Was kritisieren wir am Ausdruck „Missbrauch“

Der Objektstatus ent-menschlicht die Opfer. Er verhindert, dass Menschen, die Opfer von sexualisierter Gewalt wurden, als Rechtswesen in einem Rechtsstaat wahrgenommen werden. Als Menschen, die Rechte haben, deren Grenzen zu achten sind, und über die niemand einfach so verfügen darf. Der Objektstatus verführt dazu, die Opfer weiterhin zu übergehen, das Unrecht, das ihnen geschehen ist, zu verleugnen, ihnen ihr erlittenes Leid abzusprechen und die dringend benötigte Unterstützung zu verweigern.

Die Verwendung des Begriffs „Missbrauch“ bzw. „sexueller Missbrauch“ unterschlägt die Tatsache, dass es sich eigentlich um einen Missbrauch von Macht handelt. Aus Täterperspektive ein durchaus positiver Effekt: Seine strafbaren Handlungen werden quasi unsichtbar, während die Verdinglichung des unschuldigen Opfers zum Missbrauchsobjekt bzw. Sexualobjekt zementiert wird.

Der Begriff „Missbrauch“ verschleiert zudem die Tatsache, dass es sich bei den damit umschriebenen Handlungen um Sexualstraftaten handelt und die „Missbraucher“ Sexualstraftäter sind. Er unterschlägt, dass die Täter Gesetze brechen und verharmlost Straftaten zu „unpassendem Verhalten“. Somit dient er eindeutig dem Täter.

Selbst die Verknüpfung des (Macht)Missbrauchs mit dem Adjektiv „sexuell“ schützt letztlich den Täter: es gibt vor, es handele sich bei den Taten um eine Form von „Sexualität“. Sexualität umfasst in der Regel einvernehmliche intime Handlungen zwischen zwei gleichberechtigt handelnden Personen. Beim sexualisierten Machtmissbrauch von Erwachsenen gegenüber Kindern herrscht aber weder Einvernehmlichkeit (aufgrund der mangelnden Freiheit des „Missbrauchsobjekts“), noch Gleichberechtigung zwischen den beteiligten Personen. Die Begriffskombination „sexueller Missbrauch“ entlastet den Täter, weil sie das Opfer in eine Verantwortungsgemeinschaft zwingt, die der tatsächlichen Realität nicht entspricht.

Die Verknüpfung des (Macht)Missbrauchs mit „Sexualität“ entlastet den Täter auch dort, wo die Verantwortung für sein strafbares Handeln durch den so genannten „Sexualtrieb“ relativiert wird. Regelmäßig erfahren Täter Nachsicht und Verständnis, weil unterstellt wird, dass ein quasi autonom agierender innerer „Sexualtrieb“ für ihre Handlungen ursächlich sei. So werden aus Tätern „Opfer“ und aus (tatsächlichen) Opfern „Täter“, weil es in dieser „Theorie“ ja auch einen Auslöser für den „unbeherrschbaren Durchbruch“ des „Triebs“ geben muss.

Der so genannte „sexuelle Missbrauch“ von Kindern ist keine „verirrte“ Form von Sexualität, sondern mittels sexueller Handlungen ausgeübte Gewalt. Die „Sexualität“ ist nur Mittel zum Zweck, nämlich zum Zweck der Durchsetzung der Interessen des Täters. Diese gelten weniger der Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse, als vielmehr der Selbstregulation durch Machtausübung und um die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen. Was nicht ausschließt, dass sexuelle Handlungen für den Täter der bevorzugte Weg dazu sind. Um es an einem simplen Beispiel zu verdeutlichen: Wenn ein Nachbar dem anderen mit dem Spaten eins überzieht, so spricht auch niemand von Gartenarbeit, sondern klar von Gewalt.

Nicht zuletzt führt die Verbindung der Gewalttaten mit „Sexualität“ dazu, dass sie durch ein mächtiges Tabu verdeckt werden. In unserer christlichen Kultur ist ein tiefes Sexualtabu verankert. Dies bewirkt, dass viele Menschen mit spontaner (oft unbewusster) Abwehr auf das Thema „sexueller Missbrauch“ reagieren. Den Mitwissern ergeht es ähnlich. Das schützt wiederum die Täter (vor Verfolgung) und verhindert, dass den Opfern Anteilnahme und Unterstützung zu teil werden. Gleichzeitig  verstärkt es das Schweigegebot: Opfern fehlt die Sprache und der Raum, das, was sie erlebt haben, offen auszusprechen. Die Erkenntnis und Einordnung ist einem Kind je nach Alter nicht gegeben.

