Über den Wolken…

über den wolken

Aus gegebenem Anlass dokumentieren wir hier unser Schreiben aus dem Jahr 2013 an Papst Franziskus – übrigens bis heute unbeantwortet geblieben!

Seine Heiligkeit Papst Franziskus
Palazzo Apostolico
00120 Citta’ Del Vaticano, Roma

25.11.2013

Entschädigung ./. Sinnlose Ausgaben!

Sehr geehrter Papst Franziskus,

uns scheint, als ließen Sie einen neuen Wind durch die Kirche wehen: Schluss mit Prunk und Geprotze! Schluss mit nagelneuen Edelkarossen und Luxussuiten!

Wir, Kinder und Jugendliche der Nachkriegsjahrzehnte – ehemalige Heimkinder, die in Einrichtungen Ihrer Kirche leben mussten – wurden jahrelang gezwungen, durch die Hölle zu gehen:

  • brutalste Schläge bis hin zur Folter,
  • Medikamentenmissbrauch,
  • medizinische Experimente,
  • Isolationshaft,
  • Schwerstarbeit,
  • Entzug von Schlaf, Essen, Trinken, Liebe, Zuwendung, Freiheit, Bildung und Kultur,
  • sexuelle Gewalt in allen widerwärtigen, krankmachenden Facetten,
  • psychische Quälereien…

Die Liste könnte fast beliebig weiter geführt werden.

Insgesamt sind wenigstens 800.000 Opfer zu beklagen – und dies ist eine eher noch geschönte Zahl. Die zwangsweise in die Psychiatrie Eingewiesenen, die behinderten Jungen und Mädchen, Frauen und Männer, die Säuglinge und Kleinkinder, die unendlich gequält wurden, sind nicht mit eingerechnet. Auch die alten Menschen in den Heimen fallen durchs Raster.

Für all diese Scheußlichkeiten zahlt die Katholische Kirche Deutschlands mal gerade 15 Millionen Euro in einen „Hilfsfonds ehemaliger Heimkinder“ und verkauft dies als Entschädigung. Im Durchschnitt bekommt jedes für sein Leben gezeichnete Opfer 5.000 Euro, was bedeutet, dass der Anteil der Katholischen Kirche pro Opfer bei sage und schreibe 850 Euro liegt.

Der Umbau der Bischofsresidenz von Limburg kostet, so stellt sich zwischenzeitlich heraus, fast 40 Millionen Euro, jener der Diözese Rottenburg reicht ebenso an diese Summe oder übersteigt sie gar noch, im Erzbistum München wird ein neues Ordinariat für ca. 130 Millionen Euro gebaut.

Müsste sich die Katholische Kirche Deutschlands ob dieser Diskrepanzen nicht in Grund und Boden schämen? Ist es nicht geradezu eine Ohrfeige für den Gekreuzigten, dass seine Kirche Millionenbeträge hortet (nach ersten Offenlegungen sind das z.B.: München 27,6 Millionen/Hamburg 185 Millionen/Speyer 46,5 Millionen/Limburg 100 Millionen/Köln 130 Millionen – das macht ein Gesamtvermögen von 359,1 Millionen Euro bei gerade mal vier deutschen Bistümer!), diese Gelder dann für Luxus und Geprotze aus dem Fenster wirft und für ihre eigenen Opfer lediglich Almosen bereit hält?

Wir bitten Sie inständig:

  • Unterstützen Sie unseren Kampf um eine gerechte Entschädigung für alle ehemaligen Heimkinder!
  • Rufen Sie Ihre Glaubensbrüder in Deutschland auf, arm für die Ärmsten zu werden!
  • Bitten Sie sie, arm für die Opfer Ihrer eigenen Kirche zu werden!
  • Appellieren Sie an die Leiter der Katholischen Kirche Deutschlands, sich von einem Teil ihrer Millionen zu trennen, um den Opfern eben dieser Kirche einen würdigen Lebensabend außerhalb einer Pflegeeinrichtung zu ermöglichen!
  • Setzen Sie sich dafür ein, den unter den Dächern der Katholischen Kirche Deutschlands geschändeten, geschundenen, zusammengeschlagenen, psychisch und sexuell vernichteten Menschen eine echte Entschädigung zu zahlen.

Wir haben die große Hochachtung vor den von Ihnen geäußerten Ansichten, um derentwillen wir uns an Sie richten in der Hoffnung, dass Sie sich für uns einsetzen und verwenden mögen. Denn wir sind der festen Überzeugung, dass die Katholische Kirche Deutschlands es den Überlebenden ihrer Kinderheimhöllen schuldig ist, auf unsere Forderungen einzugehen.

