Anerkennung und Hilfe?

Die Politik und die Vertreter der Kirchen haben zusammen ein Instrumentarium geschaffen, das sie ironischer Weise “Anerkennung und Hilfe” nennen. Diese Stiftung wurde unserer Meinung nach nur zu dem Zweck ins Leben gerufen, sich selber Absolution für die Verbrechen, die sie in der Vergangenheit mit zu verantworten haben, zu erteilen. Es wurden sogenannte Beiräte geschaffen, in die auch Opfer mit einbezogen wurden. Die Opfer, die mit am Tisch des sogenannten Beirates sitzen, haben kein Mitspracherecht und keine Möglichkeit, in der Zielsetzung der Stiftung “Anerkennung und Hilfe” etwas zu bewirken. Sie haben u. E. nur eine Alibifunktion, damit später behauptet werden kann, man habe Opfer mit einbezogen. Dabei muss zudem auch noch darauf hingewiesen werden, dass diese Personen in ihrer Persönlichkeit so stark geschädigt sind, dass man ihnen für die Bewältigung des alltäglichen Lebens einen Vormund zugeordnet hat. Ihnen sitzen in großer Mehrheit Menschen mit akademischer Ausbildung gegenüber, die ihnen rhetorisch und wissensmäßig weit überlegen sind. Die Beiräte haben offenbar die Funktion, bei Abschluss der sogenannten Abwicklung der Arbeit der “Stiftung Anerkennung und Hilfe”, deren korrekte Vorgehensweise zu bescheinigen, um der Öffentlichkeit zu suggerieren, es sei alles mit rechtsstaatlichen Mitteln geschehen und eine Aufarbeitung der Geschichte der Opfer und eine Wiedergutmachung sei vollzogen. Diese Vorgehensweise zeigt, wie perfide Politik und Täterorganisationen der Kirchen miteinander umgehen, wenn es darum geht, Verbrechen, die von ihren Vorgängern begangen wurden, zu vertuschen und Institutionsschutz zu betreiben. Damit werden dieselben Opfer unter Missbrauch staatlicher Rechtsmittel erneut zu Opfern gemacht.

Alle Politiker, die sich ab jetzt indirekt an der Stiftung “Anerkennung und Hilfe” beteiligen und ihr somit zu Legitimation verhelfen, machen sich mitschuldig, weil sie u. E. erneuten Betrug an den Opfern und Rechtsbeugung im Amt ermöglichen, indem die Stiftung alleine über sie bestimmt. Antragsteller, die sich an die Stiftung wenden, wird keine Beschwerde – oder Einspruchsmöglichkeit eingeräumt. Auch der Beirat hat ja, wie oben bereits gesagt, keine solche Möglichkeit, Rechtsmittel einzusetzen. Diese Tatsache ist ein Unding in einem demokratischen Rechtsstaat. Opfer werden ohne juristische Rechtsbegründung abgelehnt. Eine tatsächlich angemessene Schadenswiedergutmachung ist nicht vorgesehen. Schadenersatzleistungen soll es auch nicht geben. Die Stiftung “Anerkennung und Hilfe” verhindert somit geradezu eine wahre Aufarbeitung der Vergangenheit und Wiedergutmachung. Die Stiftung “Anerkennung und Hilfe” in der zur Zeit installierten Form gehört unserer Meinung nach sofort aufgelöst, da eine solch perfide Konstruktion in einem demokratischen Rechtsstaat nicht zugelassen werden darf

Die Möglichkeit, Opfer im Plenarsaal des Landtages in Kiel sprechen zu lassen, war angemessen. Die Anteilnahme und Betroffenheit aller dabei anwesenden Fraktionen war auch für uns sehr beeindruckend und führte immerhin dazu, dass der Sozialausschuss unsere Kritik aufgegriffen hat und beschloss, diese dem Landtag vorzutragen. Der Landtag wiederum beschloss, ebenfalls einstimmig, dieser Kritik Taten folgen zu lassen, deren Umsetzung wir hoffnungsvoll erwarten. Es ist besonders bemerkenswert, dass dort im Landtag anwesende Politiker die geschilderten Verbrechen als Menschenrechtsverletzungen definiert haben. Unverständlich ist für uns dabei, dass die Stiftung “Anerkennung und Hilfe” belobigt wurde, obwohl sie von 735 Opferanträgen 358 abgelehnt hat. Es wurde nicht hinterfragt auf welcher juristischen Grundlage diese Ablehnungen erteilt wurden. Die bewilligten Anträge wurden von der Stiftung als Entschädigung bezeichnet. Das ist nicht richtig. Bis heute hat es durch Kirche oder Pharmaindustrie u. E.. keine wirkliche Entschädigung gegeben. In welchem Verhältnis steht ein maximaler Geldbetrag von 9.000 € zum zerstörten Leben eines Menschen? Von Politik und Kirche wird die Stiftung offensichtlich als Problemlösung angesehen. Wir sehen die Stiftung als neue Täterorganisation, die sich, wie oben ausführlich begründet, indirekt gegen die Interessen von uns Opfern richtet und uns nicht wirklich unterstützt.

Dieses Schreiben richtet sich an alle Fraktionen der im Bundestag und in den Landtagen der Länder vertretenen Parteien.
Weiterhin geht es als offener Brief an die DPA.

(gez. Eckhard Kowalke)

Share Button

Missbrauchsstudie über Fälle der sexuellen Gewalt an Kindern in der katholischen Kirche

Stellungnahme des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V.