Der Terminus „sexueller Missbrauch“ dient also ganz klar Täterinteressen. Er zementiert den Objektstatus des Opfers, untergräbt ihre Integrität und sichert ihr Schweigen. Er verschleiert den durch den Täter ausgeübten Machtmissbrauch, verharmlost seine Straftaten, relativiert seine Verantwortung, verdreht die Wahrheit und vor allem verleugnet er die in den Taten enthaltene massive Gewalt.

Bei dem, was landläufig als „sexueller Missbrauch“ bezeichnet wird, handelt es sich korrekterweise um sexualisierten Machtmissbrauch bzw. sexualisierte Gewalt. Nur diese Bezeichnungen stellen sicher, dass das Verursachungsprinzip, bzw. der Verursacher der Straftaten und Folgen identifiziert und entsprechend richtig eingeordnet und geahndet wird.

(netwerkB http://netzwerkb.org/2011/01/13/was-kritisieren-wir-am-ausdruck-missbrauch/)

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Was kritisieren wir am Ausdruck „Pädophilie“?

Der Begriff „Pädophilie“ bezeichnet das primäre sexuelle Interesse an Personen, die noch nicht die Pubertät erreicht haben. Er setzt sich zusammen von griechisch „pais“: Knabe, Kind und „philia“: Freundschaft. Übersetzt also „Knabenfreundschaft“ oder „Kinderfreundschaft“. Vonseiten der Wissenschaft wird „Pädophilie“ als psychische Störung angesehen, und zwar als Störung der Sexualpräferenz (Paraphilie).

Über die Ursachen der so genannten „Pädophilie“ besteht Uneinigkeit, ebenso wie über die Anzahl so genannter „Pädophiler“. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 2 bis 20 Prozent aller Täter, die sexuelle Übergriffe auf Kinder verüben, im o. g. Sinne „pädophil“ sind. Das heißt, 80 bis 98 Prozent aller Taten, die landläufig als „sexueller Missbrauch“ gelten, werden NICHT von so genannten „Pädophilen“ verübt.

In der Öffentlichkeit wird häufig jegliche sexualisierte Gewalt an Kindern als „Pädophilie“ bezeichnet, bzw. jeder Täter als „Pädophiler“. Das führt in mehrfacher Hinsicht zu Fehlschlüssen:

Da „Pädophilie“ als psychische Störung gilt, wird dadurch der falsche Eindruck erweckt, sämtliche Täter seien „krank“, bzw. psychisch gestört. Tatsächlich ist jedoch der weitaus überwiegende Teil (80 bis 98 Prozent) derer, die sexualisierte Übergriffe auf Kinder verüben, ist weder krank, noch ausschließlich an Kindern als Sexualpartner interessiert, und funktioniert auch in den meisten Lebensfeldern völlig normal und unauffällig.

Die verallgemeinernd angewandte Bezeichnung „Pädophilie“ für jegliche Form sexualisierter Übergriffe auf Kinder führt außerdem dazu, dass diese Straftaten geringer geahndet werden, weil man ALLEN Tätern eine psychische Störung unterstellt und entsprechend auf Hilfe statt Strafe plädiert. Somit wirkt sich eine unpräzise öffentliche Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse und Hintergründe täterfreundlich aus.

Nicht zuletzt ist es hinsichtlich der Prävention bzw. Ansätzen zur Tätertherapie dringend notwendig, sich die tatsächlichen Proportionen, was die Beteiligung von so genannten „Pädophilen“ an der Gesamtzahl der sexualisierten Straftaten gegen Kinder betrifft, klarzumachen. Wenn Prävention– wie im vom Bundesjustizministerium finanziell sehr gut ausgestatteten Projekt „Dunkelfeld“ der Berliner Charité – vor allem darauf zielt, dass „pädophil“ veranlagte Männer nicht zu Straftätern werden, dann spricht man mit solch einem Angebot maximal 2 bis 20 Prozent aller Täter an. Bei 80 bis 98 Prozent aller Sexualstraftäter (gegen Kinder) wird dies keine einzige Tat verhindern.

Der Hauptkritikpunkt von Betroffenen am Begriff „Pädophilie“ gilt allerdings der Verharmlosung der Gewalt, die auch den von so genannten „Pädophilen“ verübten sexualisierten Übergriffen auf Kinder innewohnt.

