick_uber_den_tellerrand_5.html
(10) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_6/blick_uber_den_tellerrand_6.html
(11) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_7/blick_uber_den_tellerrand_7.html

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Viele Vorschläge, wenig Opferschutz

Kindesmissbrauch

Drei beteiligte Ministerien, mehr als 250 Seiten voller Ideen: Eilig berief die Bundesregierung einen Runden Tisch ein, als im Jahr 2010 bekannt wurde, dass Tausende Kinder in kirchlichen Einrichtungen, Internaten und Heimen über Jahre hinweg Opfer sexueller Gewalt geworden waren. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt. Doch die Bilanz ist dürftig.

Von Nakissa Salavati und Oliver Klasen

Das Projekt klang nach Chefsache. Gleich drei Regierungsmitglieder sollten sich darum kümmern, den Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern voranzutreiben: Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sollte ein neues Gesetz ausarbeiten, Familienministerin Kristina Schröder kümmerte sich um Aufklärungs- und Präventionskampagnen und die damalige Bildungsministerin Annette Schavan sollte Forschungsprojekte zum Thema anstoßen.

Auch die Kanzlerin schaltete sich ein, denn: “Das ist eine Bewährungsprobe für unsere ganze Gesellschaft. Es kommt darauf an, dass Menschen, die so etwas erfahren haben, sich in dieser Gesellschaft wieder anerkannt fühlen und wenigstens das Stück Wiedergutmachung bekommen, was man im Nachhinein noch schaffen kann”, so Merkel.

Damals, im März 2010, wurde bekannt, dass Kinder und Jugendliche in zahlreichen Einrichtungen über Jahre hinweg Opfer sexueller Gewalt geworden waren. In kirchlichen Einrichtungen, Internaten, Kinderheimen, Krankenhäusern. Zehntausende Fälle, zum Teil aus den sechziger und siebziger Jahren. Viele Betroffene fanden jahrzehntelang nicht den Mut, über den Missbrauch zu sprechen.

Nun sollte sich in der Gesellschaft etwas ändern…
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Aufruf zur friedlichen Teilnahme an der DEMO NORD

Ort: Treffpunkt und Sammelplatz Schützenplatz am GILDETOR in Hannover
Tag: Freitag, 10. Mai 2013
Uhrzeit: 10.00 Uhr
Dauer: 10 – 19.00 Uhr 

  • Wir bitten nicht, wir fordern unabdingbar, sofort:
  • von der Bundesregierung;
  • von den Landesregierungen;
  • von den Kommunen;
  • von den Bürgermeistern,
  • dass das Recht, die Pflicht, das Gesetz in den Jugendämtern gemäß GG Artikel 20 Absatz 3 Bestand hat.
  • Dem derzeit rechtsfreien Raum in den Jugendämtern der BRD; keinen Raum zu geben.
  • Wir fordern von der Bundesregierung:
  • von den Kommunen von den Bürgermeistern, die Einhaltung der, Gesetze, des Rechtes für die Kinder, Mütter, Väter, Großeltern, das Recht auf Familie, in den Jugendämtern (Jugendhilfe) und Justiz in Familiensachen ein!
  • Überprüfung aller Inobhutnahmen der Jugendämter auf Ihre Rechtmäßigkeit!
  • Überprüfung aller Gutachten in Familiensachen!
  • Fachaufsicht über die Jugendämter
  • Ein funktionierendes Beschwerde-Management in Familiensachen!
  • Kein Ausschluss der Großeltern bei HPG Gespräche.
  • Unangemeldete Kontrollen in den Heimen und Pflegestellen!
  • Absoluter Ausschluss der Beeinflussung von Familien-Gericht durch Jugendämter.
  • Auflösung rechtswidriger, langjähriger Amtsvormund- und Pflegschaften in den Jugendämtern de BRD.
  • Wir fordern:
  • Die Ausbildung der JA-Mitarbeiter (Jugendhilfe)
  • Die Ausbildung/Fortbildung der Familienrichterschaft!!
  • Wir fordern, die Einhaltung der Menschenrechte für alle Bürger, inbegriffen aller Heim- und Pflegekinder
  • Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention
  • Kinderrechte ins Grundgesetz
  • Veranstalter: Gerhard Jüttner Hannover.
  • Mail: miramu@hotmail.de
  • UNTERSTÜTZUNG WILLKOMMEN !!!

