Jimmy Savile, englische Fernseh-Ikone hat offensichtlich Hunderte von Kindern vergewaltigt

Kommentar von Pete Saunders, Sprecher der NAPAC (National Association for People Abused in Childhood, Nationale Organisation für als Kinder missbrauchte Menschen, England) zu dem Missbrauchsskandal beim englischen BBC.
Die NAPAC ist – wie der VEH e.V. – Mitglied bei EFPAC (Europäische Föderation als Kinder Missbrauchter Menschen).

“Es ist eine massive Veränderung passiert gerade hier in Großbritannien. Jeder spricht plötzlich über Kindesmissbrauch und seine Folgen. Es ist wirklich umwerfend.

Ich glaube, die BBC denkt ernsthaft daran, Mittel für die Unterstützung der Überlebenden aufzubieten und ich denke, auch das wird weltweites Interesse wachrufen.

Der Skandal ist schrecklich, aber wir haben die Medien auf unserer Seite. Ich mache Interviews im nationalen Fernsehen und Radio und die Moderatoren sagen tatsächlich Dinge sagen wie “fahren Sie fort mit Ihrer erstaunlichen Arbeit.” Sie fangen wirklich an, zu begreifen!

Gestern traf ich den Generaldirektor der BBC. Ich glaube, wir werden demnächst den Premierminister treffen. Es ist wirklich überwältigend ……. und alle sind positiv uns gegenüber.

Jimmy Savile war eindeutig ein böser Mensch, aber seine Verkommenheit lenkt die Aufmerksamkeit des Land esauf den wahren Schrecken des Kindesmissbrauchs und ich denke, wir werden eine bessere Gesellschaft werden. In der Tat bin ich davon überzeugt!

Und wenn man französisches, spanisches, australisches und deutsches Fernsehen-und Radio hier hat (und das CNN), alle völlig unterstützend, dann weiß man, dass man etwas richtig macht!”

Zur 3Sat-Dokumentation über den Skandal bitte hier klicken!

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VEH-Vertreterin mit EFPAC in Brüssel

Wir rufen alle deutschen Mitglieder des Europäischen Parlamentes auf, sich an dem Workshop zu beteiligen!

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Endlich fertig – nach 20 Jahren! Mahnmal für Sinti und Roma eingeweiht

Endlich fertig – nach 20 Jahren; Sinti- und Roma-Mahnmal eingeweiht.

Früher nannte man sie Zigeuner, die Nazis haben sie verfolgt und ermordet.

Nun haben auch Sinti und Roma in Berlin ein Mahnmal bekommen.
Langsam wird es eng in der Berliner Geschichtslandschaft.

Selbstverständlich gehen wir davon aus, dass die Sinti und Roma ein Recht auf ihr Mahnmal haben.

Vor allen Dingen wird es eng in der Deutschen Geschichtslandschaft (West wie Ost) nach 1945.

Wo sind die Mahnmale für die Wundmale der ehemaligen Heimkinder, die man früher (vielleicht in gewissen Kreisen auch heute noch) unwertes Leben nannte bzw. nennt.

Versteckt in ehemaligen Kinderheimen, hinter Klostermauern, oder nicht vorhanden.

Ja nichts öffentlich machen bei Staat, Kirche und Indsutrie, immer schön den Ball flach halten.

Vielleicht braucht die BRD weitere 20 Jahre um zu erkennen, wie viel Leid sie in ihrer Jugend (nach 1945) Mitmenschen, die sich nicht wehren konnte, zugefügt hat.

Wenn es ein Mahnmal für die ehemaligen Heimkinder geben würde, könnte sich die Kirche bei einer “Einweihung” in grosser Verbundenheit zu den ehemaligen Heimkindern zeigen.

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Dubiose Abzocker unterwegs

WARNUNG!
Dubiose Machenschaften

Aus gegebenem Anlass teilt der Vorstand des Vereins ehemaliger Heimkinder e. V. (VEH e.V.) mit, dass er sich vehement von den Machenschaften Einzelner distanziert, die vorgeben, die Interessen ehemaliger Heimkinder zu vertreten um dann Gelder aus dem Fonds Heimkinder auf ihre eigenen Konten zu leiten. Auch wenn – nach Abzug einer Provision von 10% (wofür auch immer) das Geld an den/die Antragsteller/in weiter geleitet werden sollte, raten wir davon ab, sich auf diese dubiose Geschichte einzulassen.

Wir betonen, dass wir umgehend juristische Schritte einleiten, sollte uns bekannt werden, dass sich bei diesen “Geschäften” auf den VEH e.V. berufen wird!

VORSICHT!
Alle Betroffene
——————
Sie haben keinerlei Sicherheit, dass das Geld wirklich bei Ihnen landet und sollten unbedingt die Finger von solchen “Angeboten” lassen!

Bitte melden Sie dem Vorstand des VEH (gilt auch für Nichtmitglieder!), falls man Ihnen solch ein Angebot gemacht, oder Sie auf ein Angebot eingegangen sind!

Der Vorstand VEH e.V.

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Dierk Schaefers Blog »Es gefällt mir sehr gut in Mariazell.«

Auch in der Schweiz gab es Kinderheimhöllen. Zwei Studien haben die Vergangenheit historisch aufgearbeitet. http://bazonline.ch/22947066/print.html

Kommentar Helmut Jacob
der dreck der kirchen ist international. wenn luzern in deutschland wäre, würde alles 1:1 passen.

Kommentar Dirk Friedrich
Richtig, Herr Jacob!
Und wenn ich dann höre, dass Heimkinder “pathologische” Lügner/innen sind, die “fantasieren”, die sich nur solche Geschichten ausdenken, um bei den Anlaufstellen “abzuzocken”, dann könnte ich zur “Wildsau” werden!

Ich frage mich, wann endlich die katholischen Ordensgemeinschaften, die vieles, das in dem Artikel beschrieben wird – und hier in Deutschland – verbrochen haben, zur Verantwortung gezogen werden!