„Pädophilie“ wird von „Pädophilen“ häufig mit „Kinderliebe“ bzw. „Kinderfreundschaft“ übersetzt. Und tatsächlich wollen sich „Pädophile“ selbst oft am heftigsten von den anderen Sexualstraftätern (gegen Kinder) abgrenzen, indem sie darauf verweisen, dass sie sich Kindern in „Liebe“ annäherten und dass bei ihren Handlungen keine Gewalt im Spiel sei. Sie sehen sich selbst als „Freunde“ der Kinder, sprechen auch von „Verliebtheit“ in ein Kind, und geben vor, ihr (sexuelles) Interesse diene der „Befreiung“ der kindlichen Sexualität. Gerade aus Kreisen der so genannten „Pädophilen“ kommen die leidenschaftlichsten Plädoyers für die „unverfälschte, freie Entfaltung der kindlichen Sexualität“ und der „wahren, von prüden Zwängen befreiten Liebe zwischen Erwachsenen und Kindern“.

Festzuhalten ist: Laut Definition bezeichnet „Pädophilie“ das primäre sexuelle Interesse an Kindern. Das heißt, es geht ganz klar um sexuelles Interesse. Nicht um „Liebe“, nicht um Freundschaft. Und auch um die Sexualität des Kindes geht es nicht, weder seine „freie“ noch seine „unfreie“. Es geht einzig und allein um den Erwachsenen. „Pädophilie“ ist also zuallererst einmal ein Ausdruck für das sexuelle Bedürfnis eines Erwachsenen. „Pädophilie“ umschreibt Erwachsenen-/Täterinteressen, und zwar sexuelle.

Auch wenn dies von den meisten Menschen (noch dazu, wenn das Gegenüber „nur“ ein Kind ist) nicht gesehen wird: Allein in dieser Einseitigkeit der Interessenslage liegt bereits Gewalt. Ein Kind hat eigene Rechte, eigene Interessen, es ist ein eigenes Subjekt. Es ist weder Besitz von irgendjemandem, noch eine Art „Verlängerung“ der Eltern/Erwachsenen. Erst recht ist ein Kind nicht dazu da, die Bedürfnisse von Erwachsenen zu bedienen, schon gar nicht die sexuellen.

Auszug aus Wikipedia: „Neben dem sexuellen Interesse ist bei Pädophilen ein Bedürfnis nach emotionaler Nähe zu Kindern festzustellen.“ Auch hier: Es geht NICHT um das Bedürfnis nach emotionaler Nähe VON Kindern. Es geht um das Bedürfnis nach emotionaler Nähe des Erwachsenen/Täters, das sich im Falle eines so genannten „Pädophilen“ primär an Kinder richtet. „Pädophile“ suchen die emotionale Nähe zu Kindern, weil SIE ein Bedürfnis nach emotionaler Nähe haben. Das Kind ist auch hier lediglich Objekt der Bedürfnisbefriedigung des Erwachsenen/Täters. Und IHR Bedürfnis nach emotionaler Nähe zu Kindern nennen so genannte „Pädophile“ dann „Liebe“.

Um es noch einmal festzuhalten: Schon allein diese Einseitigkeit der Interessenlage, bzw. der darin enthaltene Blick auf Kinder als Objekte der Bedürfnisbefriedigung von Erwachsenen, ist eine Form von Gewalt.

Kinder haben eigene Rechte. Ihre natürliche Abhängigkeit von Erwachsenen (aufgrund des Alters und Entwicklungsstandes), ihre entsprechend an diese gerichteten Bedürfnisse nach Nähe, Vertrautheit, Zuwendung, Schutz und Intimität, werden – wenn überhaupt – von so genannten „Pädophilen“ (aber auch den anderen Tätern) zum Zwecke der eigenen Bedürfnisbefriedigung ausgenutzt.

Viele so genannte „Pädophile“ (und viele Außenstehende) argumentieren, dass die Annäherung von „Pädophilen“ an Kinder, wenn sie „in Freundschaft“ oder „in Liebe“ geschähe, keine traumatisierende Wirkung auf die Kinder hätte. Aufgrund der Projektion ihrer eigenen emotionalen Bedürfnisse auf die Kinder behaupten so genannte „Pädophile“ sogar, dass die Kinder „freiwillig“ und „gerne“ in entsprechende Annäherungen eingewilligt oder diese sogar „selbst gewünscht“ hätten.