Hochachtungsvoll

Dirk Friedrich, Vorstand
Heidi Dettinger, Vorstand

Im Namen des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.

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Man lese und staune: Zölibat und Kindesmissbrauch in Australien

In einem wegweisenden Report sagt die Katholische Kirche Australiens, das Zölibat von Priestern und Geistlichen trugen bei zu jahrzehntelangem sexuellem Missbrauch von Kindern.

  • In dem Bericht des „Rates für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ heißt es: „das obligatorische Zölibat“ könnte die Ursache sein, dass Priester Tausende von Kindern missbraucht haben
  • Die Kirche muss jetzt prüfen, „wie Individuen … gesund bleiben können und nicht aus einem dysfunktionalen Selbstgefühl heraus zu handeln beginnen“
  • Das Zölibat war vielleicht eine weitere und unerträgliche Belastung“ für einige Priester, die dann zu Kinderschändern wurden
  • Allerdings besagt eine aktuelle Studie aus den USA, dass das Zölibat nicht für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden kann.

(John Carney, Daily Mail Australia, 11. Dezember 2014)

Ein neuer, wegweisender Bericht hat dargelegt, dass das Keuschheitsgelübde katholischer Priester als wesentlicher Faktor zu dem jahrelangen Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche zu sehen sei.

Herausgegeben vom „Rat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ der Katholischen Kirche Australiens sagt aus, dass der „obligatorische Zölibat“ Priester dazu gebracht hat, Tausende von Kindern sexuell zu missbrauchen und dass Priester dringend ein psycho-sexuelles Entwicklungstraining benötigen.

Der Ratsvorsitzende Francis Sullivan teilte The Australien (Australische Tageszeitung, H.D.) mit, dass die Kirche jetzt untersuchen muss, „wie Individuen, die sich für ein zölibatäres Leben entschieden haben, gesund bleiben können und nicht aus einem dysfunktionalen Selbstgefühl heraus zu handeln beginnen“.

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„Wir müssen uns fragen, ob das Zölibat zu einer zusätzlichen und unerträglichen Belastung für einige wurde“, sagte er.

„Das bedeutet nicht, dass das Zölibat ausgerottet werden muss – lassen Sie uns die Kirche nicht auf den Kopf stellen – aber wir sagen, dass eine ehrliche und offene Diskussion über die Zukunft ohne eine ehrliche und offene Diskussion über das Zölibat nicht möglich ist. Wir setzen den Zölibat auf die Tagesordnung.“

Katholizismus ist die wichtigste Religion in Australien. Es ist einzigartig unter den großen christlichen Kirchen, dass Priester und religiöse Führer ein Zölibatsgelübde ablegen und auf Sex ganz verzichten müssen.

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In dem Bericht werden die Kultur von Gehorsam und geschlossenen Umgebungen und auch die Art der Auswahl von potenzielle Kandidaten für den Klerus identifiziert als eine potenzielle Quelle gehäuften Vorkommens von Missbrauch in einigen Orden und Diözesen genannt.

Der „Rat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ umfasst die Erzbischöfe von Melbourne, Brisbane, Perth, Canberra und Adelaide und seine Ergebnisse stehen in Kontrast zu einer aktuellen US-Studie, die besagt, dass der Zölibat nicht für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden kann.

Es war eine radikale Abkehr von den Ergebnisse der fünfjährigen Studie „Ursachen und Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch katholische Priester in den Vereinigten Staaten 1950-2010“, berichtet The Australian.

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Dieser Bericht wurde der US-Konferenz der katholischen Bischöfe im Jahr 2011 vorgestellt.

„Es ist nicht klar, warum das Engagement für oder der Zustand der ehelosen Keuschheit als Ursache für den stetigen Anstieg der Häufigkeit von sexuellem Missbrauch gesehen werden sollte,“ so der (US-amerikanische, H.D.) Bericht.

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(Übersetzung: Heidi Dettinger)
Link zum englischen Original

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Fast jeder sechste Katholik in Deutschland…

… erwägt nach dem Scheitern einer Studie zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs den Austritt aus der Kirche. In der Altersgruppe der 45- bis 50-Jährigen ist es mit 26% sogar mehr als jeder vierte Katholik, ergab eine Forsa-Umfrage.

Demnach verschlechterte sich das Image der Kirche nach der Kündigung der Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) für 35% der Befragten weiter.

75% der Bundesbürger glauben, die Kirche wolle eine Aufklärung verhindern.

(Teletext ARD, 17.01.2013)

Na also, geht doch!

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