Untersuchungsausschuss gefordert

Aus Dierk Schäfers Blog:

25. Mai 2014

Gefordert wird ein Untersuchungsausschuss zur Gewalt an Heimkindern in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975[1]

Wird es ihn geben? Wie frei wäre er in der Beweiswürdigung?

Die Fragen sind nicht unberechtigt angesichts

  • der Geschichte des Runden Tisches/Heimkinder,
  • seiner Vorgeschichte und Installierung,
  • seiner Arbeitsphase,
  • seiner Ergebnisse und
  • deren Umsetzung.

Der Runde Tisch/Heimkinder hatte einen vergleichbaren Untersuchungsgegenstand. Darum haben sich schon in frühem Stadium auch ehemalige Heimkinder aus Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Runden Tisch gewendet. Doch der erklärte sich für diese Betroffenengruppe nicht zuständig, also blieben sie außen vor. Dies betraf und betrifft logischerweise auch den Fonds, der als Ergebnis des Rundes Tisches eingerichtet wurde, finanziert – zumindest nach Plan – zu je einem Drittel vom Staat (wer auch immer in unserem abgestuft föderalen System dafür erfolgreich anzusprechen ist,) und den beiden Großkirchen, die eine ähnlich föderale Struktur haben, zusätzlich zu den Unterschieden zwischen den „verfassten“ Kirchen und ihren Wohlfahrtseinrichtungen.

Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss ist berechtigt, weil es wichtig ist zu erfahren, warum gerade die schwächsten der ehemaligen Heimkinder, die aus Behindertenheimen und psychiatrischen Einrichtungen übergangen wurden, war doch bei ihnen eine besondere Schutzbedürftigkeit anzunehmen. Die Ausnutzung dieser besonders Hilfebedürftigen stellt eine noch dringendere Untersuchungsnotwendigkeit dar, als die der Behandlung der Schutzbefohlenen aus den Erziehungsheimen, die allerdings auch im höchsten Grad verwerflich war. Das mindeste wäre gewesen, beide Gruppen gleich zu behandeln. Diese Ungleichbehandlung ist an sich schon unverständlich und bedarf der Aufklärung. Der Handlungsbedarf ist umso dringender angesichts der Nichtdiskriminierungsrichtlinien nach UN- und EU-Recht[2].

Doch nicht genug damit. Wenden sich ehemalige Heimkinder aus den Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975 an „ihre“ Einrichtung, so werden sie abgewiesen mit der Begründung, man habe ja bereits in den Heimkinderfonds einbezahlt, der sei zuständig – was dieser ablehnt. Ich beziehe mich hier auf das Beispiel der früheren Volmarsteiner Anstalten[3]. Ein Untersuchungsausschuss müsste sich also auch um die Geldflüsse kümmern, die angeblich zugunsten dieser Betroffenengruppe geleistet und wohl fehlgeleitet wurden[4].

Eine weitere Unklarheit besteht hinsichtlich der Vorkommnisse sexuellen Mißbrauchs von Kindern. Dafür gab es einen eigenen Runden Tisch mit anderen Ergebnissen. Mir ist bis heute nicht klar, ob ehemalige Heimkinder, die nicht nur misshandelt usw., sondern auch mißbraucht wurden, Leistungen aus beiden Fonds erhalten können, die Ergebnis beider Runder Tische waren. Da es auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie neben vielfachen Misshandlungen fallweise auch sexuellen Mißbrauch gab, wäre es sinnvoll, es hier nicht zu einem weiteren Beispiel unterschiedlicher Opferdignitäten kommen zu lassen.

Der Runde Tisch/Heimkinder hat mit dem Fonds erklärtermaßen kein Recht geschaffen, kein einklagbares Anrecht auf irgendwelche Leistungsansprüche. Folgerichtig wurden die Leistungen aus dem Fonds zunächst auch als erklärungspflichtiges Einkommen der Empfänger angesehen. Inwieweit die auf Bundesebene politisch gewünschte Nicht-Anrechenbarkeit auf allgemeine Sozialleistungen von allen Sozialämtern respektiert wird, ist mir nicht bekannt.