Fakt ist: Egal wie „demokratisch“ der Anspruch eines Erwachsenen gegenüber einem Kind sein mag, die Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind ist durch ein Machtgefälle gekennzeichnet. Kein Kind, auch nicht das Aufgeweckteste, fair Erzogenste, befindet sich in derselben Machtposition wie ein Erwachsener. Schon allein aufgrund seiner Versorgungsabhängigkeit ist ein Kind nicht „frei“, sondern auf das, was der Erwachsene zur Verfügung stellt, angewiesen. Noch dazu verfügt ein Kind aufgrund seines kognitiven Entwicklungsstandes und seines begrenzten Lebensradius nicht über die Möglichkeiten, eine Situation umfassend zu bewerten und einzuschätzen.

Ein Erwachsener dagegen weiß sehr wohl, wie er sich verhalten muss, um sich die Befriedigung seiner Interessen zu beschaffen. Er weiß, wie er sich verhalten muss, um Vertrauen zu gewinnen. Er ist in der Lage, taktisch zu agieren und sein Wissen um die kognitive Begrenztheit und Abhängigkeit von Kindern zu nutzen. Ja, er weiß sogar sehr genau, dass sich seine Interessen gegenüber einem abhängigen, unterlegenen Kind wesentlich leichter durchsetzen lassen als gegenüber einem gleichberechtigten und gleich mächtigen Erwachsenen.

Insofern dient es allein der Selbstrechtfertigung der Täter, wenn sie von einem „Einverständnis“ des Kindes sprechen. Es dient außerdem der Vertuschung der Gewalt (beispielsweise durch Manipulation), die in diesen vermeintlich „liebevollen“ Annäherungen liegt.

Nochmal: Ein Kind kann nichts dafür, dass es abhängig zur Welt kommt und viele Jahre lang abhängig von Erwachsenen bleibt. Es hat absolut Anspruch auf Versorgt-/Umsorgtwerden, auf Zuwendung, Nahrung, Liebe, Schutz, etc. Diese seine Bedürfnisse kann es nur auf die Erwachsenen um ihn herum richten und es hat jede Berechtigung, diese von anderen Menschen (nämlich denen, denen es anvertraut ist), befriedigt zu bekommen. Und zwar ohne dabei manipuliert, in eine bestimmte Richtung genötigt oder für Erwachsenenbedürfnisse ausgebeutet zu werden.

Der Grenzverlauf zwischen einer „guten Annäherung“ und einer „schlechten Annäherung“ liegt einzig und allein in der Absicht des Annähernden. Dient die Nähe dem Wohl und den Interessen des Kindes oder denen des Erwachsenen? Für ein Kind ist jede Annäherung eines Erwachsenen, die der Befriedigung SEINER Interessen dient, schädlich.

Viele so genannte „Pädophile“ glauben tatsächlich, dass ihre Annäherung an ein Kind eine „gute Annäherung“ sei und den Interessen des Kindes diene. Dies muss eindeutig als Projektion enttarnt werden. Tatsächlich projiziert der „Pädophile“ die (unterdrückten) Bedürfnisse seines eigenen inneren Kindes auf das fremde Kind und will dann quasi in der Rolle des heute Erwachsenen diesem seinem eigenen inneren Kind die vermisste emotionale Nähe geben. Die „Liebe“ gilt also – wenn überhaupt – sich selbst (dem in sich verborgenen inneren Kind), nicht dem tatsächlichen (fremden) Kind.

Zudem darf nicht vergessen werden, dass der so genannte „Pädophile“ auch konkrete sexuelle Bedürfnisse an das abhängige und von seiner Entwicklung her mit der Sexualität eines Erwachsenen absolut überforderte Kind richtet. Wikipedia: „Die sexuellen Bedürfnisse des Erwachsenen korrelieren entwicklungspsychologisch nicht mit den Wünschen des Kindes. Kinder sind zwar zu sexuellen Gefühlen fähig, diese unterscheiden sich aber fundamental von der Sexualität eines Erwachsenen, dessen sexuelle Entwicklung bereits abgeschlossen ist. Da das Kind die Sexualität des Erwachsenen nicht kennt, kann es auch dessen Perspektive nicht einnehmen. Es kann nicht erfassen, aus welchen Beweggründen ein sexuell motivierter Erwachsener seine Nähe sucht. Kinder können deshalb zwar „willentlich’“ (fachlich „simple consent“), aber nicht „wissentlich“’ (fachlich informed consent) in sexuelle Handlungen einwilligen.“

