Wartaweil – einfach nur idyllisch?

Wartaweil – Entbindungs- und Säuglingsheim

Foto-6Es existiert nicht mehr, das idyllisch am Ammersee gelegene Entbindungs- und Säuglingsheim.

Gertrude Thyssen, reiche Witwe eines der Thyssen-Brüder, hatte es 1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Betrieb genommen, nachdem es vorher als Erholungsheim der dem NSDAP-angegliederten NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) gedient hatte.

Eine schöne Villa am See. Hört sich erst einmal gut und edel an: Jungen schwangeren Frauen helfen, ihre Kinder in schöner Umgebung zu bekommen.

Ganz so idyllisch schien dann allerdings doch nicht alles zu sein:

Es gab genaue Auflistungen, welche „Art“ von Frauen hier erwünscht und welche eben nicht erwünscht waren:

„Hausschwangere
Die Aufnahme von sogenannten ,Hausschwangeren’ kann von jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft erfolgen. Nicht aufgenommen werden asoziale Elemente und kranke Schwangere (…)

Die Hausschwangeren haben täglich 2 Freistunden, sowie jede Woche einen freien Tag und jeden 2. Sonntagnachmittag frei.

Ein Anstellungsverhältnis besteht zwischen Heim und Hausschwangeren nicht. Ist die Leitung des Heimes mit den Leistungen oder mit der Führung der Betreffenden nicht zufrieden, kann sie jederzeit die Schwangeren entlassen.“

Aha. Also so ganz aus Menschenfreundlichkeit scheinen die jungen Frauen dort nicht aufgenommen worden sein. Und – wer bestimmte (und nach welchen Kriterien), wer ein „asoziales Element“ war?

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Aber auch für die Kinder ist wohl sicher nicht alles nur eitel Sonnenschein gewesen. Es stellen sich einige Fragen:

  • Was machen solch relativ große Kinder – eindeutig keine Säuglinge – in einem Entbinungs- und Säuglingsheim?

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  • Wie kam es zu der doch wohl überdurchschnittlich hohen Zahl der Adoptionen in den Nachkriegsjahren
  • Wie viele der Kleinkinder und/oder Säuglinge wurden z.B. in die USA vermittelt? Mit oder ohne Wissen der Mütter? Mit oder ohne Druck auf die Mütter?
  • Wieso – wenn alles so idyllisch war – hat Theodor W. Adorno versucht, zumindest eines der Kinder aus dem Heim zu holen?
  • Wie wurde der Aufenthalt der bald schon 100 Kinder in dem angegliederten Kinderheim finanziert?

Und – vielleicht die wichtigste Frage von allen:

  • Wieso ist es heute fast unmöglich, genaue Informationen über dieses Heim am Ammersee herauszubekommen?
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Klinische Tests an Kindern in Kantons-Kinderheimen und -Psychiatrien?

Münsterlingen/Schweiz
Nahmen ehemalige Heimkinder aus Fischingen in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen an klinischen Tests teil? Diese Frage kann nur eine Untersuchung klären. Falls erforderlich, wollen die Parteien aktiv werden.

Der Verein Kloster Fischingen hat die Aufarbeitung der Geschehnisse im ehemaligen Kinderheim in die Wege geleitet. Doch nun klagt das ehemalige Heimkind Walter Nowak auch die Psychiatrische Klinik Münsterlingen an. Er befürchtet, Teil einer Versuchsreihe gewesen zu sein. Es steht deshalb die Frage im Raum, ob an Heimkindern Wirkstoffe für neue Antidepressiva getestet worden sind wie unsere Zeitung gestern berichtete.

Kantonale Heilanstalt
Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, müssten die Akten der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen unter die Lupe genommen werden. Für die dortigen Vorgänge ist der Kanton Thurgau zuständig. Die Psychiatrie war damals in den 70er-Jahren eine Kantonale Heilanstalt. «Wir haben keine Kenntnisse über Experimente und auch keine Kenntnisse über Dokumentationen», sagt Regierungsrat Bernhard Koch. Sollte eine Aufarbeitung notwendig werden, wäre seines Erachtens «wohl der Kanton zuständig».

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