Über den Wolken…

über den wolken

Aus gegebenem Anlass dokumentieren wir hier unser Schreiben aus dem Jahr 2013 an Papst Franziskus – übrigens bis heute unbeantwortet geblieben!

Seine Heiligkeit Papst Franziskus
Palazzo Apostolico
00120 Citta’ Del Vaticano, Roma

25.11.2013

Entschädigung ./. Sinnlose Ausgaben!

Sehr geehrter Papst Franziskus,

uns scheint, als ließen Sie einen neuen Wind durch die Kirche wehen: Schluss mit Prunk und Geprotze! Schluss mit nagelneuen Edelkarossen und Luxussuiten!

Wir, Kinder und Jugendliche der Nachkriegsjahrzehnte – ehemalige Heimkinder, die in Einrichtungen Ihrer Kirche leben mussten – wurden jahrelang gezwungen, durch die Hölle zu gehen:

  • brutalste Schläge bis hin zur Folter,
  • Medikamentenmissbrauch,
  • medizinische Experimente,
  • Isolationshaft,
  • Schwerstarbeit,
  • Entzug von Schlaf, Essen, Trinken, Liebe, Zuwendung, Freiheit, Bildung und Kultur,
  • sexuelle Gewalt in allen widerwärtigen, krankmachenden Facetten,
  • psychische Quälereien…

Die Liste könnte fast beliebig weiter geführt werden.

Insgesamt sind wenigstens 800.000 Opfer zu beklagen – und dies ist eine eher noch geschönte Zahl. Die zwangsweise in die Psychiatrie Eingewiesenen, die behinderten Jungen und Mädchen, Frauen und Männer, die Säuglinge und Kleinkinder, die unendlich gequält wurden, sind nicht mit eingerechnet. Auch die alten Menschen in den Heimen fallen durchs Raster.

Für all diese Scheußlichkeiten zahlt die Katholische Kirche Deutschlands mal gerade 15 Millionen Euro in einen „Hilfsfonds ehemaliger Heimkinder“ und verkauft dies als Entschädigung. Im Durchschnitt bekommt jedes für sein Leben gezeichnete Opfer 5.000 Euro, was bedeutet, dass der Anteil der Katholischen Kirche pro Opfer bei sage und schreibe 850 Euro liegt.

Der Umbau der Bischofsresidenz von Limburg kostet, so stellt sich zwischenzeitlich heraus, fast 40 Millionen Euro, jener der Diözese Rottenburg reicht ebenso an diese Summe oder übersteigt sie gar noch, im Erzbistum München wird ein neues Ordinariat für ca. 130 Millionen Euro gebaut.

Müsste sich die Katholische Kirche Deutschlands ob dieser Diskrepanzen nicht in Grund und Boden schämen? Ist es nicht geradezu eine Ohrfeige für den Gekreuzigten, dass seine Kirche Millionenbeträge hortet (nach ersten Offenlegungen sind das z.B.: München 27,6 Millionen/Hamburg 185 Millionen/Speyer 46,5 Millionen/Limburg 100 Millionen/Köln 130 Millionen – das macht ein Gesamtvermögen von 359,1 Millionen Euro bei gerade mal vier deutschen Bistümer!), diese Gelder dann für Luxus und Geprotze aus dem Fenster wirft und für ihre eigenen Opfer lediglich Almosen bereit hält?

Wir bitten Sie inständig:

  • Unterstützen Sie unseren Kampf um eine gerechte Entschädigung für alle ehemaligen Heimkinder!
  • Rufen Sie Ihre Glaubensbrüder in Deutschland auf, arm für die Ärmsten zu werden!
  • Bitten Sie sie, arm für die Opfer Ihrer eigenen Kirche zu werden!
  • Appellieren Sie an die Leiter der Katholischen Kirche Deutschlands, sich von einem Teil ihrer Millionen zu trennen, um den Opfern eben dieser Kirche einen würdigen Lebensabend außerhalb einer Pflegeeinrichtung zu ermöglichen!
  • Setzen Sie sich dafür ein, den unter den Dächern der Katholischen Kirche Deutschlands geschändeten, geschundenen, zusammengeschlagenen, psychisch und sexuell vernichteten Menschen eine echte Entschädigung zu zahlen.

Wir haben die große Hochachtung vor den von Ihnen geäußerten Ansichten, um derentwillen wir uns an Sie richten in der Hoffnung, dass Sie sich für uns einsetzen und verwenden mögen. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass die Katholische Kirche Deutschlands es den Überlebenden ihrer Kinderheimhöllen schuldig ist, auf unsere Forderungen einzugehen.