 

We call you to join the DEMO NORD on Friday, the 10th of May 2013 in Hannover. Meetingpoint ” Sammelplatz SCHÜTZENPLATZ Gildetor Hannover” at 10 a.m. -Demonatration lasting until 7 p.m.
We not only beg but we ask for the right of children, mothers, fathers, grand-parents – for their unalienable right to live with their families. We ask for the following out the Human rights for all citizens including children in Care-families and care-houses.
Organization: Gerhard Jüttner, Hannover
Mail: miramu@hotmail.de
WE ASK YOU ALL TO SUPPORT US !!!
DEMO NORD Hannover Germay

دعوة للمشاركة في التظاهرات السلمية في مدينة هنّوفر

يوم الجمعة 10 مايو 2013 ، مكان التجمع Schützenplatz الساعة 10.00
تتواصل التظاهرات حتى الساعة 19:00
لسنا هنا لنتسول مثل الشحاذ الذي يطلب ضوء القمر. نحن نطالب بحق الطفل والأم والأب والأجداد في الحفاظ على صلاتهم العائلية!

كما نطالب باحترام حقوق الإنسان لكافة المواطنين، بما في ذلك حقوق الأطفال الذين يعيشون في دور الرعاية الإجتماعية أوفي حضانة الأسر البديلة
التنظيم. جيرهارد يوتنر
Gerhard Jüttner Hannover

Nous vous appelons à rejoindre la DEMO NORD vendredi, le 10 mai 2013 à Hanovre. Rendez-vous et rassemblement: SCHÜTZENPLATZ Gildetor Hanovre à 10 h. Démonstration qui durera jusqu’à 19 h.
Nous ne sommes pas des mendiants qui veulent la charité. Nous exigeons le droit des enfants, des mères, des pères et des grands-parents. Nous exigeons l´observance des droits de l’homme pour tous les citoyens, y compris les droits des enfants placés dans une famille d’accueil ou chez les parents nourriciers.
Organisation: Gerhard Jüttner, Hanovre
Mail: miramu@hotmail.de

Llamamos a todos a unirse a la DEMO NORD el viernes, 10 de mayo de 2013 en Hannover. Punto de encuentro será el “Schützenplatz Gildetor Hannover” a las 10 am. La demonatración durará hasta las 7 pm
Ya no rogamos mas sino que pedimos el derecho de los niños, madres, padres, abuelos –  el derecho inalienable de los niños a vivir con sus familias. Solicitamos los derechos humanos para todos los niños incluyendo aquellos que viven en familias ajenas cuidandoles o en hogares de niños.
Organización: Gerhard Jüttner, Hannover
Mail: miramu@hotmail.de
PEDIMOS EL APOYO DE TODOS!
DEMO NORD Hannover Germay

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Schmerzensgeld für Missbrauchsopfer auch nach Verjährung möglich

Karlsruhe – Traumatisierte Opfer sexueller Gewalt können auch nach Ablauf der Verjährungsfrist Ansprüche auf Schmerzensgeld geltend machen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestätigte eine Entscheidung des Osnabrücker Landgerichts. Dieses hatte 2011 einen Mann zur Zahlung von 7500 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Er missbrauchte mehrfach einen mittlerweile 36-Jährigen. Das Opfer hatte die Taten 15 Jahre lang verdrängt und erst nach Ablauf der Verjährungsfrist zivilrechtlich auf Schmerzensgeld geklagt.
(dpa – Deutsche Presse-Agentur GmbH)

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Klinische Tests an Kindern in Kantons-Kinderheimen und -Psychiatrien?

Münsterlingen/Schweiz
Nahmen ehemalige Heimkinder aus Fischingen in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen an klinischen Tests teil? Diese Frage kann nur eine Untersuchung klären. Falls erforderlich, wollen die Parteien aktiv werden.

Der Verein Kloster Fischingen hat die Aufarbeitung der Geschehnisse im ehemaligen Kinderheim in die Wege geleitet. Doch nun klagt das ehemalige Heimkind Walter Nowak auch die Psychiatrische Klinik Münsterlingen an. Er befürchtet, Teil einer Versuchsreihe gewesen zu sein. Es steht deshalb die Frage im Raum, ob an Heimkindern Wirkstoffe für neue Antidepressiva getestet worden sind wie unsere Zeitung gestern berichtete.

Kantonale Heilanstalt
Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssten die Akten der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen unter die Lupe genommen werden. Für die dortigen Vorgänge ist der Kanton Thurgau zuständig. Die Psychiatrie war damals in den 70er-Jahren eine Kantonale Heilanstalt. «Wir haben keine Kenntnisse über Experimente und auch keine Kenntnisse über Dokumentationen», sagt Regierungsrat Bernhard Koch. Sollte eine Aufarbeitung notwendig werden, wäre seines Erachtens «wohl der Kanton zuständig».

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