Verbunden mit den Leistungen aus dem Fonds sollten, zumindest in der Anfangszeit der Antragstellungen, auch Verzichterklärungen auf sonstige Leistungen in dieser Sache, egal von wem, unterzeichnet werden. Wenn nun ein Untersuchungsausschuss für die bisher nicht eingeplanten ehemaligen Heimkinder gefordert wird, so sollte das nicht auf Gleichstellung im Unrecht hinauslaufen, eine Gleichstellung im rechtsfreien Raum, der frei bleibt von rechtlichen Ansprüchen der Opfer. Der Untersuchungsausschuss sollte sich auch mit den staatlichen Zuständigkeiten für die Zustände in kirchlichen Einrichtungen für Kinder befassen, wie sie vom EuGH im Verfahren gegen Irland definiert wurden. [5]

Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss ist allemal gut begründet und er sollte seine Effektivität darin erweisen, daß er die Fehler, die am Runden Tisch Heimkinder sehenden Auges[6] und wie ich meine absichtlich gemacht wurden, vermeidet und Recht schafft.

Anhang

Zur Erinnerung und Vertiefung seien hier noch einmal die Vorgeschichte, die Geschichte und die Nachgeschichte des Runden Tisches skizziert und in diesem Zusammenhang auf die Aufgaben des gewünschten Untersuchungsausschusses hingewiesen.

1. Die Vorgeschichte

Auf die Gewalt an Heimkindern in kirchlichen wie staatlichen Erziehungsheimen muß nicht weiter eingegangen werden. Hier hat der Runde Tisch hinreichend Material zusammentragen lassen und es gibt auch wissenschaftliche Veröffentlichungen, die belegen, daß die Klagen der ehemaligen Heimkinder aus diesen Einrichtungen die Zustände realistisch wiedergeben:

  • Einweisungen ohne korrekte rechtliche Grundlage,
  • Zwangsarbeit[7],
  • persönlichkeitszerstörende Demütigungen,
  • Mißhandlungen und
  • sexueller Mißbrauch

… waren in den untersuchten Heimen nicht ungewöhnlich, in manchen alltäglich. Durchgängig war das Vorenthalten von Bildungsangeboten, die die Kinder befähigt hätten, anspruchsvollere Berufe mit Zukunftsperspektive zu ergreifen. Dies alles gehört nur darum hierher, weil die Bedingungen für die Insassen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975 nicht besser waren. Beispielhaft sei hier auf die Volmarstein-Untersuchung verwiesen[8].

Man darf erwarten, daß eine Untersuchung ähnlicher Einrichtungen zu ähnlichen Ergebnissen kommen wird. Dies wäre die erste Aufgabe des Ausschusses. Am Runden Tisch wie auch in der Nachgeschichte mit dem Fonds für ehemalige Heimkinder fanden diese Einrichtungen keine Berücksichtigung, nicht einmal Erwähnung. Vom Runden Tisch wurde recht rüde mitgeteilt, man sei für diese Gruppe nicht zuständig. Dabei blieb es bis heute. Das gleiche gilt, und sei der Vollständigkeit halber angefügt, für Säuglingsheime.

2. Die Geschichte des Runden Tisches …

… ist insofern heranzuziehen, als sich eine solche nicht wiederholen darf, nun für die bisher vernachlässigten Heimkindergruppen. Nach erfolgreicher Petition der ehemaligen Heimkinder aus den Erziehungsheimen[9] setzte der Bundestag den Runden Tisch unter der Leitung von Frau Vollmer ein. Frau von der Leyen, die damalige Familienministerin ließ jedoch verlauten: „Die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.[10] Diesen Teil der Geschichte habe ich in meiner Anhörung am Runden Tisch am 2. April 2009[11] ausführlich dargestellt und auf weitere „Geburtsfehler“ verwiesen, so besonders die asymmetrische Machtverteilung am Runden Tisch, die vonseiten der Leitung wie der Mehrheit nie als Problem angesprochen, geschweige denn kompensiert wurde. So wurde der Runde Tisch zum Lehrstück, wie man schwächere Partner übertölpelt. Das Ergebnis war eine erzwungene Einstimmigkeit mit allen Tricks, die einer gewieften Verfahrensleiterin zur Verfügung stehen. Ich habe diesen Teil der Geschichte analysiert und interpretiert[12]. Ein Untersuchungsausschuß wird – denke ich – um eine gründliche Beachtung dieser Vorgänge nicht umhinkommen können.