Die dümmlichen Hinweise, dass die Nonnen und Brüder, ja sehr alt oder längst verstorben sind, ziehen nicht! Oder die mitleidheischende öffentliche Mitteilung, dass die klerikalen Tanten und Onkels, …ach so alt und krank seien…. Nein, das zieht auch nicht! Diese “Geistlichen” haben zehntausende von Existenzen auf dem Gewissen! Bis hin zu den Suiziden von Kindern und Jugendlichen, und die, die auch später das Erlittene nicht verarbeiten konnten. Die sich selbst getötet haben.
Unendliches Leid zufügen, das war ihr Geschäft. Für sich selbst, da sie Sadisten oder Sadistinnen waren, oder für ihren fantastischen Herrgott. Das muss man sich mal vorstellen und dabei ruhig bleiben?
Nee, so nicht!
Die wenigen Ordenstrachtträger/innen, die sich hinter den Klostermauern verschanzen und von ihren Oberinnen und Äbten schön aus der öffentlichen Diskussion heraus gehalten werden, sollte man für ihre Verbrechen an den Kindern und Jugendlichen vor den Richter zerren.
Aber, da ja auch “Vater” Staat – mit unendlich viel Dreck am Stecken – involviert ist, wird das wohl bis zum Sankt Nimmerleinstag nichts werden.
Da sind sich die Kirchen und die Politik einig! Ein paar kleine Almosen verteilen und schon stimmt ihr Gleichgewicht wieder.
Man gönnt sich ja sonst nichts! Ganz einfach und Toll!

Kommentar Dierk Schäfer
Das ist eine verengte Sichtweise. Ohne Kirchen wäre es nicht besser. Was bei den Kirchen besonders stört, ist die ideologisch unterfütterte Gewaltanwendung. Doch das ist bei den staatlichen Einrichtungen in der DDR nicht anders gewesen, und die Ideologen im Iran rechtfertigen sogar Vergewaltigungen religiös. Auch die Gewaltexzesse in Abu Ghraib hatten nichts mit Kirche zu tun. All dies entschuldigt die Mißhandlungen der Heimkinder in kirchlichen Einrichtungen nicht, und auch nicht die Kirchen.

Aber die Probleme müssen sachlicher benannt werden. Wenn ein Mensch unkontrollierte Gewalt über Wehrlose hat, neigt er dazu, diese zu mißbrauchen, wenn er nicht über innere Gewaltschwellen verfügt, was wiederum situationsabhängig sein kann, so daß auch ein friedlicher Mensch unter Umständen Dinge tut, die er sich nicht zugetraut hätte. Hat er sie aber getan, ist die Reue leider selten. Dann kommen die Rechtfertigungen, die wir alle kennen.

Ich kann nicht abschätzen, inwieweit die Religion dazu beigetragen hat, Gewaltschwellen aufzubauen. Die Heimkinder haben ihre eigenen Erfahrungen, doch sie zu verallgemeinern, erscheint mir bei allem Verständnis zu einfach.

Kommentar Helmut Jacob
“Ein paar kleine Almosen verteilen und schon stimmt ihr Gleichgewicht wieder.”
wobei ein weiterer mosaikbrocken der moralischen verluderung unserer kirchen in der tatsache zu finden ist, das die meisten vebrechensnester unter ihrer regie entstanden, sie aber nur ein drittel der almosen zahlen und sie, als rechtsnachfolger, der gesellschaft die größten summen aufs auge drücken. so wenig moral muss man erst einmal besitzen, um kein schlechtes gewissen dabei zu haben.

Kommentar Heidi Dettinger
Die ideologische Verbrämung der Gewalt und der Gewaltexzesse – das ist etwas was die Kirche hervorragend kann. Und sie hat ihre Meisterschaft im Laufe der Jahrhunderte des öfteren unter Beweis gestellt.

Natürlich hat das mit Religion zu tun. Und das der Islam das auch kann, widerlegt Herrn Friedrich natürlich in keiner Weise. Eher im Gegenteil würde ich sagen.

Und wie kommen Sie denn darauf, dass Abu Grhaib nichts mit Kirche und Religion zu tun hatte? Die Gleichung für den doch reichlich religiösen Herrn Busch war doch ganz einfach:

Irak + Islam = Extremismus bzw. Islamismus
Islamismus + Flugzeuge = Zerstörung der Twin Towers
Twin Tower = Krieg = Irak = Islamismus = Abu Grhaib

Ohne Religionen wäre das keine Gleichung. Allerdings: Ohne Erdöl auch nicht. Und so sieht es denn bei den Heimkindern und deren Leiden auch aus:

Die bösen Kinder müssen gebrochen werden, um sie zu ordentlichen Menschen wieder zusammenzusetzen. Das ist durchaus mit der Kirche und der darin herrschenden Religion zu begründen und zu rechtfertigen.

Zum Brechen der Kinder sind alle Mittel recht: Folter, Vergewaltigung, Ausbeutung jeglicher Art.

Natürlich spielt auch hier das “Erdöl” eine wichtige Rolle: Die ökonomische Ausbeutung der Kinder und Jugendlichen hat den Kirchen und Ordensgemeinschaften riesige Summen in die klebrigen Taschen gespült.

Und wie es so ist, mit denen, die an der Macht sind… Freiwillig geben sie nichts her! Und im Almosen geben war die Kirche auch immer ziemlich groß. Das hat zwar niemandem wirklich geholfen, aber doch die Mäuler einigermaßen gestopft.

