Ehemalige Heimkinder in Den Haag

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In  insgesamt 6 oder 7 Autos machte sich eine Gruppe ehemaliger Heimkinder in aller Frühe von der Raststätte Münsterland aus auf, Michael Decker nach Den Haag zu begleiten, der der Staatsanwaltschaft des Internationalen Strafgerichtshof eine Klageschrift wegen Folter gegen die Bundesrepublik Deutschland übergeben wollte.
Auf nach Den Haag

Auf nach Den Haag (Foto: W. Petersen)

Michael Decker, ehemaliges Heimkind und Mitglied im VEH e.V., hat lange Jahre damit zugebracht, die einzelnen Punkte seiner Klageschrift zu sammeln und zu belegen. Das Resultat ist eine 4.000 Seiten lange Anklage gegen die Bundesrepublik.
Die ganze Fahrt wurde von M. Decker hervorragend organisiert – angefangen vom Treffen auf besagter nachtdunkler Raststätte bis hin zur Übergabe seiner gewichtigen Aktenordner an die Staatsanwaltschaft.
Der Internationale Strafgerichtshof

Der Internationale Strafgerichtshof (Foto: W. Petersen)

Die BegleiterInnen – unter ihnen Eckardt Kowalke, Überlebender und Künstler – parkten die Autos in der Nähe des Gerichtsgebäudes und bauten als erstes das bekannte Kreuz mit den blutigen Puppen auf, dass Kowalke zu diesem Anlass in einem Hänger mitgebracht hatte.
Das "Kinderkreuz" mit dem Künstler E. Kowalke (v. li.)

Das “Kinderkreuz” mit dem Künstler E. Kowalke (v. li.) (Foto: W. Petersen)

Ein eindrückliches, verstörendes Kunstwerk, das zu vielen Diskussionen anregt. Auch auf dieser Fahrt war es so.
Das "Kinderkreuz"

Das “Kinderkreuz” (Foto: W. Petersen)

Da ein paar Ehemalige “vorgeprescht” waren und uns – entgegen aller mit Michael getroffener Absprachen – beim Gerichtshof als Demo angekündigt hatten, war die Polizei bereits vor uns dort. Eigentlich, so wurden wir von drei freundlichen, jungen Polizisten unterrichtet, muss eine Demo mindestens 48 Stunden vorher angemeldet sein.
Vor dem Internationalen Strafgerichtshof

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof (Foto E. Kowalke)

Wir durften dann aber auf den Stufen des Gerichtsgebäudes mit unserem Kreuz und den Transparenten stehen bleiben, bis Michael seine Klageschrift im Inneren des Gebäudes abgegeben hatte.
Diskussionen mit der freundlichen Polizei

Diskussionen mit der freundlichen Polizei – Fernsehen immer dabei… (Foto E. Kowalke)

Dann zogen ein Teil von uns mit dem schweren Anhänger wieder auf – zurück zu den geparkten Autos – um das Kreuz wieder abzubauen. Der Rest blieb vor dem Gerichtsgebäude stehen und wartete auf Michael.
Vor dem Gerichtsgebäude

Vor dem Gerichtsgebäude (Foto E. Kowalke)

Nach kurzer Zeit kam eine alarmierende Nachricht: Ein Demo-Teilnehmer sei verhaftet und mitgenommen worden. Aber es stellte sich dann doch heraus, dass Burkhardt Wiebel die Verantwortung für die Organisation übernommen hatte und mit zur Polizeistation musste, um ein Protokoll zu fertigen und zu unterzeichnen. Nach einer knappen halben Stunde war er zurück und sagte, dass die niederländische Polizei sehr freundlich und fair gewesen sei. Sie habe sich mit dem Bürgermeister Den Haags ins Vernehmen gesetzt. Dieser sei auch sofort gekommen und habe – im Nachhinein – eine Genehmigung für eine halbstündige Demo vor dem Gebäude für uns unterschrieben. Also gab und gibt es keinerlei “Nachwirkungen” wegen “unerlaubten Demonstrierens” vor diesem international wichtigen Gerichtshof!
Die jungen Polizisten übrigens blieben noch eine ganze Weile bei uns stehen, unterhielten sich mit uns, erfragten unsere Motive, drückten ihr Erstaunen aus über die miserable Behandlung deutscher Überlebender, verabschiedeten sich von den Anwesenden mit Handschlag.
Das uns begleitende Fernsehteam hat eifrig gefilmt und mit Sicherheit einige gute Bilder “geschossen” und gute Statements auf Band bekommen.
"Unser" Fernsehteam

“Unser” Fernsehteam (Foto E. Kowalke)

 Ansonsten hat unser Auftritt wohl genug Aufsehen erregt – am späten Abend gab es eine Nachricht dazu im holländischen Fernsehen.
Insgesamt eine gute Aktion! Danke an alle, die sich beteiligt haben, Danke an Michael Decker für die großartige Organisation. Und natürlich für das akribische Sammeln und Zusammenstellen der notwendigen Dokumente, ohne die eine Klageschrift gar nicht möglich gewesen wäre! Danke auch an E. Kowalke für das Kunstwerk und an ihn und Wolfgang Petersen für die Fotos!
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Ein Gedanke zu „Ehemalige Heimkinder in Den Haag

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