Hochachtungsvoll

Dirk Friedrich, Vorstand
Heidi Dettinger, Vorstand

Im Namen des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.

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“Entschädigung” nur bei Wohlverhalten

Franz Sales Haus und missbrauchte ehemalige Heimkinder

Entschädigung nur bei Wohlverhalten

Wiederholt haben wir im newsletter (1) über die Missachtung und mangelnde bis ausbleibende Entschädigung von Menschen berichtet, die in den 50er bis 70er Jahren in Behinderteneinrichtungen als Kinder misshandelt, missbraucht und vergewaltigt wurden. Insbesondere haben wir die Petition zur Aufarbeitung dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit von Rolf-Michael Decker unterstützt (siehe newsletter Nr. 56/Juli 2014, S. 2ff).

Um Teil haben sich nach Bekanntwerden dieser Übelstände Einrichtungen zur Entschädigung der Betroffenen bereit erklärt. Das gilt auch für das Essener Behindertenheim Franz Sales Haus. Nun kann man/frau diese Zahlungsbereitschaft gundsätzlich positiv bewerten. Verwundert müssen wir jedoch zur Kenntnis nehmen, dass das Franz Sales Haus nicht jedem früheren Opfer eine Entschädigung zugesteht – zum Beispiel Rolf-Michael Decker. Warum? In der Ablehnungsbegründung schreibt das Franz Sales Haus, die Entschädigungen des Heimkinderfonds seien „freiwillige Leistungen“, auf die kein Rechtsanspruch bestehe.

Unseres Wissens gibt es im Sozialrecht die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtaufgaben, die ein Leistungsträger erbringen muss und die freiwilligen Zusatzleistungen, die der Träger aus eigenem Ermessen zahlt. Diese Unterscheidung hebt aber nicht den Rechtsgrundsatz der Gleichbehandlung auf, unabhängig davon, ob es sich um freiwillige oder Pglichtaufgaben handelt. Das heißt: Hat sich ein Träger zur freiwilligen Zahlung an eine Betroffenengruppe wie die Entschädigung ehemaliger Heimkinder verpflichtet, so sollte die Zahlung bei Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen erfolgen, ungeachtet der Person, ihres Verhaltens oder sonstiger Charaktereigenschaften. Bei Rolf-Michael Decker liegen jedenfalls die Voraussetzungen zur Zahlung vor. Dies hat sogar das Oberlandesgericht Hamm als unabhängige Instanz in einem Urteil festgestellt (siehe newsletter Nr. 55/März 2014, S. 5). Dennoch verweigert das Franz Sales Haus ihm die Entschädigung, womit der Grundsatz der Gleichbehandlung gebrochen wird. Dass Herr Decker dem Franz Sales Haus unbequem ist, weil er entgegen den pseudowissenschaftlichen Studien eines Bernhard Frings die konsequente Aufarbeitung der vergangenen Geschehnisse fordert, kann kein Ablehnungsgrund sein. Damit sich die Leserinnen und Leser selbst ein Urteil über die Entscheidungsgründe des Franz Sales Hauses machen können, dokumentieren wir den Ablehnungsbescheid.

(1) Der newsletter ist eine Beilage der Zeitschrift Bioskop

Dokumentation: Ablehnungsschreiben des Franz Sales Haus
Franz Sales Haus 20.05.2016

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2-Klassen-System auch bei ehemaligen Heimkindern

Nun ist es also amtlich:
Es gibt 2 Klassen von Ehemaligen:
—————————————————
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, dass die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ nunmehr errichtet werden kann.

In der Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 16. Juni 2016 wurde eine Lösung zu den zuletzt noch offenen Fragen gefunden.

Betroffene, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975 (BRD) bzw. bis 1990 (DDR) in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe und stationären psychiatrischen Einrichtungen Leid und Unrecht erfahren haben und heute noch Folgewirkungen haben, sollen eine pauschale Geldleistung in Höhe von 9.000 Euro erhalten. Sofern Betroffene Arbeit in erheblichem Umfang ohne Einzahlung von Sozialversicherungsbeiträgen geleistet haben, sollen sie abhängig von der Dauer der Arbeit zusätzlich eine Rentenersatzleistung in Höhe von 3.000 Euro bzw. 5.000 Euro erhalten.

Die Stiftung soll zum 1. Januar 2017 starten, so dass Anmeldungen ab diesem Zeitpunkt erfolgen können.