Kommentar Dirk Friedrich 
Lieber Herr Schäfer,
Sie haben Recht!
Tatsächlich habe ich eine “verengte Sichtweise”.
Ich bin in dem damaligen Heimsystem groß geworden. Habe “Werte” beigebracht bekommen, die gar nicht zuließen, mich anderweitig und “frei” orientieren zu können, um eine eigene Sichtweise zu bekommen. Knapp 14 Jahre – vom Baby bis zum Heranwachsenden – hatte ich das “Glück” nicht zu merken und zu wissen, dass es auch Liebe, Zuwendung und Verständnis auf der anderen Seite des zwei Meter hohen Zaunes – natürlich Stacheldraht bewehrt – geben kann. Erst nach den 14 Jahren Heimkarriere, als ich in ein NICHTS gestoßen und gestolpert wurde, konnte ich “fürs Leben lernen”. Sehr spät und mit riesigen Defiziten behaftete – manche gibt es noch heute – und einer damaligen unglaublichen Angst vor der – durch die Nonnen indoktrinierten “bösen Welt mit ihren Dämonen und Teufeln” – musste ich mir meine Überlebensnische suchen.
Ich hatte tatsächlich Glück und bin an der “bösen Welt” nicht zerbrochen. Manche, die mit mir in den verschiedenen Heimen waren, gibt es nicht mehr. Sie haben ihrem Leben ein Ende gesetzt. Andere rennen noch heute vor Justiz und Knast davon.
Sicherlich habe ich eine heute eine andere Sichtweise als damals, wenn auch “verengt”. Die vergangene Kindheit, das Kind in mir, werde ich nicht los. Es kann noch nicht verzeihen und zur Tagesordnung übergehen, wie es die klerikalen Sadistinnen und Prügelnonnen gern hätten. Es hat aber überlebt! Darauf bin ich, aller Defizite zum Trotz, sehr stolz!
All die dümmlichen und frommen Sprüche, das man verzeihen und vergeben soll, damit Ruhe in ein einem selbst einkehrt, halte ich für ein jämmerliches Tätergeschwätz.
So hätten sie es gern, damit sie weiter machen können und ihr Gewissen “reingewaschen” ist.

Ohne mich!

Kommentar Hildegard Neumeyer  
Herr Friederich
Sie sprechen mir voll aus meinen Herzen.
Da ich inzwischen Das Buch (Der das Schreien der jungen Raben nicht überhört) dazu die Predigt zur Vorstellung

ANMERKUNG! Dierk Schäfer
Aus dieser Kommentar-Diskussion entstand der folgende Artikel:

Lieber Herr Friedrich,

Ihr Kommentar hat mir nicht nur gefallen, sondern mich auch innerlich bewegt.

http://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/05/es-gefallt-mir-sehr-gut-in-mariazell/#comments

Sie beschreiben sehr gut die anhaltenden Wirkungen kirchlicher Heimerziehung und ich wünschte, die Verantwortlichen würden Ihren Kommentar lesen und beherzigen.

Wenn ich von einer verengten Sichtweise geschrieben habe, so soll das nicht als Vorwurf verstanden werden, sondern exakt als Folgewirkung Ihrer Erlebnisse, die nicht Sie zu verantworten haben. Niemand kann Ihnen das Recht nehmen, die Kirchen und die Religion nach Ihren Erlebnissen zu beurteilen. Und ich will nicht in der Rolle der merkwürdigen Freunde Hiobs gesehen werden, die das Unrecht, das er erleidet, bagatellisieren oder ihm gar anlasten. Soweit Sie Interesse haben lesen Sie mein Nachtcafé. Dort geht es um das “Leiden des Gerechten” – und unsere fehlenden Antworten darauf.

Mir ging es, und darum nehme ich dafür noch einmal einen speziellen Beitrag, um die Verengung, die uns in der Sache nicht weiterführt. Bei allen berechtigten Anklagen und ohne die Kirchen in Schutz nehmen zu wollen, geht es um die Ursachen der Mißachtung der Menschenrechte. Dazu muß ich etwas weiter ausholen.
Kürzlich erschien in der Zeitschrift “Christ-in-der-Gegenwart” der Artikel: »Wie gefährlich ist Religion?« Er ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Bereits Jan Assmann hatte in seinem Buch Moses, der Ägypter auf den Zusammenhang von Intoleranz mit monotheistischen Religionen verwiesen. Er sieht die jüdische Religion in der Tradition Echnatons, der tatsächlich religiös intolerant war. Doch das Judentum ist nur im Anspruch intolerant. Jeder, der einmal bei einem Seder-Abend dabei war, wird die Erfahrung gemacht haben, nur Zaungast bei einem Familienfest von Gott und seinem auserwählten Volk zu sein. Doch diese Familie wollte immer unter sich bleiben, sie missionierte nicht, weil sie fixiert war auf ihren Vertrag mit Gott und dafür bereit war, geradezu masochistisch an eine Schwarze Pädagogik Gottes zu glauben. Das Judentum ist keine Erlösungsreligion.
Erst die Verbindung von Monotheismus und jenseits orientierten Erlösungsgedanken[1]
________________________________________
[1] Im Unterschied zum Judentum wurde in den Erlösungsreligionen das irdische Dasein zur Teststrecke: Vom irdischen Jammertal zum Freudensaal, andernfalls zur ewgen Qual
schuf die Erlaubnis, ja, das Erfordernis, seinen Mitmenschen aus lauter Menschenfreundlichkeit zu “retten”. Dies macht die erschreckende Kehrseite des Christentums deutlich, aber auch des Islam, wobei wir es dort eher mit einer Gesetzesreligion zu tun haben, die auch ohne menschenfreundliche Absichten durchgesetzt werden will. Interessant sind der Zusammenstoß beider Erlösungsreligionen und die teils bis heute anhaltende Geschichtspflege.

(http://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8064632755/in/photostream)

Der Artikel rekurriert allerdings nicht auf Assmann, sondern auf Beck, welcher plakativer argumentiert und darum leichter abgetan werden kann, insbesondere durch das gewichtige Argument: »Die größten Bewegungen des Atheismus haben im 20. Jahrhundert in Verbindung mit Stalinismus, Maoismus und Nazitum auch die größten Verbrechen aller Zeiten gegen die Menschlichkeit verursacht.« Stimmt, aber das exkulpiert die Christen nicht.

