OEG-Klausel auch bei Sachleistungen gefallen!

“Unser Einsatz hat sich gelohnt – die OEG-Klausel ist jetzt auch bei den Sachleistungen gefallen,”

schreibt Frau Schmeller-Müller von der Anlauf- und Beratungsstelle Heimerziehung 1949 bis 1975 in Baden-Württemberg.

Auf nochmalige Nachfrage bestätigt sie: “Sie können dies gerne veröffentlichen, ich gehe davon aus, dass die Nachricht demnächst auf der Homepage des Fonds Heimerziehung veröffentlicht wird unter “Aktuelle Meldungen”.

Das heißt also jetzt, dass diejenigen, die ein Verfahren nach dem OEG anstrengen oder schon laufen haben, die 10.000 Euro Sachleistungen ohne Bedenken beantragen können.

Wer noch ein altes Formular hat, sollte die OEG-Klausel, die sich eventuell noch darin befindet, ausstreichen und ab dafür!

10euro

 

Warum allerdings dieses Geld nicht ausgezahlt wird, ohne das die Ehemaligen Anträge auf Sachleistungen stellen und die Anschaffung derselben dann später auch belegen müssen, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Zumal gerade die letzte “Bastion” der Sachleistungen und Gutscheine fällt und auch AsylbewerberInnen jetzt eher Bargeld als Sachleistungen und Gutscheine bekommen.

Dies alles entbindet uns allerdings nicht von unserer Sorge um all die ehemaligen Heimkinder, die selbst von dieser “Billiglösung” (Prof. Dr. Kappeler) nicht oder kaum profitieren können:

  • Menschen, die als Säuglinge im Heim waren, können bestenfalls die 10.000 € Sachleistungen beantragen;
  • ebenso Menschen die vor ihrem 14. Lebensjahr im Heim waren – unerheblich dabei, ob und wieviel sie gearbeitet haben oder was sie sonst erleiden mussten;
  • Ehemalige, die nach 1975 in den Heimen schuften mussten, fallen durch alle Ritzen;
  • Überlebende aus Heimen für Behinderte haben keine Chance auf eine Rentenersatzleistung;
  • Insassen der Psychiatrie haben ebenfalls kein Anrecht auf Rentenersatzleistungen.

Erklären kann dies niemand und es spricht schlicht gegen die Gleichbehandlung aller Menschen.

Völlig unberücksichtigt bleiben hierbei natürlich auch die z.T. unerträglichen Leiden, die Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen in den Heimen zugefügt wurden – Prügel, Vergewaltigung, Einzelhaft, Drohungen, Trennungen von Eltern und Geschwistern, Demütigungen und die Verweigerung von Schul- und Berufsbildung. Unberücksichtigt bleiben auch die Konsequenzen für viele ehemalige Heimkinder:

  • Viele Ehemalige leiden psychisch und physisch ihr Leben lang, können keiner oder kaum einer Berufstätigkeit nachgehen, sind gezwungen, bereits relativ jung in Rente zu gehen, leben dann von einer Minirente;
  • etliche haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, das Analphabetentum ist relativ hoch;
  • eine große Anzahl leidet bis ins Alter unter der Stigmatisierung “schwachsinnig” zu sein – und das nicht nur im eigenen Kopf, sondern diese “Begutachtung” begegnet ihnen immer wieder im Leben und bereitet ihnen Schwierigkeiten;
  • viele leiden unter gravierenden Beziehungsstörungen – in ihrer Herkunftsfamilie, mit ihren PartnerInnen, ihren Kindern;
  • und nicht zuletzt: ein Leben ohne adäquate Schul- und Berufsbildung bedeutet ein Leben mit weitaus geringeren Chancen und Einkommen

Wir werden also auf keinen Fall nachlassen in unserer Forderung nach einer gerechten Entschädigung, die diesen Namen verdient, nach einer Opferrente und/oder einer Einmalzahlung!

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