Zur vermeintlichen „Gewaltfreiheit“ von nicht vollzogenen sexualisierten Handlungen durch so genannte „Pädophile“ (wie sie u.a. Ziel des Projekts „Dunkelfeld“ am Institut für Sexualmedizin der Berliner Charité ist) sei noch auf folgenden Aspekt hingewiesen:

Wikipedia: „Viele Pädophile nutzen Darstellungen von Kindern zur sexuellen Stimulation. In einer Studie gaben 86,1 Prozent der Teilnehmer an, Bildmaterial aus dem legalen und/oder illegalen Bereich zu nutzen.“ Konkret wird hier die Nutzung von so genanntem „kinderpornografischen Material“ (das richtigerweise Kinderfolterdokumentation genannt werden muss) angesprochen. Dieses Material muss hergestellt werden. Und es wird hergestellt durch sexualisierte Gewalt an Kindern. Insofern ist die Behauptung, „Pädophile“ würden „gewaltlos“ agieren, mehr als zynisch und den Tatsachen absolut widersprechend.

Als „harmlos“ wird es auch angesehen, dass sich viele so genannte „Pädophile“ ihr eigenes sexuell erregendes Material aus Quellen wie z.B. Versandhauskatalogen oder Magazinen konstruieren. Der Sinn solcherart „harmlosem“ Materials ist aber ebenfalls die Stimulation. Nach einiger Zeit wirken aber die immer selben Stimuli nicht mehr und müssen durch stärkere Reize ersetzt werden. Die selbst gebastelten, scheinbar „harmlosen“ „Katalog-Pornos“ stellen eine Einstiegsdroge dar, der massivere Übergriffe folgen können.

Egal wie „harmlos“ die Handlungen eines so genannten „Pädophilen“ wirken mögen: Es handelt sich um Menschen, deren primäres sexuelles Interesse Kindern gilt. Das heißt, sie nähern sich Kindern mit einem eindeutig sexuellen Interesse. Selbst wenn sie dies mit „Freundschaft“ oder „Fürsorge“ verschleiern. Aufgrund ihres sexuellen Interesses an Kindern sind sie immer in Gefahr, dass dieses Interesse andere Annäherungsgründe überlagert. Die Gefahr ist deshalb so real, weil sie als Erwachsene gegenüber dem Kind in einer Machtposition sind. Es ist für sie ein Leichtes, ihr sexuelles und emotionales Interesse an dem Kind durchzusetzen. Ob sie dies offensichtlich gewalttätig oder anschleichend-manipulativ tun, ist nur eine Frage der Taktik und der persönlichen Struktur (des Täters).

Für das betroffene Kind aber hat es immer negative Auswirkungen. Seine natürliche emotionale Abhängigkeit wird ausgenutzt, seine für eine gesunde Entwicklung benötigten Lebensumstände werden ihm verweigert, sein Selbstbild wird beschädigt durch die Erfahrung, als „Bedürfnisobjekt“ gesehen zu werden. Es erhält eine völlig falsche Vorstellung von Liebe und Freundschaft. Sein Vertrauen und seine natürliche Offenheit werden missbraucht. Die Welt zeigt sich ihm in frühen Jahren als ausbeuterisch und gefährlich. Kommt es dann auch noch zu konkreten tätlichen Übergriffen, kommen absolute Verwirrung, Ohnmacht, Schuld- und Schamgefühle, Selbstentfremdung, nicht selten auch schwere körperliche Verletzungen u.a. dazu.

Tatsache ist: Auch so genannte „Pädophile“ begehen Straftaten, wenn sie sich Kindern in entsprechender Absicht nähern, sei es in Form von Konsum von Kinderfolterdokumentationen oder in Form von sexualisierter Gewalt. Sie sind nicht krank in einem pathologischen Sinn. Sie sind kriminell, denn Ihre sexuelle Präferenz gilt einem abhängigen Kind, statt einem gleichgestellten Mann oder einer Frau. „Pädophilie“ ist ein verschleiernder Begriff, der die bereits in der eindeutigen Interessenslage der so genannten „Pädophilen“ enthaltene Gewalt unsichtbar macht, indem er es als „Kinderfreundschaft“, bzw. „Kinderliebe“ bezeichnet.