In der Folge bietet Johannes Röser, der Verfasser, nun die Soziologin Tine Stein vom Wissenschaftszentrum Berlin auf. Natürlich ist es richtig, wenn sie betont, daß die großen Vorwürfe an die Christenheit, die Religionskriege, die Kreuzzüge, nicht so direkt die Christen treffen. »Wenn man die Rechnungen öffentlicher Gewalt aufmachen würde, müsste man vermutlich feststellen, dass 99 Prozent der Kriege von Politikern und nicht von Priestern entfesselt wurden – und dass immer politische, ökonomische oder soziale Machtambitionen die erste Rolle spielten. Religion kam – wenn überhaupt – erst nachgeordnet zur Bestätigung oder Sakralisierung weltlicher Interessen dazu. … Nicht Religion ist gefährlich, sondern: Politik.« Das stimmt auch und wird tatsächlich von den Religionskritikern gern übersehen.

Aber: Wie steht es mit den unpolitischen Verbrechen? Gerade die ehemaligen Heimkinder haben sie kennen gelernt. Wie ist eine prügelnde Nonne einzuordnen? Ist sie gar von ihrer Religion zu trennen? Ist sie etwa nur Sadistin, die ihre Religion als Motiv vorschiebt? Ich denke, daß diese Nonne, mit gutem Gewissen geprügelt hat, mit gutem vermeintlich gottgefälligem Gewissen. Um nicht einseitig zu sein: evangelische Erzieher haben auch geprügelt. Soweit der Anteil der Religion, soweit sie gefährlich ist.

Die verengte Sichtweise liegt nun darin, ausschließlich diese Aspekte von Religion zu sehen und die anderen auszublenden. Wohlgemerkt: Das Eine entschuldigt das Andere keinesfalls und ich weiß wirklich nicht, ob die Welt ohne Religion eine bessere wäre – ich nehme an, nein. Damit bin ich beim zweiten Aspekt der verengten Sichtweise: Unmenschlichkeit geht auch ohne Religion.

M.a.W.: Die Gefährlichkeit liegt nicht in der Religion selbst, sondern im Menschen, der sie zu seiner Rechtfertigung benutzt. Der Psychologe Zimbardo führte mit seinen Studenten ein Gefängnisexperiment durch. Doch das lesen Sie besser hier nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Stanford-Prison-Experiment , ohnehin werden ehemalige Heimkinder hier vieles wiedererkennen.

Kommentar m.dahlenburg
d.schäfer zitiert….»Die größten Bewegungen des Atheismus haben im 20. Jahrhundert in Verbindung mit Stalinismus, Maoismus und Nazitum auch die größten Verbrechen aller Zeiten gegen die Menschlichkeit verursacht.« und meint dazu …. “Stimmt, aber das exkulpiert die Christen nicht”
und beide male ist´s fast genauso falsch wie ihre demografiedemagogie von den aussterbenden Bewohnern deutschlands (die bekanntlich nie soviel waren wie derzeit — das pfarrer vertreter ihrer einstudierten religion sind ist logisch, dass sie sich auch als “versicherungsmakler” betätigen ist mir neu ; andererseits… auch mir wurde schon während meiner therapeutenausbildung vor jahrzehnten erklärt, dass deutschland spätestens im jahr 2030 so hoffnungslos vergreist sein wird, dass wir allen unseren patienten unbedingt und ganz dringend zum abschluss von rentenversicherungen raten müssten.
Und ansonsten .. , es ist schön dass ehemalige (“kranke”) Heimkinder – die allen grund dazu haben – über Kirchen und religion herziehen dürfen … sie betonen das mE viel zu oft. man könnt fast meinen sie wollen suggerieren es gäbe keine anderen wesentlichen aktuellen gründe diesen vereinen den rücken zu kehren.
eigentlich gäb´s diesmal richtig viel zu kommentieren, aber wird vermutlich wird ja eh nur wieder zensiert …

Kommentar Heidi Dettinger
Es gibt in der Tat viele Gründe, den Kirchen den Rücken zu kehren, es gibt Gründe, sie zu bekämpfen und es gibt Gründe, sie und ihre “Trachtengruppe” der Lächerlichkeit preis zu geben. Und mitnichten nur für Überlebende kirchlicher Kinderheimhöllen. Da hilft auch kein Verweis auf den Islam oder sonstige Religionen denn unsere Geisel hieß und heißt Christentum, hieß und heißt Kirche.
Der Versuch, Stalinismus, Maoismus und Nationalsozialismus gleichzusetzen, wird immer mal wieder aus der Mottenkiste gezogen und wird darum nicht weniger falsch.
Sie mögen nicht wissen, Herr Schäfer, ob die Welt ohne Religion besser wäre (obgleich Sie Ihre Frage umgehend beantworten) – ich kann Ihnen aber sagen: Mein Leben ist ohne Religion besser. Und das von Millionen anderen wäre es wohl auch, wenn sie nämlich im Leben all das hätten, was ihnen für irgendwann mal versprochen wird. Dann nämlich, wenn es kein Geld mehr kostet und keine Gehorsamsprobleme mehr aufwerfen würde.
Unmenschlichkeit geht auch ohne Religion, meinen Sie. Klar. Aber mit eben noch viel besser!

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Herbst-Vollversammlung – Bischöfe treffen sich in Fulda

»Diskutieren will die Bischofskonferenz auch den Abschlussbericht der bundesweiten Hotline der katholischen Kirche für ehemalige Heimkinder und den Eucharistischen Kongress 2013 in Köln.«

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36094&key=hessen_vtx_meldung_46155967 Montag, 24. September 2012

Eucharistie hat theologisch gesehen durchaus mit dem Betrug der ehemaligen Heimkinder am Runden Tisch zu tun. Aber es war doch gar kein Betrug – oder? (Dierk Schäfers Blog)

Kommentare:

Die bischöflichen Herren werden sich nun als Diskutanten gegenseitig bestätigen, wie “schnell” und “großzügig” sie ihre (zu bezahlende) Hotline (Wurde vor Monaten geschlossen!) auf die “wenigen Einzelfälle” von Misshandlungen und sexuellen Missbrauch reagiert haben.