Ist die jüngst veröffentliche Studie über die Fälle sexueller Gewalt in der katholischen Kirche nun der große Befreiungsschlag, unter dessen Schirm man mit Ablasszetteln handeln könnte, wenn es diese noch gäbe, oder ist das ein erneuter Versuch die Deutungshoheit in Bezug auf die Fälle sexueller Gewalt nicht aus der Hand der katholischen Kirche zu geben?

Nachdem man das zunächst mit der Aufarbeitung beauftragte kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen im Streit von dem Forschungsauftrag entbunden hatte, war es lange ruhig um dieses Vorhaben und die Opfer warteten vergebens auf Erklärungen.

Nun liegt die Studie vor und in der Tat finden sich 3677 Fälle von sexueller Gewalt in der Studie, jedoch lässt sich feststellen, dass diese im Sinne der Kirche wohlgemeinte Aufarbeitung wesentlich zu kurz greift und erneut die voll umfängliche Aufarbeitung aller Gewalt, aller Missbräuche die es an Schutzbefohlenen gegeben hat ausblendet. Hinzu kommt, dass die Wissenschaftler nur einen beschränkten von der Kirche kontrollierten Zugang zu notwendigen Akten hatten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach dem Wert und der Aussagekraft dieser Studie. Schon jetzt wird eingeräumt, dass es sogenannte „Dunkelziffern“ gibt. Auffällig ist weiterhin, dass in den Pressemitteilungen zu dieser Studie das Thema „Entschädigung“ nicht vorkommt.

Sicher ist, dass alle Versuche der Aufklärung von Missbräuchen einem Flickenteppich gleichen dem ein Flicken nach dem anderen erst dann hinzugefügt wird, wenn erneute Fakten auf dem Tisch liegen und nicht mehr strittig sind.

Mit Nachdruck muss darauf hingewiesen werden, dass nicht nur die katholische Kirche ihrer Verantwortung gerecht werden muss, sondern ebenfalls die evangelische Kirche, die öffentliche Hand auf Landes- und Bundesebene sowie weitere involvierte Einrichtungen, Institutionen und auch Unternehmen und Konzerne.

Seit 2016 ist bekannt das es in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe, in den Kinder- und Jugendpsychiatrien neben den bekannten Missbräuchen wie sexuelle, psychische und physische Gewalt an Kindern und Jugendlichen Sedierungen der Kinder in großem Stil, die Nutzung der Schutzbefohlenen für Medikamententestungen, die Durchführung riskanter Behandlungen mit triebdämmenden Mitteln, die Anwendung innovativer Operationstechniken am Gehirn mit fatalem Ausgang sowie die weit verbreitete Anwendung schmerzhafter und psychisch belastender Untersuchungstechniken (Pneumenzephalographie) ohne ausreichende Indikation durchgeführt wurden. In diesem Jahr wurden im Zusammenhang mit entsprechenden Recherchen Todesfälle, die dadurch verursacht wurden, im Frankfurter Raum aufgedeckt. Diese Todesfälle sind belegbar und ein ehemaliger Arzt, der auch am Kindereuthanasieprogramm der Nazis mitgewirkt hat, ist dafür verantwortlich.

Eine kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. an die Bundesregierung zeigt deutlich die Haltung die diese bezüglich einer Aufklärung einnimmt. Belegbar ist eine in Säuglings- und Kinderheimen durchgeführte Studie, die von dem damaligen Bundesgesundheitsamt in Auftrag gegeben wurde. Die Bundesregierung weiß von diesen Vorfällen angeblich nichts und ist auch nicht bereit an der Aufklärung mitzuwirken. Jedoch wurden die Medikamentenstudien an Menschen in der ehemaligen DDR ausführlich untersucht. Unter dem Vorwand, dass die DDR ein Unrechtsystem war und die BRD nicht, schließt man eine Aufarbeitung dieser und möglicher weiterer Fälle seitens der Bundesregierung aus.

Der Verein ehemaliger Heiminder e.V. fordert alle beteiligten Institutionen auf, für eine voll umfängliche Aufarbeitung zu sorgen. Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. fordert die Bundesregierung auf, die Pharmakonzerne zur Mitwirkung zu verpflichten und die Rolle der Bundesregierung die sie zu entsprechenden Zeiten hatte aufzuarbeiten. Es ist einfach auf andere zu zeigen und als Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung Forderungen an andere, in diesem Fall an die katholische Kirche zu stellen.

Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. fordert eine angemessene Entschädigung für alle Opfer.

Bei Rückfragen wenden Sie sich gern an:

Heidi Dettinger Vorstandsvorsitzende V.e.H.
Tel. 05032/ 95 65 299

Bei Ihrem Anruf ertönt eine englische Ansage und ein Piepton, nach dem Piepton können Sie Frau Dettinger eine Nachricht auf Band sprechen. Frau Dettinger wird Sie umgehend zurückrufen!

Doris Petras
Tel. mobil: 0157/30 18 29 30

Share Button

Hölle Kinderpsychiatrie

Psychiatrie

“Hölle Kinderpsychiatrie – Gewalt und Missbrauch hinter Anstaltsmauern” nannte der WDR völlig zu Recht die Dokumentation über Marsberg/Sauerland und Schleswig.

Wer diesen bewegenden und wichtigen Film heute nicht sehen konnte, kann dies nun hier nachholen:

https://www.youtube.com/watch?v=dz2dm3O7o_8

Share Button