20.12.2014: DEMO in Köln

Demo am 20.12.2014 in Köln – Treffen um 9:30 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz
Wir fordern: Sofortige Leistungen für ehemalige Heimkinder, die in Behinderteneinrichtungen und in der Psychiatrie leiden mussten!

Seit Bestehen der Bundesrepublik respektive der Deutschen Demokratischen Republik lebten etwa ein Million Kinder in Säuglings- und Kinderheimen, in Waisenhäusern, in Heimen für Ju­gendliche mit oder ohne Behinderungen, in Heimen für „schwererziehbare“ Jugendliche und in der Psychiatrie. Die Heime waren mehrheitlich in Händen der Kirchen beider Konfessionen (BRD), des Staates und in privater Hand.

Die Kinder waren oftmals schlecht ernährt, schlecht gekleidet, kaum bzw. schlecht medizinisch versorgt. Sie bekamen Medikamente, um im Sinne der Heimbetreiber zu funktionieren und es wurden an ihnen medizinische Experimente durchgeführt.

Viele mussten bereits vom sechsten Lebensjahr an Zwangsarbeit leisten – vor der Schule, nach der Schule oder anstatt Schule, in den Ferien, an Sonn- und Feiertagen. Für ihre Arbeit bekamen sie weder Lohn ausbezahlt, noch wurden für sie Sozialabgaben entrichtet. Entspre­chend sieht für sie heute ihre Rente aus!

Ihnen wurde psychische, physische und sexuelle Gewalt angetan. Sie wurden tage- bis mona­telang eingesperrt, allein, im Dunkeln.

Beziehungen zu Familienangehörigen wurden verhindert oder erschwert, Briefe zensiert, Pa­kete oder Päckchen erreichten sie kaum. Selbst Freundschaften innerhalb des Heimes wurden unterbunden. Oftmals standen die Kinder unter einem rigorosen Schweigegebot und sie wur­den zwangsmissioniert.

Die Überlebenden dieser „schwarzen Pädagogik“ haben seit 2 Jahren und noch bis Ende die­ses Monats die Möglichkeit, zumindest einen Ausgleich für die Rentenzahlungen und eine „Hil­fe in Anerkennung für das erlittene Leid“ zu beantragen.

Allerdings gibt es gravierende Ausnahmen:

  • Kindern, die in Behinderteneinrichtungen leben mussten, stehen heute keine Rentenausgleichszahlung zu!

  • Kinder, die in die Psychiatrie gezwungen wurden, gehen ganz leer aus!

Immer wieder wurden sie vertröstet, immer wieder hingehalten von Kirchen und Politik. Nun hat die Arbeits- und Sozialministerkonferenz sich wieder eine neue Hinhalte-Taktik ausge­dacht:

Eine bereits 2013 eingerichtete Arbeitsgruppe soll nun „neue Vorschläge“ einholen, wie das erlittene Unrecht und Leid „mithilfe von Anpassungen der Regelsysteme anerkannt werden kann“.

Wie lange müssen diese geschundenen Menschen noch warten?

Warum wurden sie nicht von Anfang an bei dem Fonds Heimerziehung mit bedacht?

Wie viele müssen noch sterben, bevor sie Leistungen bekommen?

Zur Erinnerung: Artikel 3 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Von Ausnahmen steht da nichts!

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Man lese und staune: Zölibat und Kindesmissbrauch in Australien

In einem wegweisenden Report sagt die Katholische Kirche Australiens, das Zölibat von Priestern und Geistlichen trugen bei zu jahrzehntelangem sexuellem Missbrauch von Kindern.

  • In dem Bericht des „Rates für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ heißt es: „das obligatorische Zölibat“ könnte die Ursache sein, dass Priester Tausende von Kindern missbraucht haben
  • Die Kirche muss jetzt prüfen, „wie Individuen … gesund bleiben können und nicht aus einem dysfunktionalen Selbstgefühl heraus zu handeln beginnen“
  • Das Zölibat war vielleicht eine weitere und unerträgliche Belastung“ für einige Priester, die dann zu Kinderschändern wurden
  • Allerdings besagt eine aktuelle Studie aus den USA, dass das Zölibat nicht für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden kann.

(John Carney, Daily Mail Australia, 11. Dezember 2014)

Ein neuer, wegweisender Bericht hat dargelegt, dass das Keuschheitsgelübde katholischer Priester als wesentlicher Faktor zu dem jahrelangen Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche zu sehen sei.

Herausgegeben vom „Rat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ der Katholischen Kirche Australiens sagt aus, dass der „obligatorische Zölibat“ Priester dazu gebracht hat, Tausende von Kindern sexuell zu missbrauchen und dass Priester dringend ein psycho-sexuelles Entwicklungstraining benötigen.