Die Schmach der jämmerlichen paderbornischen Hintertreppenflucht vor ihren, in jungen Jahren geprügelten, missionierten in Zwangsarbeit gehaltenen und vergewaltigten Schäfchen, wird wohl kaum ein Thema sein. Schließlich geht es einzig und allein darum, eine aus ihrer Sicht “positive historische Tatsache” in ihren Kirchenanalen verschwinden zu lassen. – Wieder einmal!
Die ungeheuerlichen Listen der elendiglichen kirchlichen Verbrechen haben somit einen neuen weiteren Eintrag bekommen. – Und wenn man genau hinhört, dann wird man in der Runde der Oberhirten ein erleichterndes Aufatmen hören. – Darauf müssen und können sie einfach nur stolz sein!

Vielen der klerikalen Täter/innen sind wieder einmal ungeschoren (sind ja auch nur Schäfchen) davon gekommen. Das, was sie den Kindern und Jugendlichen angetan haben, schert sie einen Dreck. Es juckt sie nicht einmal! Nein, es gibt für sie keine Empathie!Die Frage: Was ist ein traumatisiertes Leben wert? NO! Kein Interesse darüber nachzudenken! NICHTS!
Sie, die Opfer und Überlebenden haben sich mit dieser erlebten und nun wieder gegenwärtigen fürchterlichen kirchlichen und staatlichen Willkür abzufinden. – Schwamm drüber!

Ein katholischer Pressesprecher eines Bistums erdreiste sich kürzlich, die Glaubwürdigkeit der Opfer sexuellen Missbrauchs in Frage zustellen. Ob sie tatsächlich Opfer von sexuellen Übergriffen geworden sind, könne nicht “im Sinne eines zweifelsfreien Beweises der Vorwürfe” aufgeklärt werden. – So sprechen Täter! Perfider geht’s nun wirklich nicht mehr!

Damals war es vollkommen egal, was ein Heimkind erzählte! Wenn es sich dann noch traute und seine Vergewaltigung bei einem Erzieher oder einer Erzieherin meldete, wurde es sofort der Lüge bezichtigt und noch zusätzlich mit Prügel oder Wegsperren abgestraft. Das sind Fakten! Zigmal passiert! Tatsachen interessieren diese “Weißwäscher” nicht!

So hält man die überlebenden Opfer davon ab sich zu outen. Sich wieder dieser widerwärtigen Diffamierung auszusetzen.

Das genau wollen diese scheinheiligen Prediger der kaltherzig propagierten Nächstenliebe!
(Dirk Friedrich)
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Die Bischöfe haben das Thema “Ehemalige Heimkinder” ganz offensichtlich ad acta gelegt. Aber – wir sind kein “Thema”, sondern lebende Menschen, die in ihrer Kinheit und Jugend u.a. in Einrichtungen der katholischen Kirche ausgebeutet, gefoltert und vergewaltigt wurden.

Wir wollen, dass die Bischöfe sich mit uns auseinandersetzen, sich nicht mediengerecht vor ihrem Gott auf den Bauch legen und diesen um Vergebung anflehen, sondern vor uns, ihren Opfern!

Wir wollen, dass die Bischöfe sich stellen und nicht – wie in Paderborn geschehen – feige über eine Hintertreppe fliehen, um einer Konfrontation zu entgehen. Dazu gehört eben auch, dass sie sich unseren Vorwürfen, unserer Wut, unserem Hass, unserem Unverstehen stellen.

Und ganz selbstverständlich gehört dazu, dass sie nicht nur versuchen, das beschädigte Image ihrer Kirche wieder aufpolieren und Vertrauen zurückgewinnen.

Dazu gehört, dass sie auf die Einrede der Verjährung in Prozessen verzichten.

Dazu gehört, dass sie nicht versuchen, denen, deren Leben in ihren Kinderhöllen zerstört wurden, mit Almosen abzuspeisen, sondern ihnen eine Entschädigung zahlen, die diesen Namen verdient.

Wir werden keine Ruhe geben!
(Heidi Dettinger)

 

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Kirchenaustritt und Wahlboykott

Uns hat ein interessanter Aufruf eines Überlebenden deutscher Heimkinderhöllen erreicht:

Sehr geehrte Frau Heidi Dettinger,

ich nehme mal an das Sie in irgend einer Weiße mit der Heimerziehung in Verbindung stehen oder standen und Ihnen die Problematik bekannt ist.

Ich gehöre zu den geschädigten Heimkindern und seit dem das Ergebnis des runden Tisches vorliegt versuche ich einen Opferanwalt zu finden, bis heute vergebens.

Trotzdem bin ich nicht bereit mich mit dem Abzufinden.

Angeblich soll es 800.000 geschädigte Heimkinder gegen. 800.000 Heimkinder stellen eine Macht bei jeder Wahl dar.

2011 bin ich aus der Kirche ausgetreten und habe vor dem Kirchenaustritt den Kardinal Lehmann in Mainz davon in Kenntnis gesetzt.

Ich habe keine Antwort erhalten.

Meine Kinder sind hier getauft, zur Kommunion gegangen und Messdiener. Als ich dem Kardinal den Kirchenaustritt meiner ganzen Familie und Freunde mitteilte 47 Personen, mit Angabe der Namen, Wohnort, Kirchensteuerzahlung bekam ich Besuch vom Gemeindepfarre.

Das zeigt, nicht die Sache macht es, sonder die Menge.

Seit 2011 gehe ich auch zu keiner Wahl mehr und kündige das auch den Politiker und Parteien vor der Wahl an.

Auf meine Ankündigung kam nichts.