Um Sie über den weiteren Verfahrensgang und Einzelheiten zu informieren, möchte die Arbeitsgruppe bestehend aus Bund, Ländern und Kirchen Sie gerne zu einem weiteren Gespräch einladen. Sofern Sie daran teilnehmen wollen, bitte ich Sie, sich dafür vorsorglich

Freitag, den 15. Juli 2016, 15:30 Uhr – 16:30 Uhr,
Ort: Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Berlin
vorzumerken.

Eine Einladung mit genauen Angaben wird Ihnen noch übermittelt.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag Salma Belkadi
_________________
Referat SER 3
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Rochusstrasse 1
53123 Bonn
Tel: +49 (0)228 99 527-3522
Telefax: 0228 99 527-3078
E-Mail (pers.): salma.belkadi@bmas.bund.de
E-Mail: SER3@bmas.bund.de
Internet: http://www.bmas.bund.de

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Die Linke fragt, der LWL antwortet

2016-05-27_Antwort_Hilfsfonds_ehemalige_Heimkinder

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10 Jahre Freie Arbeitsgruppe Johanna-Helene-Heim 2006

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„Grundsätzlich spreche ich Klartext, ich nenne ein Schwein ein Schwein.“

Interview mit einem Heimopfervertreter. Die Fragen stellte Helmut Jacob.

Im Rahmen meiner Dokumentation der Verbrechen an Kindern und Jugendlichen in den Nachkriegsjahrzehnten sind mir immer wieder Kommentarschreiber aufgefallen, die mein Interesse geweckt haben. Erich Kronschnabel fiel mir im Blog des evangelischen Dipl.-Theologen/Dipl.-Psychologen Dierk Schäfer aus Bad Boll auf. Dort las ich – so empfand ich es zunächst – ziemlich „freche“ Beiträge von Kronschnabel, die für einige Leser vielleicht an der Beleidigungsgrenze kratzen. Je mehr ich seine Beiträge beobachtete, desto mehr fiel mir auf, dass seine Wortwahl Taktik ist, die für seine Arbeit positive Wirkungen erzielt. Auch in diesem Interview schont er die Leser nicht.

Frage:
Herr Kronschnabel, Sie vertreten ehemalige Heimkinder, die zu Heimopfern geworden sind. In welchem Bundesland und wie viele?

Antwort:
Zuerst muss ich den Begriff “vertreten” definieren. Ich bin für ehemalige Heimkinder als Beistand tätig, vertrete sie nicht juristisch! Die Beistandschaft ist gesetzlich geregelt und nicht nur Juristen erlaubt.

Meine Tätigkeit bezog sich auf Hilfe für Opfer, die in Heimen Niedersachsens verwahrt wurden. Neunzig Prozent aller Fälle resultierten aus der Verwahrung im damaligen Kinder-KZ Stephansstift Hannover mit dessen Kinderhölle “Gut Kronsberg”. Weil diese Schreckensanstalt zur Diakonie gehört(e), war und ist die Landeskirche Hannovers für die Fälle zuständig, in denen Kinder zu Sexualopfern wurden.

Speziell diesen Opfern stand ich bei, als es um die sogenannte “Entschädigung” ging, die durch eine “Unabhängige Kommission” der Landeskirche Hannover festgelegt wurde.

Die Fallzahl liegt im zweistelligen Bereich. Nach Angaben der Landeskirche Hannover wurden cirka 60 Sexualopfer “entschädigt

Frage:
Mit welcher Landeskirche haben Sie zu tun?

Antwort:
Mit der Landeskirche Hannover direkt. Indirekt auch mit der Landeskirche Oldenburg/Niedersachsen, weil die sich mit der Bitte um Beratung zur praktischen Arbeit mit Sexualopfern an mich wandte. Im Endergebnis kam es zu einer Zusammenarbeit mit der Landeskirche Hannover, deren “Unabhängige Kommission” die Opferanträge der Oldenburger auch entschied bzw. beschied. Auch die Braunschweigische   Landeskirche lässt bei der “Unabhängigen Kommission” der Landeskirche Hannover “arbeiten”. Wie unabhängig eine “Unabhängige Kommission” wirklich ist, wenn alle Mitglieder engstens mit der Landeskirche Hannover verwoben sind, mag jeder Leser selbst beurteilen. Richter in eigener Sache nennt man das in einem Rechtsstaat. Aber vielleicht kommt das Selbstverständnis der Landeskirche Hannover ja noch aus der Zeit, als der Staat ganz rechts stand. Der Vorsitzende dieser “Unabhängigen Kommission” ist jedenfalls ein honoriger, pensionierter Volljurist, der seine Kraft auch der Kirche spendet. Jeder hat wohl seine eigene Vorstellung vom Erwerb des Seelenheils auf Erden. Weitere Mitglieder dieser Kommission sind ein ehemaliger  Regierungspräsident, eine ehemalige Landtagsabgeordnete und ein Pfarrer. Alle in Pöstchen der Kirche aktiv, da ist die “Unabhängigkeit” so eine Sache und so werden – aus meiner Sicht – die Personen zu Richtern in eigener Sache.