3. Die Nachgeschichte …

… ist noch nicht abgeschlossen und ich kann auf diverse aktuelle Veröffentlichungen in den Medien verweisen, aber auch auf meinen Blog, der diese Probleme immer wieder aufgreift.[13] Zur Nachgeschichte gehört aber auch, daß (angeblich) Behinderteneinrichtungen den Fonds Heimkinder gespeist haben, obwohl dieser nicht für diese Gruppe vorgesehen war, und folgerichtig ist man dort auch nicht bereit, Zahlungen zu leisten. Meine Anfrage an die Volmarsteiner Anstalten[14] blieb bis heute ohne Antwort. Auch deren ehemaligen Insassen wurde auf gleiche Anfrage keine Antwort zuteil[15].

Nun also die Bitte nach einem Untersuchungsausschuß für die Opfer von Gewalt in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während der Jahre 1950 bis 1975. Hoffentlich kommt er und hoffentlich kann er freigehalten werden von allem Ränkespiel der Einrichtungen, die ihn zu fürchten haben.

[1]http://www.bioskop-forum.de/publikationen/newsletter-behindertenpolitik.html

Der Antragstext: „Der Deutsche Bundestag möge einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss einrichten, der

Erstens: die Gewalt an Heimkindern in Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie während des Zeitraums 1950 bis 1975 untersucht.

Zweitens: die gesetzlichen Bestimmungen der 30jährigen Verjährung in den Fällen aufhebt, in denen Heimmitarbeiter gegen internationale Vereinbarungen verstoßen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben.“

[2] http://www.un.org/Depts/german/uebereinkommen/ar61106-dbgbl.pdfhttp://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Themen/Internationales/EU/EU_node.html

[3] Heute „Die Evangelische Stiftung Volmarstein“ http://www.esv.de/

[4] Siehe auch unten Punkt 3. Die Nachgeschichte

[5] http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/02/09/das-durfte-aufsehen-erregen/http://www.wdr5.de/sendungen/diesseitsvoneden/missbrauchirland100.html

[6] Ich habe in einer Anhörung bei der zweiten Sitzung des Runden Tisches alle Problembereiche behandelt und anschließend zu Protokoll gegeben http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf , zudem habe ich Verfahrensvorschläge unterbreitet, die zu einem angemessenen Ergebnis geführt hätten, wenn man denn gewollt hätte: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/verfahrensvorschlage-rt.pdf , erneut aufgegriffen unter: http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/08/27/losungsvorschlage-von-dr-wiegand/

[7] Ein Begriff, der am Runden Tisch nicht zugelassen war, doch der Tatsache, daß erzwungene Arbeit, über normale Mithilfe im Heimalltag hinausging hatte auch die Vorsitzende als richtig anerkannt. Kompensationszahlungen für entgangene Rentenansprüche werden jedoch erst für Zwangsarbeit ab dem 14. Lebensjahr gewährt, obwohl es auch nachgewiesenermaßen Kinderarbeit gegeben hat.

[8] Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler, Gewalt in der Körperbehindertenhilfe, Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967 eine Besprechung unter: http://dierkschaefer.wordpress.com/2010/03/21/im-herzen-der-finsternis/

[9] http://www.veh-ev.eu/Der_Verein/Petition/Petition_des_Vereins_ehemaliger_Heimkinder.pdf

[10] Zitiert nach: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf

[11] http://dierkschaefer.wordpress.com/2009/04/05/anhorung-runder-tisch-2-april-2009/

[12] http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[13] http://dierkschaefer.wordpress.com

[14] http://dierkschaefer.wordpress.com/2013/11/21/volmarsteiner-anstalten-und-ihr-finanzbeitrag/

[15] http://dierkschaefer.wordpress.com/2013/12/12/sobald-wir-konkretere-informationen-erhalten-melden-wir-uns-bei-ihnen/

 

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Aufruf

Uns erreichte dieser Aufruf und wir finden, dass es ein tolles Projekt ist. Darum bitten wir alle ehemaligen Heimkinder, die Interesse und Zeit haben, sich an Herrn Knittel (Kontaktdaten s. unten) zu wenden:

Initiative für ein künstlerisch-kreatives Projekt von und mit ehemaligen Heimkindern.