Ich bin davon überzeugt, wenn alle Heimkinder in Mainz nicht zur Bürgermeisterwahl gegangen wären und das den Politikern vor der Wahl mitgeteilt hätten, die Politiker hätten sich gemeldet,

So ist das auch bei der jetzigen Bundestagswahl 2013,

Ich gehe nicht wählen und bin dabei das den Politikern und Parteien mitzuteilen und ich gehe erst wieder zur Wahl wenn sich etwas in der Entschädigung der Heimkinder tut. Nur die, die meine Mail lesenwerden lachen und die Mail löschen.

Wenn aber nur 10% der 800.000 Heimkinder, deren Frauen, Kinder und Enkel den Politikern mailen das sie nicht zur Wahl gegen und dann auch nicht wählen wird sich ganz schnell was ändern.

Diese Mail werden nicht so einfach gelöscht und diese Mails werden die Politiker zwingen sich mit der Problematik der Entschädigung sich noch einmal auseinander zu setzen.

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Prügel vom lieben Gott

Gelesen in der Nr. 13997, hpd, dem Humanistischen Pressedienst, am 17.09.2012

(hpd) In den letzten Jahren wurde viel über das Schicksal von Kindern, die in kirchlichen Heimen aufwuchsen, bekannt. Die Öffentlichkeit zeigte sich betroffen. Doch das erste Buch, in dem von einem Betroffenen authentisch über die dortigen Zustände berichtet wird, erschien bereits 1981.

Es liest sich noch heute, obwohl literarisch verfremdet, wie eine Blaupause für all die folgenden Berichte. Nun wurde der Text, erweitert um ein ausführliches Vorwort, neu aufgelegt. hpd sprach mit dem Autor Alexander Markus Homes über Schwarze Pädagogik, seine Erinnerungen und die Erinnerungsfähigkeit von Kirchenfunktionären.

Ihr Buch ist ursprünglich 1981 erschienen und enthält alles, was nun herauskommt, Brutalität, sexuelle Übergriffe, Vertuschung. Ihre Geschichte ging damals groß durch die Medien – warum dauerte es noch mal über 20 Jahre, bis sich die deutsche Gesellschaft für das Schicksal der Heimkinder zu interessieren begann?

Alexander Markus Homes: Die Gesellschaft und die Medien waren offensichtlich erst in den letzten Jahren dazu bereit, sich mit dem Schicksal, dem Leid, der physischen, psychischen, verbalen und sexuellen Gewalt, die Hunderttausende ehemaliger Heimkinder in den letzten Jahrzehnten in konfessionellen und staatlichen Heimen erleben mussten, auseinanderzusetzen. Auslöser war das Buch von Peter Wensierski “Schläge im Namen des Herrn”. Plötzlich war das Thema quasi über Nacht in allen Medien vertreten. Der Kölner Stadtanzeiger beispielsweise schrieb vor einigen Jahren: Was Homes mit seinen Buchveröffentlichungen in über 30 Jahren nicht gelungen ist, hat der Spiegel-Redakteur Peter Wensierski mit seinem Buch geschafft: die Medien und Öffentlichkeit für das Schicksal der ehemaligen Heimkinder zu sensibilisieren.

Besonders beeindruckend fand ich Ihre Schilderungen, wie die Kinder nach Nähe suchten – kann es sein, dass die katholischen Nonnen gerade damit nicht umgehend konnten?

Alexander Markus Homes: Wir Kinder haben die Nonnen nur als gefühlskalt, aggressiv, dominant erlebt. Diese Frauen waren nicht in der Lage, uns so etwas wie Nähe, Zärtlichkeit, Geborgenheit zu geben. Es ist bekannt, dass gerade Frauen, die den Nonnenberuf wählen, keinerlei Gefühle und Empathie für Kinder entwickeln können. Sie wurden, anders formuliert, wie männliche Geistliche in ihrer Kindheit schwer geschädigt; sie sind unreif, einsam, angepasst, autoritätsgläubig, unsicher und durch massive sexuelle Repression geprägt. Sie kompensieren das lebenslang wirkende Trauma, indem sie nur mit Gewalt, Autorität, Macht, Gefühlskälte Kindern und Jugendlichen begegnen können. Ihre sexualfeindliche, rigide, repressive, autoritäre und religiös fundamentalistische Erziehung führt bei den meisten ihrer Schützlinge zu einem Trauma.

Worin sehen Sie das spezifisch Christliche an der Form der “Schwarzen Pädagogik”, die Sie erdulden mussten?

Alexander Markus Homes: Die konfessionelle Schwarze Pädagogik war geprägt von sadistischer militärischer Zucht und Ordnung, Disziplin, schlimmster repressiver psychischer, physischer Gewalt, Erniedrigung, Demütigung, Entmenschlichung, Entrechtung usw. Sie zeichnete sich aus durch Menschenverachtung und Menschenrechtsverletzung.

Das lässt sich aber auch von anderen Versionen der Schwarzen Pädagogik sagen…

Alexander Markus Homes: Es waren die beiden großen Kirchen in Deutschland, die am Anfang der Heimdebatte, als die ersten Medienberichte erschienen waren, großmäulig von Einzelfällen sprachen. Und davon, dass damals auch in den Familien Zucht, Ordnung und die Prügelstrafe herrschten. Der Mainzer Bischof und Kardinal Karl Lehmann verwahrte sich in den 90er Jahren ganz entschieden dagegen, dass ich in meinem Buch “Heimerziehung – Lebenshilfe oder Beugehaft” und öffentlich die Terminologie Schwarze Pädagogik benutzte, um das zu beschreiben, was Heimkinder bis Mitte der 90er Jahre in katholischen Heimen an schlimmster Gewalt erdulden mussten. Was wurde mit dieser – klerikalen – Schwarzen Pädagogik verfolgt? Das Ziel war eindeutig: eine Zwangsmissionierung von jungen Menschen in kirchlichen Anstalten mit brutalster Gewalt in all ihren Facetten. Und zugegeben, sie hatten Erfolg: Das Christentum wurde hunderttausendfach in Kinderseelen hineingeprügelt, man kann auch sagen: implantiert.