Frage:
Welche Erfolge haben Sie bisher verzeichnen können? Was ist die Höchstsumme der von Ihnen erstrittenen Entschädigungsleistungen?

Antwort:
Die von mir betreuten Sexualopfer erhielten zwischen 21.000,00 und 27.500,00 Euro. Meines Wissens bewegten sich die “Entschädigungen”  für andere Opfer zwischen 2.500,00 und 31.000,00 Euro. In ein paar Fällen wurden die Summen nach Widerspruch um bis zu 30 Prozent erhöht.

Pervers ist für mich die Tatsache, dass keines der Opfer die “Entschädigungssumme” erhielt, die der Jahrespension eines Täters entspricht! Ich sehe das als Beweis für die Abgebrühtheit der Kirchenführer an. Für die Täter sorgt man bestens, für die Opfer kehrt man Brosamen zusammen und wirft sie ihnen hin. Die oben genannten Zahlen sprechen für sich. 

Frage:
Wie ist Ihre Vorgehensweise, die zu diesen Zielen führt?

Antwort:
Grundsätzlich spreche ich Klartext, ich nenne ein Schwein ein Schwein. Durch die Brust ins Auge – wie bei Kirchens üblich – ist nicht mein Ding, denn ich habe es mit hartleibigen Rechtsnachfolgern übelster Sexualstraftäter zu tun. Ich halte es wie Joschka Fischer, der dem Bundestagspräsidenten in aller Förmlichkeit ein rückseitiges Körperteil nannte. Die berufsmäßigen Gutmenschen der Kirchen sind peinlich berührt, wenn sie auf einen treffen, dem alberne Titel genau da vorbeigehen. Der Kirchenoberrat oder der Bischof machen auf der Toilette auch einen krummen Buckel, also beeindrucken mich solche Leute nicht. Mir geht es alleine um die Dummdreistigkeit des mangelnden Unrechtsbewusstseins der Täternachfolger. Begonnen hat es mit einem schmierigen Fragebogen, der die Opfer retraumatisierte. Ich weiß von Menschen, die wegen dieses unmenschlich abgefassten Fragebogens keinen Antrag auf “Entschädigung” stellten. Ich warf den Verantwortlichen absichtliche Abschreckung vor. Natürlich bestritten die feinen Herren das.

Das anfängliche Verhalten der Kirchenführer war für mich ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Nachdem ich auf Hardlinerkurs mit klarstem Deutsch umstellte und die hartleibigen Klingelbeutelherumreicher massiv als das bezeichnete, was sie in meinen Augen sind, kam es zu Annäherungen. Anständige Töne wurden ignoriert, führten ins Leere. Darauf reagierte ich in bekannter Art, denn ich lernte ganz schnell, dass ich mit dem von den Schergen der damaligen Diakonie benutzten Vokabular genau zwischen die Augen der Täternachfolger traf. Fazit meinerseits: „Du musst ein Schwein sein!” – wie im Schlager, wie von den Kirchenleuten vorgelebt. Von da an lief es. Traurig? Nee, lächerlich, eben so, wie sich die Verantwortlichen der Kirche auch aufführten.

Frage:
Welche Opfer können sich an Sie wenden? Auch solche aus anderen Bundesländern?

Antwort:
Das ist nicht an Bundesländer gebunden. Entscheidend ist der Einzelfall.

Frage:
Ab welcher Summe trifft für Sie der Begriff “Entschädigung” zu?

Antwort:
“Entschädigung” kann man all die Groschen nicht nennen, die den Opfern hingeworfen werden. “Die Würde des Menschen ist unantastbar” heisst es in Artikel 1 des Grundgesetzes. Die Kirchen als Heimbetreiber machten daraus eine Farce! Sie tasteten die Würde der ihnen anvertrauten Menschen schamlos an. Sie tasteten sie schamlos an und die in Kirchendiensten stehenden Sexualverbrecher tasteten ihre Opfer auch körperlich ab, benutzten sie als Arbeits- und SEXsklaven!