Der Ratsvorsitzende Francis Sullivan teilte The Australien (Australische Tageszeitung, H.D.) mit, dass die Kirche jetzt untersuchen muss, „wie Individuen, die sich für ein zölibatäres Leben entschieden haben, gesund bleiben können und nicht aus einem dysfunktionalen Selbstgefühl heraus zu handeln beginnen“.

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„Wir müssen uns fragen, ob das Zölibat zu einer zusätzlichen und unerträglichen Belastung für einige wurde“, sagte er.

„Das bedeutet nicht, dass das Zölibat ausgerottet werden muss – lassen Sie uns die Kirche nicht auf den Kopf stellen – aber wir sagen, dass eine ehrliche und offene Diskussion über die Zukunft ohne eine ehrliche und offene Diskussion über das Zölibat nicht möglich ist. Wir setzen den Zölibat auf die Tagesordnung.“

Katholizismus ist die wichtigste Religion in Australien. Es ist einzigartig unter den großen christlichen Kirchen, dass Priester und religiöse Führer ein Zölibatsgelübde ablegen und auf Sex ganz verzichten müssen.

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In dem Bericht werden die Kultur von Gehorsam und geschlossenen Umgebungen und auch die Art der Auswahl von potenzielle Kandidaten für den Klerus identifiziert als eine potenzielle Quelle gehäuften Vorkommens von Missbrauch in einigen Orden und Diözesen genannt.

Der „Rat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ umfasst die Erzbischöfe von Melbourne, Brisbane, Perth, Canberra und Adelaide und seine Ergebnisse stehen in Kontrast zu einer aktuellen US-Studie, die besagt, dass der Zölibat nicht für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden kann.

Es war eine radikale Abkehr von den Ergebnisse der fünfjährigen Studie „Ursachen und Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch katholische Priester in den Vereinigten Staaten 1950-2010“, berichtet The Australian.

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Dieser Bericht wurde der US-Konferenz der katholischen Bischöfe im Jahr 2011 vorgestellt.

„Es ist nicht klar, warum das Engagement für oder der Zustand der ehelosen Keuschheit als Ursache für den stetigen Anstieg der Häufigkeit von sexuellem Missbrauch gesehen werden sollte,“ so der (US-amerikanische, H.D.) Bericht.

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(Übersetzung: Heidi Dettinger)
Link zum englischen Original

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Opferentschädigungsgesetz (OEG)

Erfahrungen und Empfehlungen zu dem Opferentschädigungsgesetz, kurz OEG.Als Opfer einer Gewalttat können Sie vom Staat unter bestimmten Umständen eine Entschädigung erhalten. Die Leistungen entsprechen den Leistungen, die das Bundesversorgungsgesetz (BVG) vorsieht. Sie bestehen aus:

  • Leistungen zur medizinischen Rehabilitation
    (z.B. Übernahme der Kosten für einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus, orthopädische Hilfsmittel, Kuren, Zahnersatz, Belastungserprobung, Arbeitstherapie).
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
    (bei bleibenden Beeinträchtigungen der beruflichen Tätigkeit).
  • Leistungen zum Ausgleich der wirtschaftlichen Folgen
    Beschädigtenrenten (mit Einzelleistungen wie Grund- und Ausgleichsrente, Berufsschadensausgleich).
  • Hinterbliebenenrenten mit ähnlichen Einzelleistungen.
  • Bestattungs- und Sterbegeld.

Die Höhe der Leistungen ist von den Umständen des Einzelfalls abhängig.

GDB (Grad der Behinderung) bis 40%= 127 Euro, 40 % = 174 Euro, 50% = 234 Euro, 60% = 296 Euro monatliche Entschädigungsrente.

Diese Entschädigung wird in aller Regel alle 3 Jahre überprüft oder es wird festgestellt das die Folgen der Straftaten nicht behebbar sind, dann werden die Entschädigungsrenten ohne Prüfung ein Leben lang gezahlt.

Einen Anspruch auf Versorgung haben Sie, wenn Sie in der Bundesrepublik Deutschland.

  • Opfer eines vorsätzlichen, rechtswidrigen tätlichen Angriffs (z.B. eines Raubüberfalls oder einer Vergewaltigung) wurden oder einen solchen Angriff rechtmäßig abgewehrt haben und
  • hierdurch eine gesundheitliche Schädigung erlitten haben und
  • die deutsche oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. (Auch ausländische Staatsangehörige, die nicht Angehörige der EU-Staaten sind, können unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch geltend machen).

Verfahrensabläufe:
Sie können Ihren Antrag schriftlich oder zur Niederschrift auf dem für Sie zuständigen Versorgungsamt einreichen. Sofern Sie Unterlagen/Jugendamtsakten haben, sollten Sie diese gleich in Kopie mit einreichen.

