Geschwister-Scholl-Preis für Huckele

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Immer noch scheint es so, als würde den EliteschülerInnen deutlich mehr Aufmerksamkeit gegeben, als uns Heimkindern.

Nicht, dass die SchülerInnen nicht gelitten haben, nicht, dass sie nicht das Recht hätten, über ihre erbärmlichen Geschichten zu reden oder zu schreiben.

Aber kann mir bitte mal jemand erklären, wieso nicht eines der Überlebenden deutscher Kinderheimhöllen, der/die seine/ihre Schrecken aufgeschrieben hat jemals einen Preis dafür bekommen hat? Geschweige denn, einen Preis, der auch noch relativ hoch dotiert ist…

Presseartikel “Merkur-online”
“An der Odenwaldschule herrschte das Faustrecht“
München – Ob er ein Held sei? „Nein, ich bin kein Held. Ich will kein Held sein. Der Held hat eine Scheißrolle. Dem Helden schaut man bei seinen Heldentaten zu und tut – nichts.“

Das sagt Andreas Huckele, 43, ein ehemaliger Odenwald-Schüler. Heute Abend bekommt er den Geschwister-Scholl-Preis. Denn seine Geschichte hat den Massen-Missbrauch an dem hessischen Elite-Internat bekannt gemacht – 132 Opfer, mindestens. Im Jahr 2010 beherrschte dieser Skandal monatelang die Schlagzeilen. Huckele selbst hat seine Identität bis vor kurzem geheim gehalten, hat 2011 ein Buch unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers veröffentlicht. Es heißt: „Wie laut soll ich denn noch schreien? Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch“ (Rowohlt-Verlag; 19,95 Euro). Es ist ein erschütternder Bericht über das kollektive Wegschauen. Nun zeigt Huckele in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität hunderten Menschen sein Gesicht. Eine mutige Premiere.

-Warum geben Sie Ihr Pseudonym auf?

Aufgeben ist das falsche Wort. Ich gebe das Pseudonym nicht auf, ich integriere es vollständig. Für mich ist das ein wichtiger Teil des Prozesses – bei dem ich allein den Zeitpunkt bestimme. Außerdem: Ich kann schlecht nach München fahren, den Preis entgegennehmen – und so tun, als ob mich niemand sieht.

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