Die Täternachfolger tasteten die Würde der ihnen ausgelieferten Opfer erneut an, als es um die grosskotzig “Entschädigung” genannten Pfennige ging. Sie beschädigten  erneut Seelen, Psychen und Biografien!

Und wie ist das zu entschädigen?” fragen nicht nur Sie. ICH halte einen Betrag von HUNDERT Euro für JEDEN Leidenstag in den Kinder-KZs der Kirchen für angemessen. Gehalten wie Tiere, entwürdigt, geschunden, gequält und lebensunfähig gemacht – das haben die Rechtsnachfolger der Verbrecher in ihren Reihen anstandslos hinzublättern. Um den Opfern die verbleibende Lebenszeit lebenswert zu machen. Die (oft) noch lebenden Täter mästen sich an fetten Pensionen, wie pensionierte Bischöfe, die genau um die Verbrechen in ihrem Amtbezirk wussten. Die Opfer stehen als Bittsteller bei den Sozialämtern an. Welch eine verlogene Christlichkeit! Jesus ritt auf dem Esel, der Bischof versenkt seinen feisten Hintern in Lederpolstern einer Luxuslimousine. Und die Kirchenopfer dürfen singen, wenn Bischof Kunibert huldvoll grüssend durchs Behindertenheim watschelt? Ein Fall für die Konkurrenz, die das Heizwerk betreibt, das sie Hölle nennen. Aber: Nimmt der Gehörnte auch Lügenbeutel mit Kreuz am Hals in der Wärmestube auf? 

Frage:
Sie schreiben im Blog des evangelischen Theologen/Psychologen Dierk Schäfer. Was ist Ihre Intension?

Antwort:
Dierk Schäfer ist für mich ein Mann mit “Arsch in der Hose”, der die Dinge beim Namen nennt. Er hebt sich von der Masse seiner Amtsbrüder ab – und ich vermute, dass ihn so mancher Amtsbruder nicht als Bruder sieht, sondern als Nestbeschmutzer. Das ficht Dierk Schäfer nicht an.

Ich stieß relativ spät auf seinen Blog. Pastoren und Kirche sind nicht meine Welt. Trotzdem begann ich bald, die Kraft des Dierk Schäfer zu achten. Mit dem kann man auch fechten, der ist ein harter Gegner, aber niemals unfair. Er wurde zu einem bedeutenden Sprachrohr für die Heimkinder, er half uneigennützig und das rechne ich dem Mann hoch an. In ihm fand ich einen Verbündeten, durch ihn bekam ich oft Denkanstöße. Er ist der einzige Mann der Firma mit dem Kreuz im Logo, der meine menschliche Achtung hat. Die anderen seiner Zunft sehe ich lieber als “Pfarrer to Go”.

Frage:
Wie sollen sich Opfer verhalten, die ohne Ihre Hilfe ihre Forderungen durchsetzen wollen? Haben Sie dafür Rezepte?

Antwort:
Rezepte habe ich dafür nicht. Wichtig ist ein gesundes Selbstbewusstsein. Ich weiss, dass genau das vielen Opfern fehlt.  Wer mit Haien zu tun bekommt, braucht eine gute Harpune in Gestalt eines rede- und schreibgewandten Menschen, der sich um Anstand nicht schert. Darum darf er sich nicht scheren, weil die Täternachfolger keinerlei Anstand besitzen! Das beweist deren schmieriges Verhalten. Mich wollte so ein Scheich von Bischofs Gnaden wegen Beleidigung rechtlich belangen. “Prima, wunderbar, dann habe ich endlich einen eurer Schmierlappen vor dem Kadi und kann der Öffentlichkeit vorführen, wie mies ihr als Menschen seid!” Die wollten es nicht wirklich wissen, die wussten, dass ich daraus ein Schlachtfest machen würde, bei dem ein schwarzes Ferkel am Haken hängen würde.

Was ich damit sagen will ist: Nicht einschüchtern lassen, dreist anklagen, die Scheinheiligkeit aufzeigen und Wiedergutmachung  einfordern. Das verstehen die, die handeln seit 2000 Jahren mit Seelen, beuten Menschen aus, man kann mit ihnen wie mit Pferdehändlern schachern. Das entspricht ihren Charakteren. Beweis: Sie boten mir 25.000,- €. Ich setzte meine Schmerzfreiheitsgrenze bei 30.000,- an. Man traf sich bei 27.500,-… SO geht Vieh- und Ablasshandel mit Kirchens !!!