Wir Betroffene von sexualisierter Gewalt halten diese Begriffe für zynisch und absolut gefährlich. Aussagekräftiger und den Tatsachen gerechter werdend sind die Bezeichnungen „Pädosexualität“, bzw. „Pädosexueller“, weil diese klar die primäre sexuelle Präferenz für Kinder benennen und damit sichtbar macht, um was es wirklich geht.
Das Ausleben sexualisierter Gewalt an Kindern – sei es durch Pädosexuelle, die motiviert durch ihre sexuelle Präferenz agieren, oder durch Gewalttäter, deren Sexualität nicht ausschließlich auf Kinder fixiert ist – ist Pädokriminalität.

Ergänzung:

Laut Wikipedia unterliegen einmal einschlägig straffällig gewordene Pädophile einer hohen Rückfallgefahr. Internationale Studien hätten ergeben, dass die Rückfallquote bei ihnen mit etwa 40 bis 50 Prozent etwa doppelt so hoch ist wie die durchschnittliche Quote für Sexualstraftäter von 22 Prozent. Die Rückfallwahrscheinlichkeit ist bei Pädophilen, die auf Jungen orientiert sind, deutlich höher als bei solchen, die auf Mädchen orientiert sind.

(netzwerkB http://netzwerkb.org/2011/01/13/was-kritisieren-wir-am-ausdruck-padophilie/)

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„Soviel du brauchst“ – Misshandelte Heimkinder brauchen wenig

Helmut Jacob: „Soviel du brauchst“. Diese Formulierung in Anlehnung an den Bibelvers aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 16, 18 (1) war das Motto des Kirchentags 2013 in Hamburg. Phoenix-TV zur Thematik: „So viel du brauchst – dahinter steht die Frage: Was brauchen wir eigentlich, um gut zu leben? Wir als Gemeinschaft, aber auch jeder Einzelne? Haben wir noch Wünsche? Ist mehr besser? Wann sind wir zufrieden? Und wie viel ist genug? …“ (2)

Krückenschläge-auf-Kinderhänden

Krückenschläge auf Kinderfinger – Gewalt in Heimen und Klassenzimmern

Es gibt eine große Gruppe von Menschen in unserem Land, die braucht nicht viel. Ihr genügt etwa 300 Euro Rente bis zum Lebensende oder etwa 50.000 bar ausgezahlt. Damit ist diese Gruppe schon zufrieden und dafür hat sie bereits sehr viele Vorleistungen erbracht. Es sind die ehemaligen Heimkinder, die in den Nachkriegsjahrzehnten zusammengetreten, vergewaltigt, in Angst und Schrecken versetzt, gesundheitlich ruiniert wurden. An einige wenige von ihnen möchte ich noch einmal erinnern, um klar zu machen, dass ihre Ansprüche eigentlich ungerechtfertigt bescheiden sind.

Da ist das kleine Mädchen, das nachts aus dem Schlafsaal gezerrt wurde, die Treppen hinunter in den Heimgarten. Dort drückte ihr die Nonne eine Schaufel in die Hand und herrschte sie an: Du gräbst jetzt Dein eigenes Grab; und dann legst Du Dich rein und ich schaufele Dich zu.

Da ist der junge Ministrant, dem der Priester in der Sakristei in die Hose grif fund ihn gegen seinen Willen (sonst hätte der Ministrant nicht Jahrzehnte später darüber geschrieben) solange bearbeitete, bis der Priester seine Hand von dem Ergebnis seiner Schweinerei besudelte. Mangels Waschbecken in der Sakristei wischte er sich diese besudelte Hand an seinem Priestergewand (3) ab und gab im anschließenden Gottesdienst der Gemeinde die Kommunion.

Da ist die Lehrerin, die mit ihren Pranken wenigstens zwei, drei behinderten Kindern die Trommelfelle zertrümmerte und mit diesem Gewaltakt Schwerhörige hinterließ.

Da sind kleine, sechs- bis siebenjährige Schulkinder, denen die zarten Finger mit schwerem Gehstock grün und blau geschlagen wurden, wenn sie etwas Schmutz unter den Fingernägeln hatten.

Da ist der Arzt, der wenigstens vier, fünf behinderte Kinder orthopädisch so falsch behandelte, dass sie seit 50 Jahren bis heute unter Schmerzen ihre Tage fristen.

Da ist der Junge, der von einem Priester mehrmals vergewaltigt und dem Jahrzehnte danach ein Schweigegeld bezahlt wurde (4).