Wer ist bereit sich an dem Projekt zu beteiligen?

Das Ziel ist eine Dokumentation/Ausstellung zu organisieren in der gezeigt werden kann wie und auf welche Weise sich Heimkinder in eigener Initiative mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt haben. Das können Auseinandersetzungen in unterschiedlicher Art sein: künstlerisch, literarisch , lyrisch, Fotodokumentationen, Dokumentationen von Heimen und/oder von Heimkindern, Theaterstücke oder Initiativen von Gesprächskreisen oder auch andere Aktionen.

Das Projekt ist zunächst eine Idee und es geht an dieser Stelle darum festzustellen ob es in unseren Reihen genügend Resonanz für dieses Projekt gibt. Daher bitte ich alle, die sich gerne beteiligen wollen, sich bei mir zu melden und mir mitzuteilen in welcher Form und mit welchen Arbeiten Ihr Euch beteiligen würdet.

Bitte um Rückmeldungen bis Ende August 2014.

Wenn sich genügend Teilnehmerinnen/Teilnehmer finden, wird das Projekt konkret in Planung gehen.

Kontakt und Koordination:

Siegfried Knittel, Dammsmühlerstr. 49a,
13158 Berlin
Tel. 030 912 095 12 oder Mobil 0177 364 80 65
Email: sieg.knittel@gmail.com

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Anvertraut und ausgeliefert

Vortrag von Manfred Kappeler an der Hochschule Esslingen

Öffentlicher Vortrag von Prof. Dr. Manfred Kappeler (TU Berlin) zum Thema „Anvertraut und ausgeliefert – Zur Verletzung von Menschenrechten und Menschenwürde in der Heimerziehung“ am Dienstag, 27. Mai von 17:30 bis 19:00 Uhr an der Hochschule Esslingen, Flandernstraße 101, Hörsaal H5. Diese Veranstaltung findet im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe “Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen” statt. Sie öffentlich und kostenlos.

Die Soziale Arbeit war und ist ein Hauptort der Missachtung der Würde und der Verletzung der Menschenrechte von Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf professionelle Hilfe und Unterstützung angewiesen sind oder gegen ihren Willen als „Hilfe-Bedürftige“ definiert werden.

Der Menschenrechtsdiskurs in der Sozialen Arbeit muss von der Meta-Ebene der Deklarationen heruntergeholt werden, um ihn in der beruflichen Alltagspraxis vom Kopf auf die Füße zu stellen. Es geht darum, die politischen, sozialen und kulturellen Menschenrechte in der Sozialen Arbeit selbst zu achten und zu verteidigen.

Die Gefahr der Nichtbeachtung und Verletzung von Menschenwürde und Menschenrechten der Klientinnen und Klienten der Sozialen Arbeit wächst mit dem Grad ihres Angewiesen-Seins auf Hilfe. Am Beispiel der Heimerziehung von Kindern und Jugendlichen wird gezeigt, wie in Einrichtungen, in denen das Leben einer weitgehenden Regulierung/Fremdbestimmung unterliegt, aus Anvertrauten Ausgelieferte werden und wie der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Willkür und Gewalt in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe verbessert werden kann.
Der Vortrag findet am Dienstag 27. Mai 2014 von 17.30 bis 19.00 Uhr im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe „Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen“ in Hörsaal H 5 in der Hochschule Esslingen, Flandernstraße 101 statt.

Quelle: idw

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Der Superbeschiss

Wir haben uns mal ein paar Überlegungen zu den schändlichen Zahlungen des “Hilfefonds ehemaliger Heimkinder” gemacht – und zu den Geldern, die wir als Kinder und Jugendliche Staat und Kirchen in die Kassen gespült haben. Mit unserer Arbeit!