Frage:
Mit welchen Verbrechen an den von Ihnen vertretenen Opfern wurden Sie konfrontiert?

Antwort:
Alles was im Strafgesetzbuch zu den Sexualstraftaten zählt, war vertreten. Täter waren nicht nur Männer sondern auch Frauen. Auch im Bereich Heimwesen zeigte sich immer wieder, dass Frauen als Täterinnen brutaler vorgehen als Männer. Das lehrte uns schon das aus dem Strafvollzug und aus dem Dritten Reich vorliegende Wissen. Vielleicht kann ein Psychologe dieses Phänomen mal erklären. Vielleicht kann der uns auch erklären, warum die Täternachfolger sich moralisch nicht viel anständiger als die Täter verhalten. Richtig gut könnte das wohl Dierk Schäfer erklären, weil der ja Pfarrer und Psychologe ist. “Keine Zeit” gilt nicht, Herr Schäfer…

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Lesung mit Anja Röhl über Ulrike Meinhof

Wir freuen uns sehr auf die Lesung von Anja Röhl aus ihrem Buch “Die Frau meines Vaters. Erinnerungen an Ulrike” auf unserer diesjährigen Mitgliederversammlung in Brilon.

Anja Röhl, Tochter aus erster Ehe von Klaus Rainer Röhl lernt im Alter von fünf Jahren die neue Freundin und spätere Frau ihres Vater Ulrike Meinhof kennen. Es entwickelt sich eine intensive Beziehung, die auch noch besteht, als Ulrike Meinhof in Köln Ossendorf in Isolationhaft und später in Stammheim einsitzt. Sie besucht Ulrike Meinhof, bekommt regelmäßig Briefe von ihr.

Die als Roman erzählte Geschichte erlaubt uns einen neuen, anderen Blick auf die Frau, die maßgeblich an der Aufdeckung der unzumutbaren Zustände in den bundesdeutschen Heimen der späten 60er Jahre beteiligt war.

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“Machbarkeitsstudie” des BMAS

Die sogenannte Machbarkeitsstudie von Herrn Dr. Jungmann zur

„Ermittlung der Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die in den Jahren 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland sowie in den Jahren 1949 bis 1990 in der Deutschen Demokratischen Republik in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben“

kann hier eingesehen, gelesen oder auch heruntergeladen werden.

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Noch immer keine Wiedergutmachung für behinderte Heimopfer

Die Empörung ist groß und berechtigt: „Die Fortsetzung einer Reihe von Skandalen!“

Helmut Jacob aus Wetter an der Ruhr ist empört. Seit 10 Jahren betreut er die Homepage einer Opfergruppe: www.gewalt-im-jhh.de. Fünf behinderte ehemalige Heimkinder und vier ehemalige Mitarbeiter fanden sich 2006 zusammen, um Gerechtigkeit für die damaligen Schüler und Schülerinnen im Johanna-Helenen-Heim der Volmarsteiner Anstalten bei Hagen zu erkämpfen. In den Nachkriegsjahrzehnten wurden zahlreiche Kinder Opfer von physischer, psychischer und sexueller Gewalt.

Jacob: „Die damals Hilflosesten der Gesellschaft, behinderte Klein- und Schulkinder, erhalten bis heute nicht einen Cent Wiedergutmachung!“ Er listet die Reihe der Skandale auf: Am „Runden Tisch Heimerziehung“ (RTH) unter Vorsitz der Politikerin und Theologin Antje Vollmer wurden die behinderten Opfer rüde abgewimmelt. Der RTH bearbeite nur die Skandale im Bereich der Erziehungshilfe, zu der die Behindertenhilfe nicht gehöre. Dabei ist klar: Im Kinderheim Johanna-Helenen-Heim fand Schulbildung statt und sollte auch Erziehung stattfinden. Auch wenn beiden Ansprüchen nicht gerecht wurde, so wäre es nicht logisch, das Johanna-Helenen-Heim jenseits der Erziehungshilfe zu sehen.