Da sind Jungen, die im Moor Torf stechen mussten, bis zu 12 Stunden täglich, im Winter ohne kälteschützende Bekleidung, die dafür nichts bekamen außer billigen Anstaltsfraß und den Schäferhund auf die Fersen gehetzt, wenn sie nicht dem „Hausvater“ gehorchten.

Da sind die kleinen Kinder, die schon mit sieben, acht Jahren, manche nur wenig älter, Pflegearbeiten leisten mussten, um den kirchlich geführten Betrieb überhaupt aufrecht erhalten und damit den Ruhm der Kirchen mehren zu können.

Da sind junge Männer und Frauen, die mit Strafe und Belohnung dazu dressiert wurden, ihre Mitleidenden zu kontrollieren und sie bei angeblichem Ungehorsam zusammenzuschlagen, und somit mit weniger nötigem Aufsichts- und Hilfspersonal die Kosten des Heimes zu drücken.

Da sind die Kinder, die wegen dieser jahrelangen Zwangsarbeit keine ausreichende Schulausbildung erfahren, keine vernünftige Lehre absolvieren konnten und schon darum im Leben nichts oder nur Tagelöhnergelder verdienten, die sie nun, im Alter, zum Sozialhilfeempfänger werden lassen.

Da sind die Jungen in einer Eliteschule, denen der Pater unter die Bettdecke griff, oder sie in sein Zimmer einlud oder sie an pädophile Freunde verschacherte.

Da ist das Kind, das von einem Priester misshandelt wurde. Das Keuchen und Stöhnen des Priesters dabei soll allerdings nicht im Rahmen der sexuellen Vergewaltigung des Kindes hörbar gewesen sein, sondern Folge der Anstrengung bei der Züchtigung des Kindes.

Da sind die Heimkinder, denen vorgelogen wurde, sie hätten keine Eltern mehr, die seien gestorben und denen mit dieser Lüge und der Einbehaltung der Korrespondenz die Verbindung zum Elternhaus gekappt wurde.

Da sind die Kinder und jungen Menschen, die stundenlang, tagelang in die „Klabause“ gesperrt wurden oder in andere Räume in Kellern oder auf Dachböden oder sogar in die Leichenhallen zu den verstorbenen Nonnen. Kinder, die vor Angst sprachlos oder zu Stotterern wurden.

Ich könnte fortfahren, Seite um Seite, von brutalen psychischen, physischen und sexuellen Misshandlungen berichten, – aber soviel Gewalt komprimiert zusammenzufassen, tut selbst dem Unterzeichner weh und meine Schreiberin neben mir damit zu belasten, wäre verantwortungslos. Sie sind nachzulesen in Büchern, im Internet (die Eingabe „Gewalt+Heimkinder“ ergibt bereits 86.000 Ergebnisse) und auf Homepageseiten einer Gruppe behinderter Heimopfer der Orthopädischen Anstalten Volmarstein, heute Evangelische Stiftung. Auf den Seiten „Blick über den Tellerrand“ ist ein kleiner Auszug dieser Verbrechen dokumentiert (5-11).

Eins mussten all die gequälten Kinder und jungen Menschen erneut erfahren: erneute psychische Gewalt im Rahmen der Aufarbeitung dieses schwarzen Kapitels der Bundesregierung in den Nachkriegsjahrzehnten. Die Manipulationen am „Runden Tisch Heimerziehung“, die Lügereien und Abwertungen der Verbrechen – auch unter Bezug auf die Bibel – seitens der Tätervertreter, die Unterschlagung von Beweismitteln in Heimen und Behörden, und nicht zuletzt das verlogene Entschuldigungsgestammel der damals Verantwortlichen oder ihrer Rechtsnachfolger, dem keine echte Wiedergutmachung folgte, – das alles empfinden heute viele Opfer dieser Zeit als weitere Gewalt.

300 Euro oder 54.000 Euro bar, mehr wollen die meisten Geschändeten und Gequälten nicht. Und das brauchen sie. Zum Beispiel zum Bestechen des Pflegepersonals, damit sie nicht erneut – und sei es durch Entzug der Zuwendung – in Alten- und Pflegeheimen gequält werden. Das brauchen sie, um endlich mal den Blick über den Horizont wagen zu können, einen Urlaub zu erleben, irgendwo in fremden Ländern, von denen sie schon als Kind viel hörten. Das brauchen sie, um sich Hilfsmittel kaufen zu können, die ihre körperliche Leiden mildern, aber von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.