Unter Zugrundelegung eines Hilfsarbeiterstundenlohnes (1965) von
3,91 DM

gelangt man auf einen Jahresbruttolohn von
18.768,00 DM

abzüglich 38 % Steuern und Sozialabgaben = Jahresnettolohn
11.636,00 DM

Gehen wir auf eine untere Grenze, machen uns die Berechnungen einfach und legen einen Jahresnettolohn von 10.000,00 DM zu Grunde.

Weiter geht’s:

Seriöse Schätzungen gehen aus von 800.000 bis 1.000.000 Heimkinder der Jahre 1949 – 1975 aus.

Für unsere Berechnungen nehmen wir auch hier den unteren Wert von 800.000 Heimkindern und gehen davon aus, dass diese im Durchschnitt 1 Jahr gearbeitet haben.

Weiter geht es mit den Berechnungen:

800.000 Heimkinder x 10.000 DM Jahresnettolohn = 8.000.000.000 DM (in Worten: acht Milliarden DM)

Da Kirchen, Institutionen, Staat und Industrie uns diese Löhne nie ausgezahlt haben, berechnen wir einen Zinssatz von 6% und eine mittlere Laufzeit von 50 Jahren und kommen so zu dem Betrag von

147.361.234.199,932 DM oder – wieder großzügig gerechnet – 73.500.000.000 Euro.

Das also ist die Summe, die uns geschuldet ist.

Wenn wir diese Summe jetzt mal auf 800.000 ehemalige Heimkinder zurückrechnen, kann man leicht ersehen, dass jedem – JEDEM – Heimkind eine Summe von 91.875 Euro mindestens zusteht!

Das deckt noch keine Vergewaltigungen, keine zerbrochenen Biografien, keine lebenslangen Pein, keine erzwungene Frührente, keine verminderten Berufschancen ab. Es ist lediglich das Geld, was Kirchen, Staat und Industrie uns SCHULDEN!

Zum Vergleich: in ihren Fonds eingezahlt haben sie 120.000.000 Euro. Sofort abgezogen haben sie 20.000.000 für die Anlauf- und Beratungsstellen, ergibt 100.000.000 Euro.

 Würden sich tatsächlich die 800.000 Ehemaligen melden, die Anrecht auf diesen Fonds haben, ergäbe dies einen Betrag von 125,00 Euro pro Überlebenden ihrer Höllen.

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Untersuchungsausschuss zur Gewalt gegen Heimkinder

Wir bitten alle Ehemaligen, Freundinnen und Freunde folgende Petition zu unterschreiben!

http://www.bioskop-forum.de/publikationen/newsletter-behindertenpolitik.html

http://www.bioskop-forum.de/begruendung-heim-petition.html

Der VEH e.V. solidarisiert sich uneingeschränkt mit der Petition seines Mitglieds Rolf Michael Decker!

Allzu lange haben wir nachgefragt und bekamen keine aussagekräftige Antworten. Nun fragen wir nicht mehr! Die Wischiwaschi-Antworten reichen!

Ab sofort fordern wir!

Ein Untersuchungsausschuss – nicht nur diese Petition betreffend – muss kommen! Es gibt, aus unserer Sicht, keine Alternativen dazu!

Unter anderem wollen wir wissen:

  • warum – wenn überhaupt – nur am Rande des “Runden Tisches Heimerziehung” (RTH) über Zwangsarbeit geredet wurde;
  • warum immer nur vom “Zwang zur Arbeit” die Rede war/ist;
  • warum keine Vertreter der Industrie und Bauernverbände geladen und gehört worden sind;
  • warum keine Vertreter der Krankenkassen, die ja immerhin die Schäden, Spätschäden und Folgen finanziell abfedern mussten, anwesend waren;
  • warum Heime für Kinder mit Behinderungen und Psychiatrien rausgefallen sind;
  • warum es absolut keine Aufklärung über Säuglings- und Kleinkinderheime gab/gibt.