Es geht aber auch ohne irgendwelche Akten oder schriftliche Beweise. In diesen Fall ist es ratsam, ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen, welches chronologisch Aufenthalte und Straftaten erfasst und beschreibt.

Vermutlich wird Ihr Sachbearbeiter Volljurist sein, doch lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Zur Verfahrensweise gehört es eben, dass Ihr Antrag die Rechtsabteilung durchläuft und geprüft wird. Die Rechtsabteilung wird versuchen, Tatsachen zu ermitteln und kontaktiert Träger, Heime und Ärzte. Wenn Sie alles zusammengetragen hat, wird sie den medizinischen Dienst des Versorgungsamtes beauftragen, Sie zu begutachten.

Der medizinische Dienst:
Hier werden Sie ggf. körperlich untersucht sofern Sie körperliche Schäden erlitten haben. Danach erfolgt die psychologische Begutachtung durch einen Neurologen/Psychiater.

Die psychologische Begutachtung findet durch Einzelgespräch und Ausfüllen von Untersuchungsbögen statt. Hier wird überprüft in wie weit Ihre heutigen Beeinträchtigungen mit den Ereignissen in Ihrer Kindheit in Zusammenhang stehen. Seien Sie möglichst authentisch und suchen Sie das Gespräch mit dem Neurologen. Beschreiben Sie Ihre Erlebnisse und heutigen Beeinträchtigungen mit Ihren Worten. Der Neurologe wird Sie verstehen, verlassen Sie sich darauf.

Nach den Begutachtungen werden Gutachten erstellt, die Ursache und Folgen nochmals besonders hervorheben und den Grad der Behinderung (GDB) festsetzen. Jetzt werden Antrag und Gutachten nochmals durch Rechtsabteilung und anderen Ärzten überprüft und beschieden. In der Regel folgen sie dem Gutachten.

Sie erhalten nun einen Bescheid, der den GDB und die Höhe der Entschädigung enthält. Ab dem Tag der Zustellung durch den Postboten, haben Sie einen Monat Zeit, Widerspruch einzulegen. In diesem Fall beauftragen Sie bitte einen Rechtsanwalt mit ihrer Vertretung. er wird den Widerspruch für Sie schreiben und einreichen, ggf. wird er für Sie vor dem Sozialgericht klagen, um einen höheren GDB oder höhere Entschädigungsleistungen für Sie zu erreichen. Suchen Sie sich dazu bitte einen Rechtsanwalt für Sozialrecht. Eine Auskunft erteilt Ihnen auch die zuständige Anwaltskammer.

Fazit:
Ja, ein Verfahren nach dem OEG ist sehr aufwändig, langwierig und sehr belastend. Doch Sie werden mit der Aufgabe wachsen und ich kann Ihnen als Betroffener versichern; es lohnt sich!!

Sie haben das Rech,t Personen Ihres Vertrauen zu jedem Gespräch oder zur Begutachtung mitzubringen. Machen Sie das, wenn Sie sich überfordert fühlen.

Das Verfahren dauert in der Regel 2 Jahre, bei Einsprüchen oder Klagen um ein vieles länger. Doch lohnt es sich “am Ball” zu bleiben. Entschädigungsrenten und andere Leistungen werden Ihnen ab Datum des Antrages gewährt, das heißt, dass Sie eine Nachzahlung erhalten werden. Diese Nachzahlung und laufende Rente bekommen Sie auch, wenn sie Widerspruch oder Klage einreichen. Das Versorgungsamt muss alle bis dahin beschiedenen Leistungen auch fristgerecht erbringen. Sie dürfen keine beschiedenen Leistungen bis zu einem Urteil zurückhalten. Sollten Sie mit Widerspruch oder Klage Erfolg haben, so muss das Versorgungsamt auch die im Urteil festgelegten Leistungen ab Antragsstellung nachzahlen.

Tipp:
Holen Sie sich Hilfe. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Eine rechtliche Beratung kann durch mich oder den Verein ehemaliger Heimkinder nicht stattfinden, doch können Sie von unseren Erfahrungen profitieren.

In der Regel kommen alle ehemaligen Heimkinder, die Sachleistungen aus dem Fond erhalten haben oder beantragen können, in Frage, einen Antrag nach dem OEG stellen zu können.

Ich kann Ihnen nur raten: machen Sie es!

Wenn Sie Kontakt zu mir haben möchten, wenden Sie sich bitte an die zweite Vorsitzende Heidi Dettinger (Tel. 05032.964647). Sie wird Ihnen meine Kontaktdaten zur Verfügung stellen. Meine Hilfe und die Hilfe des Vereins wird für Sie immer kostenlos sein.

Ihr
Ralf Bart

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