„Soviel du brauchst“ – Soviel brauchen sie! Und wenigstens soviel steht ihnen zu. Mich wundert es allerdings nicht, dass das Leid der ehemaligen Heimkinder auf dem nunmehr vergangenen Kirchentag keine Rolle mehr spielte. Dieses Kapitel hat, in diesem Fall die evangelische Kirche, mit einem frechen Grinsen abgehakt.

(1) http://www.bibleserver.com/text/LUT/2.Mose16 (2)http://www.phoenix.de/content/phoenix/tv_programm/wie_viel_ist_genug_/684980
(3) http://www.kathpedia.com/index.php?title=Priesterkleidung
(4) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43510763.html
(5) http://gewalt-im-jhh.de/Blick_uber_den_Tellerrand/blick_uber_den_tellerrand.html
(6) http://gewalt-im-jhh.de/Blick_uber_den_Tellerrand_2_/blick_uber_den_tellerrand_2_.html
(7) http://gewalt-im-jhh.de/Blick_uber_den_Tellerrand_3_-_/blick_uber_den_tellerrand_3_-_.html
(8) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_4/blick_uber_den_tellerrand_4.html
(9) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_5/blick_uber_den_tellerrand_5.html
(10) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_6/blick_uber_den_tellerrand_6.html
(11) http://www.gewalt-im-jhh.de/hp2/Blick_uber_den_Tellerrand_7/blick_uber_den_tellerrand_7.html

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“Soviel du brauchst”…

Es ist schon etwas verwunderlich, dass der Evangelische Kirchentag Hamburg so vielen PolitikernInnen eine zusätzliche Wahlplattform bietet. Auf Phoenix habe ich mir auch heute Frau Merkel und Herrn Lammert angehört. Herauszuhören war, dsas man für globale Probleme Verständnis zu haben hat und Politik nie die Aufgabe einer Wahrheitsfindung, sondern nur die Aufgabe einer demokratischen Mehrheitsfindung habe.

Applaus

Dem könnte man zustimmen, wenn denn vor Ort, oder nationa,l die Menschen sozial in der Lage wären, global zu denken und zu handeln. Für mich war herauszuhören, das man “weniger braucht”, wenn der Einzelne seine Ansprüche herunterschraubt, weniger essen und die Heizung abstellen würde, Miet- und Strompreiserhöhungen in Kauf nähme, auf kulturelle Veranstaltungen (wie Kirchentage) und am besten ganz auf Wohlstand (-sdenken) verzichtete.

Das darf ja eh nur ganz privilegierten Persönlichkeiten vorbehalten bleiben, z.B. ein 2. Konto, wo auch immer, während Sozialhilfeempfänger froh sein können, wenn sie überhaupt ein Konto eröffnen dürfen.

Warum kommen nicht die Menschen zu Wort auf dem Kirchentag, welche redlich ihre Steuern zahlen, am Existenzminimum leben, sich vom Jobcenter schikanieren lassen müssen? Und warum nicht die Menschen reden lassen, die von Kirche und Staat genauestens vorgeschrieben bekommen, was zum Leben benötigt wird. Wo also ist das “SOVIEL IHR BRAUCHT”?

Wieviel brauchen die Missbrauchsopfer und ehemaligen Heimkinder, um nur einigermassen eine annehmbare Lebensqualität wieder zu erhalten, die ihnen ja in der Kindheit genommen wurde?

Wieviel Demütigungen müssen diese Opfer noch hinnehmen, um in den “Genuss” von ausreichender Entschädigung zu gelangen? Inwieweit werden Kirchen und Stiftungen in Regress genommen, wie in Irland oder den USA?

Zynisch könnte dieses Kirchentagsmotto auch damals in den 50er, 60er, den 70er und 80er Jahren – und eigentlich bis heute – so gedeutet werden: “Priester, Diakone, Brüder, Schwestern. nehmt “soviel wie ihr braucht”, die Heime und Einrichtungen sind voll genug, um eure aller Bedürfnisse zu befriedigen”.

Was? Soviel brauchst du?

Was? Soviel brauchst du?

Stattdessen vom Kirchentag nur der (in)direkt wohlwollend gemeinte Ratschlag: “Schnallt den Gürtel enger, dann braucht ihr nicht soviel, wie ihr eigentlich zurecht brauchen würdet”.

Da war Gott ja beim Auszug aus Ägypten mit seinem Volk humaner, als das es heute seine geweihten Stellvertreter auf Erden sind. Amen.

(U. Werner)

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