Tatsache ist, dass die „Kleine Wahrheitsfindungskommission“ von Frau Dr. Antje Vollmer kläglich gescheitert ist! Es ging von Anfang an weniger um die Wahrheit, als um minimalistische Zugeständnisse für die Überlebenden deutscher Kinderheimhöllen.

Die einseitigen „Empfehlungen“ unter der maßgeblichen Federführung der Täternachfolgeorganisationen aus Kirchen und Staat zeigen in ihren heutigen Auswirkungen, dass es hierbei niemals um die Wiedererlangung der Würde der Überlebenden ging und auch heute noch nicht geht.

Es ging und geht nur um das ruhige Gewissen der Täternachfolger, die sich nun auch noch in die Brust werfen und stolz auf diese beschämenden Minimalleistungen sind!

Demütigende Regelungen, wie die auf 10.000 € gedeckelten „Sachleistungen“, die erst dann greifen, wenn das ehemalige Heimkind Kostenvoranschläge einreicht, oder Rechnungen (Vorleistungen) vorlegt, spotten jeder Beschreibung. Jedes ehemalige Heimkind hat ein Recht – ohne bitten und betteln zu müssen – auf diese Summe! In vollem Umfang und nicht nur per vorgelegten Kostenvoranschlägen.

Glauben Staat und Kirchen. wir seien immer noch “dummen” Heimkinder von damals?

Begreift endlich,

  • dass wir vollwertige Menschen mit Würde und Rechten sind!
  • dass wir uns nicht für die brutalen sexuellen, physischen und psychischen Foltern bezahlen lassen wollen – mit Summen, die IHR festlegt!
  • dass wir fordern, was uns zusteht:
    • die gestohlenen Renten und anderen Sozialbeiträge,
    • die unterschlagenen Löhne für die Heim- und Zwangsarbeit,
    • die “verschwundenen” Waisenrenten und Sparbücher, die ihr (in Einzelfällen) angeblich für uns angelegt habt,
    • Schmerzensgelder für blutige Prügelexzesse, für sexuelle und psychische Übergriffe,
    • Ausgleichszahlungen für die zerbrochenen Biografien, die lebenslangen Leiden, die ihr verursacht habt!

Als Soforthandlungen verlangen wir:

  • ein Ende der langen Wartezeiten für Beratungstermine bei euren “Anlaufstellen” (immerhin werden diese Stellen von UNSEREN Geldern finanziert!),
  • ein Ende der zögerlichen Zahlungen,
  • ein Ende der aberwitzigen Prüfungen von Kostenvoranschlägen und Rechnungen,
  • ein Ende der demütigenden Überweisungen direkt an Händler, Verkäufer, Handwerken,
  • eine Ausweitung der Zahlungen an ALLE Heimkinder! Kleinkinder, Säuglinge, psychatrisierte Kinder und Kinder mit Behinderungen selbstverständlich eingeschlossen,
  • eine Ausweitung der sogenannten Rentenersatzleistungen, die mit Rente eh nichts zu tun haben, auf Arbeiten, die VOR dem 14. Lebensjahr zu leisten waren,
  • eine Verlängerung des “Fonds ehemalige Heimkinder” über das Jahr 2014 hinaus,
  • regelmäßige, großformatige Anzeigen in allen überregionalen Zeitungen, um allen Ehemaligen die Chance zu geben, den Fonds in Anspruch zu nehmen!

Die von euch so gnädig gezahlten Hilfsgelder sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein!

Unsere Würde als Kinder habt ihr ja bereits “erfolgreich” zerstört – mit all den für uns zu ertragenden Konsequenzen.

Wir werden es nicht zulassen, dass ihr uns nun, im Alter, weiterhin oder wieder demütigt und unsere Würde nehmt!

Dirk Friedrich
Verein ehemaliger Heimkinder e.V.

 

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Am Samstag, den 14. Juni 2014, 11.00 bis 18.00

findet im “Café Weltbühne” im Kommunikationszentrum im ESG Haus, Breul 43, 48143 Münster, Westfalen

eine Heimkinderkonferenz statt.

Lageplan

Das Programm ist in Arbeit und wird zu gegebener Zeit hier veröffentlicht.

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