Jacob: „Der zweite Skandal ist die angebliche Bereitschaft zur Wiedergutmachung für sexuell missbrauchte Kinder durch die Evangelische Kirche.“ Wer aus deren Töpfen maximal 5000 € erhalten will, muss einen seitenlangen Antrag ausfüllen. Jacob: „Die unverzeihliche Aufforderung war: ‘Schildern Sie den Tathergang’“. Es reicht offenbar nicht, die Örtlichkeiten zu schildern, in denen die Missbräuche stattfanden. Die Warnung des Webmasters, dass solche Schilderungen schlimmste Retraumatisierungen nach sich ziehen können, wurde von der Anlaufstelle ignoriert. Jacob führte selbst eine behutsame Befragung durch, in vielen Tagen und verbunden mit manchen Tränen eines Opfers. Jetzt beantwortete er für das Opfer diese Aufforderung zur Tatschilderung. Prompt erhielt er die Antwort, dass sich das Opfer persönlich äußern müsse.

Daraufhin riet der Webmaster vom Ausfüllen des Fragebogens ab.

„Der letzte Skandal“, so Helmut Jacob entsetzt, „ist die immer noch nicht stattgefundene Wiedergutmachung.“ Inzwischen seien alle Gruppenmitglieder zu der Meinung gelangt, dass Bund, Länder und Kirchen offensichtlich die “biologische Lösung“ bevorzugen, um die Zahl der Anspruchsberechtigten durch Todesfälle zu minimieren. „Es ist erschütternd, aber auch bezeichnend, dass Verbrechen, die seit 2006 im Fokus der Öffentlichkeit stehen, immer noch nicht reguliert sind.“ Die Gruppe muss im zehnten Jahr ihres Bestehens erschüttert zusehen, wie mehr und mehr ehemalige Mitschüler versterben, auch an Krankheiten infolge der Gewalt in der „Hölle von Volmarstein“.

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10 Jahre „Freie Arbeitsgruppe JHH 2006“ – kein Grund zur Freude

Pressemitteilung:

10 Jahre „Freie Arbeitsgruppe JHH 2006“ – kein Grund zur Freude

Verbrechen und Mißhandlungen behinderter Kinder in Volmarstein in den Nachkriegsjahrzehnten

 

Mit einer Lüge fing alles an. Der Anstaltsleiter der „Evangelischen Stiftung Volmarstein“, Pastor Ernst Springer, verstieg sich im Frühjahr 2006 in einem Leserbrief in dem Wochenblatt „Unsere Kirche“ zu folgender Formulierung: „Wir wissen aber auch wie Traumatisierungen oft den Blick trüben, zumindest fixieren können.“

Damit wollte er den Schreiber eines vorherigen Leserbriefes endgültig zum Schweigen bringen. Dieser Versuch ist ihm mißlungen. Denn der Schreiber des Leserbriefes hat in Sachen Heimgeschichte nie mit dem Anstaltsleiter gesprochen. Es ging um die Vorstellung des Buches „Schläge im Namen des Herren“ von Peter Wensierski im Wochenmagazin „Unsere Kirche“. Zu dieser bezog Helmut Jacob in seinem Leserbrief Stellung: „Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Kinder haben sie überlebt. Und nun die schlechte: Die meisten Kinder haben sie erlebt und einige täglich: Die Hölle von Volmarstein.“

Es folgten weitere Leserbriefe, unter anderem von einem „Opfer der Gewalt in der Körperbehindertenschule der damaligen Orthopädischen Anstalten Volmarstein im ‚Johanna-Helenen-Heim’“.

Eine ehemalige Schülerin, Marianne B., nahm die Kirchenzeitung mit ins Praxiswartezimmer und brach beim Lesen des ersten Leserbriefes ihres Mitschülers Helmut J. zusammen. Der Arzt mußte sie stabilisieren.

Sehr schnell gründete sich eine Arbeitsgruppe aus ehemaligen Schülern und damaligen Mitarbeitern des „Johanna-Helenen-Heims“. Es wurde klar: Wir müssen verdeutlichen, daß es dieses Leid, diese Verbrechen, wirklich gegeben hat. Schon Jahre zuvor faßte Marianne B. ihre Erlebnisse auf vielen Seiten zusammen. Ihre Intension: Wenn ich einmal sterbe, soll man diese Geschichten finden. Andere folgten.

Der „Freien Arbeitsgruppe JHH 2006“ wurde schnell klar, daß ein erstes Ziel die Veröffentlichung eines Buches über die Ereignisse in Volmarstein sein müsste. Im August des Jahres 2006 traf man sich zur ersten Teamsitzung in Holland bei einem ehemaligen Mitschüler. Hier wurde festgelegt, daß die Gruppenstärke maximal 9 Personen, davon 5 Opfer, betragen darf. Sie sollte möglichst einstimmig entscheiden können und dies sei nur bei dieser beschränkten Zahl möglich.