Sie haben der Neuauflage Ihres Buches ein längeres Vorwort vorangestellt. Darin gehen Sie auch der Frage nach, wer wann was gewusst haben könnte. Haben Sie Indizien, dass Heimleiter oder andere Verantwortliche früher Bescheid wussten, als sie heute angeben?

Alexander Markus Homes: Der heutige Generalvikar des Bistums Limburg, Franz Josef Kaspar, war von Dezember 1970 bis Juni 2006 im St. Vincenzstift Stiftungsdirektor. Vor 1970 hatte er mindestens auf einer Heimgruppe an mehrwöchiges Praktikum absolviert, auf der Kinder malträtiert worden sind.

Ich frage mich: hat er möglicherweise die Anwendung von Gewalt durch Mitarbeiter beobachtet – oder wurde er durch Erzieherinnen entsprechend aufgeklärt? Oder hat er sie gesehen: die Kinder, ihre schmerzverzerrten Gesichter, mit Tränen in den Augen? Dafür könnte die Tatsache sprechen, dass er und die Leitungskonferenz veranlasst haben, dass kurz nach seiner Berufung zum Stiftungsdirektor “alle Mitarbeiter mit pädagogischen Aufgaben” eine schriftliche Erklärung abgeben mussten. Eine Erklärung, in der sie sich verpflichteten, keine körperliche Gewalt gegenüber Betreuten anzuwenden. Es ist mittlerweile bekannt, dass sein Vorgänger, der Priester Rudolf Müller, sich nicht nur körperlich an Mädchen und Jungen vergangen hat; er hat auch einige von ihnen sexuell missbraucht und vergewaltigt. Anfang September 1970 nahm sich der Geistliche das Leben, nachdem Personal eine Unterschriftenaktion gegen ihn startete und das Bistum Limburg einschaltete. Mir gegenüber räumt der heutige Generalvikar über seine Anwälte immerhin ein, von der Unterschriftenaktion gewusst zu haben und von Vorwürfen, wonach sich Müller “unsittlich” einer im Heim beschäftigten jungen Frau genähert haben soll. Er ließ über seine Anwälte weiter vortragen: “Diese Vorwürfe waren auch dem damaligen Direktor des Amtsgerichts Rüdesheim bekannt, der unserem Mandanten gegenüber ausdrücklich erklärt hatte, der Vorwurf reiche nicht für einen Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung aus.” Das kann nach meiner Meinung nur bedeuten, dass er zu Lebzeiten des Herrn Müller hierüber Kenntnis erlangt haben muss. Es macht keinen Sinn, nach dessen Tod sich mit dem Direktor des Amtsgerichts über diesen Fall zu unterhalten und sich quasi versichern zu lassen, dass kein Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung vorliegt. Ich frage mich: wusste der heutige Generalvikar des Bistums Limburg nichts von den Gerüchten über sexuelle Übergriffe, die spätestens 1970, als Müller in Kur war, offenbar im St. Vincenzstift kursierten? Im Bischöflichen Ordinariat in Limburg wurde ein entsprechender Vermerk angefertigt.

Im Übrigen: Der heutige Generalvikar ließ in seiner Zeit als Stiftungsdirektor zwei Nonnen weiterarbeiten, die bereits damals von Ehemaligen wegen schwerer Misshandlungen von Schutzbefohlenen beschuldigt wurden; eine wurde sogar unter Kaspar Oberin. Erst im Sommer 2011 trennte man sich von diesen Nonnen!

Sind Ihnen bei Ihren Recherchen auch Kirchenleute begegnet, die sich für eine ehrliche und konsequente Aufarbeitung der Zustände in kirchlichen Heimen einsetzen?

Alexander Markus Homes: Ich habe einen guten Eindruck von dem neuen Direktor des Stifts, der sich dafür stark macht, dass die Geschichte des Heimes aufgearbeitet wird. Einen Kritikpunkt habe ich dennoch: Er hat bis 2011 Nonnen weiterbeschäftigt bzw. im Heim wohnen lassen, von denen bekannt war, dass sie junge Menschen über sehr viele Jahre hinweg malträtiert haben. Diesen Vorwurf richte ich aber in erster Linie an seinem Vorgänger, Generalvikar Franz Kaspar. Dieser hat es, wie gesagt, sogar zugelassen, dass eine der Nonnen Oberin wurde.

Sie sprechen im Vorwort auch die damaligen Versuche an, ihr Buch zu unterdrücken. Fürchten Sie auch für die Neuauflage juristische Schritte?

Alexander Markus Homes: Ja, ich muss davon ausgehen, dass der heutige Generalvikar alles unternehmen wird, um die Verbreitung des Buches zu verhindern. Der Kleriker hatte bereits in seiner Eigenschaft als Stiftungsdirektor 1981 eine einstweilige Verfügung gegen die “Prügel vom lieben Gott” erwirkt. Kaspar, mit dessen Rolle als Stiftungsdirektor ich mich in meinem Buch ausführlich auseinandersetze, kann es sich nicht leisten, im Jahre 2012 mit seiner Vergangenheit konfrontiert zu werden. Er scheut im Übrigen eine direkte Konfrontation, Auseinandersetzung mit mir. Auch in den 90er Jahren hat er, “Hand in Hand” mit dem Mainzer Bischof Karl Lehmann, nichts unversucht gelassen, damit ein weiteres Buch von mir, “Heimerziehung – Lebenshilfe oder Beugehaft. Gewalt und Lust im Namen Gottes”), das sich mit körperlicher und sexueller Gewalt in Heimen beschäftigt, keine größere Verbreitung findet.

Herr Homes, im Rückblick: Gibt es irgendwas Positives, das sie aus Ihrer Heim-Kindheit mitnehmen konnten?

Alexander Markus Homes: Nein, wirklich nicht! Ich habe mit Ehemaligen Kontakt, die durch die im St. Vincenzstift erlittene Gewalt schwer traumatisiert sind. Einige haben versucht, mit dem heutigen Generalvikar persönlich zu sprechen, ohne Erfolg. Dieser meidet jeden Kontakt zu den Opfern.

Ich danke für das Gespräch.
Die Fragen stellte Martin Bauer.

Alexander Markus Homes: Prügel vom lieben Gott. Eine Heimbiografie. Erweiterte Neuauflage. Aschaffenburg: Alibri Verlag 2012. 141 Seiten, kartoniert, Euro 12,50, ISBN 978-3-86569-023-4

Das Buch ist auch im denkladen erhältlich.

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Trierer Bischof wirft erstmals Priester raus

TRIER. “Wer Arme, Witwen, Fremde, Frauen, Schwache und Kleine ausbeutet, unterdrückt, versklavt, lädt schwere Schuld und Sünde auf sich und wird sich im Gottesgericht zu verantworten haben”. Ein Satz unter vielen, stammte er nicht von jenem Mann, der über Jahre hinweg mehrere Jungen sexuell missbraucht haben soll und dennoch in der katholischen Kirche Karriere machen konnte. Der renommierte Theologe hatte auch im Bistum Trier eine leitende Aufgabe inne, nachdem er zuvor in Stuttgart an der Spitze eines bedeutenden Vereins gewirkt hatte. Selbst dem Papst ist der emeritierte Professor ein Begriff – als römischer Kurienkardinal soll Joseph Ratzinger ein Geleitwort zu dessen Habilitation verfasst haben.

Vor zwei Jahren sorgte der Fall des Missbrauchspriesters bundesweit für Aufsehen, unter anderem berichtete die Stuttgarter Zeitung ausführlich über die Hintergründe. Zuvor, nach eigener Darstellung im Frühjahr 2010, hatte das Bistum Trier erstmals Kenntnis von den Vorwürfen gegen den Priester erlangt. Entsprechend der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz sei den Anschuldigungen nachgegangen und eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet worden. Nach deren Abschluss habe man dann die Glaubenskongregation in Rom über die Ergebnisse informiert, teilte das Bistum am Freitag mit. Die Glaubenskongregation prüfte die Unterlagen und wies den Fall an das Bistum zurück – allerdings mit der Maßgabe, auf Basis des kirchlichen Gesetzbuchs ein so genanntes außergerichtliches Strafverfahren auf dem Verwaltungsweg durchzuführen. Nach Abschluss dieses Verfahrens schlug Ackermann, der bekanntlich auch Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, der Glaubenskongregation vor, den Priester aus dem Klerikerstand zu entlassen. Rom gab grünes Licht und beauftragte den Trierer Bischof, das Entlassungsdekret auszufertigen. Das geschah am vergangenen Dienstag. Dass das Bistum erst heute an die Öffentlichkeit ging, begründete Ackermanns Sprecher damit, dass der Bischof zunächst die Opfer und auch den Täter habe informieren wollen.

Gegen die Entscheidung kann der Priester innerhalb einer Frist von 60 Tagen Rekurs bei der Glaubenskongregation einlegen, das hätte dann aufschiebende Wirkung. Dass sich der Vatikan von einem solchen Rekurs beeindrucken lassen würde, gilt indes als nahezu ausgeschlossen. Denn Rom war in das Verfahren eingebunden und müsste dann zurückrudern. Die Entlassung aus dem Klerikerstand sei das höchste Strafmaß, welche das Kirchenrecht vorsehe, unterstreicht man derweil hinterm Dom noch einmal die Bedeutung des Vorgangs. Der Priester verliere damit sämtliche Rechte, die mit seinem Priesteramt verbunden seien. Es sei überhaupt das erste Mal “in der jüngsten Geschichte des Bistums Trier, dass diese Strafe gegen einen Priester ausgesprochen wird, der sich des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht hat”, teilte die Bischöfliche Pressestelle weiter mit.

Ackermann hat die Opfer des Priesters über diese Entscheidung informiert. In einem Schreiben bringt er “sein Bedauern für das Leid zum Ausdruck, das die Opfer durch den Priester erfahren mussten”. Zugleich bittet der Bischof um Entschuldigung “für das, was ein Priester unseres Bistums getan hat, wohl wissend, dass damit nicht ungeschehen gemacht werden kann, was Ihnen widerfahren ist.” Insgesamt sind im Bistum Trier seit Februar 2010 16 kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet worden. Es ist aber das erste Verfahren, das mit einem Rauswurf aus dem Klerikerstand endet. Priester wird der Täter bis an sein Lebensende bleiben. Einmal geweiht, kann ihm dieser Status nicht mehr genommen werden.

Quelle: http://www.16vor.de/index.php/2012/07/13/trierer-bischof-wirft-erstmals-priester-raus/

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US-Pfadfinder verschwiegen hunderte Missbrauchsfälle

Oregons Oberstes Gericht lässt 1200 Akten veröffentlichen
Die nationale Pfadfinderorganisation in den USA hat einem Bericht zufolge über zwei Jahrzehnte hinweg hunderte Missbrauchsfälle vor den Behörden verschwiegen. Allein in den Jahren 1970 bis 1991 sei die altehrwürdige Bewegung in mindestens 500 Fällen von Betroffenen, deren Eltern, von anderen Mitarbeitern oder durch anonyme Hinweise auf den Missbrauch junger Schützlinge aufmerksam gemacht worden, berichtete die “Los Angeles Times” am Sonntag (Ortszeit) nach der Durchsicht von 1600 vertraulichen Akten der Boy Scouts. In 80 Prozent der Fälle seien diese aber nicht weitergeleitet worden.
Quelle: http://www.welt.de/newsticker/news2/article109278250/Zeitung-US-Pfadfinder-verschwiegen-hunderte-Missbrauchsfaelle.html
O
riginalquelle (englisch): Los Angeles TImes http://www.latimes.com/news/local/la-me-boyscouts-20120805-m,0,5822319.story

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