Schnell erkannte man auch die Notwendigkeit, nicht nur auf die Veröffentlichung des Buches zu warten, sondern bereits selbst an die Öffentlichkeit zu treten.

Mitte 2007 war die Internetpräsenz „www.gewalt-im-jhh.de“ im Rohbau erstellt. Die FAG faßte den Beschluß, den gesamten Schriftwechsel mit ihr grundsätzlich zu veröffentlichen, es sei denn, man weise ausdrücklich auf die Vertraulichkeit von Dokumenten hin. Nach dem Wechsel der Anstaltsleitung von Ernst Springer zu Jürgen Dittrich, ebenfalls Pfarrer, entstand ein von Achtung und Respekt geprägtes Verhältnis.

Die Aufarbeitung sollte nun beginnen. Den Vorschlag des Vorgängers, den Archivar des Diakonischen Werkes damit zu betrauen, lehnte die Arbeitsgruppe geschlossen ab. Man sah zu viel Nähe zur Kirche und Diakonie. Und damit verbunden zu wenig Objektivität. Erst die Politikwissenschaftlerin Dr. Ulrike Winkler und der Historiker Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl konnten das Vertrauen der Gruppe gewinnen. Dies hat sich ausgezahlt: Viele betroffene Opfer öffneten sich und berichteten Details aus ihrer erschreckenden Kindheit. Es entstand das Buch „Gewalt in der Körperbehindertenhilfe – Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967“.

Dieses Buch wurde im Jahre 2010 der Presse vorgestellt und befindet sich nun in der zweiten Auflage. Bereits im November 2009 trat die Arbeitsgruppe mit ihren zusammengefaßten Erkenntnissen an die Öffentlichkeit und veröffentlichte sie auf ihrer Homepage.

http://gewalt-im-jhh.de/Aufarbeitung_der_Grausamkeiten_171108.pdf

Im Rahmen der Buchvorstellung vor großem Publikum bescheinigte das Historikerduo der Homepage beste Qualität, von der auch beide Autoren profitiert hätten. Heute finden jedes Jahr mehrere hunderttausend Seitenzugriffe statt. Dies auch darum, weil der Webmaster frühzeitig seiner Gruppe die Meinung schmackhaft machen konnte: Wir schmoren nicht im eigenen Saft, sondern wagen den „Blick über den Tellerrand“. Auf diesen Seiten wird dokumentiert, wie die Aufarbeitung in anderen Heimen verläuft.

Auch die Historiker fanden große Anerkennung. Weitere Bücher, so beispielsweise über den „Wittekinds-Hof“ und die „Kreuznacher Diakonie“ folgten. Die Qualität ihrer Bücher macht es aus, daß sie sich von den Auftraggebern nicht beeinflussen lassen.

In Volmarstein entstand als Umsetzung der Aufarbeitung die Namensgebung eines neuen Kinderheims gegenüber dem damaligen „Johanna-Helenen-Heim“ durch das Opfer Marianne B. Im Eingangsbereich des Hauses findet man links vom Torbogen eine Bildergalerie ehemaliger, geschundener Heimkinder. Das Gemälde rechts des Bogens, welches von den Kindern angefertigt wurde, die in diesem Haus leben, zeigt ihr neues Leben. Beide Seiten werden vom Gemälde einer Steinbrücke miteinander verbunden. Von links nach rechts symbolisiert diese den Übergang vom Alten zum Neuen.

Die Arbeitsgruppe fordert Entschädigung durch die Evangelische Stiftung. Dies wird kategorisch abgelehnt. Verschwiegen werden darf aber auch nicht: Finanzielle Einzelfallhilfe wird in jedem Fall und großzügig gewährt.

Unsere Pressekonferenz im Mai des Jahres dient der Erörterung der Fragen: Was haben wir erreicht? Was wollen wir noch? Wie sehen wir den Umgang der in der Verantwortung stehenden Behörden mit ihrer Vergangenheit? Wie steht es um die bisherigen Bemühungen von Bund, Ländern und der evangelischen Kirchenleitung zur Entschädigung der behinderten Heimopfer?

Helmut Jacob
03.03.2016

Anmerkung des Vereins ehemaliger Heimkinder:
Kein Grund zur Freude, dass es diese Gruppe überhaupt geben muss! Ein Grund aber zum Gratulieren! !0 Jahre Mut, 10 Ausdauer, 10 Jahre Recherche, 10 Solidarität, 10 Jahre Kraft!
Wir gratulieren!

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