Viele Vorschläge, wenig Opferschutz

Kindesmissbrauch

Drei beteiligte Ministerien, mehr als 250 Seiten voller Ideen: Eilig berief die Bundesregierung einen Runden Tisch ein, als im Jahr 2010 bekannt wurde, dass Tausende Kinder in kirchlichen Einrichtungen, Internaten und Heimen über Jahre hinweg Opfer sexueller Gewalt geworden waren. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt. Doch die Bilanz ist dürftig.

Von Nakissa Salavati und Oliver Klasen

Das Projekt klang nach Chefsache. Gleich drei Regierungsmitglieder sollten sich darum kümmern, den Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern voranzutreiben: Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sollte ein neues Gesetz ausarbeiten, Familienministerin Kristina Schröder kümmerte sich um Aufklärungs- und Präventionskampagnen und die damalige Bildungsministerin Annette Schavan sollte Forschungsprojekte zum Thema anstoßen.

Auch die Kanzlerin schaltete sich ein, denn: “Das ist eine Bewährungsprobe für unsere ganze Gesellschaft. Es kommt darauf an, dass Menschen, die so etwas erfahren haben, sich in dieser Gesellschaft wieder anerkannt fühlen und wenigstens das Stück Wiedergutmachung bekommen, was man im Nachhinein noch schaffen kann”, so Merkel.

Damals, im März 2010, wurde bekannt, dass Kinder und Jugendliche in zahlreichen Einrichtungen über Jahre hinweg Opfer sexueller Gewalt geworden waren. In kirchlichen Einrichtungen, Internaten, Kinderheimen, Krankenhäusern. Zehntausende Fälle, zum Teil aus den sechziger und siebziger Jahren. Viele Betroffene fanden jahrzehntelang nicht den Mut, über den Missbrauch zu sprechen.

Nun sollte sich in der Gesellschaft etwas ändern…
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RA Sailer kommentiert den Rücktritt Ratzingers:

Josef Ratzinger wird mit zwei furchtbaren Untaten und einer Großtat in die Geschichte eingehen.

Die erste Untat
beging er bereits als Kardinal, als er noch Vorsitzender der Glaubenskongregation seiner Kirche war: Er etablierte ein weltweites System zu Vertuschung der hunderttausendfachen Sexualverbrechen katholischer Priester und begünstigte dadurch die straflose Fortsetzung des Seelenmords an unzähligen Kindern und Jugendlichen in
katholischen Erziehungseinrichtungen.

Die zweite Untat
beging er als Papst, als er auch in einer Zeit der Aids-Epidemien starr am kirchlichen Kondomverbot festhielt. Das kostete Hunderttausenden von Menschen, vor allem in Afrika, das Leben.

Seine Großtat
ist sein Rücktritt. Ob er wirklich nur aus gesundheitlichen Gründen erfolgte oder ob neue
Vertuschungsskandale ins Haus stehen, bleibt einstweilen offen.

Die gegen ihn beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eingebrachte Strafanzeige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit bleibt jedenfalls aufrecht erhalten.

Mehr zu RA Sailer und der Strafanzeige gegen Ratzinger

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Katholische Klinik weist Vergewaltigungsopfer ab

Köln – Eine junge Frau ist in Köln nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung an zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen worden. Die 25-Jährige sollte dort gynäkologisch untersucht werden, um Spermien für den Fall zu sichern, dass sie gegen einen Täter gerichtlich vorgehen würde.

Die beiden Kliniken lehnten dies aber ab, wie ihr Träger, die Stiftung der Cellitinnen, am Donnerstag bestätigte.

Die Kliniken begründeten die Ablehnung damit, dass eine solche Untersuchung immer auch mit einem Gespräch verbunden sei, in dem auf die “Pille danach” hingewiesen werde. Das aber sei katholischen Häusern untersagt. Sowohl die Krankenhaus-Leitung als auch das Erzbistum Köln bezeichneten die Ablehnung am Donnerstag als “Missverständnis” und entschuldigten sich dafür.

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Da windet sich aber einer!

Eine “Enttäuschung für Betroffene sexualisierter Gewalt”
Johannes-Wilhelm Rörig über das Ende der Missbrauch-Forschungsstudie
Das Gespräch führte Dirk-Oliver Heckmann

Missbrauchsbeauftragter der BundesregierungEr bedauere es, dass die Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche nicht fortgeführt werde, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig. Es bedeute einen Vertrauensverlust bei Betroffenen – das Geschehen müsse aufgearbeitet werden.

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Kirchenaustritt und Wahlboykott

Uns hat ein interessanter Aufruf eines Überlebenden deutscher Heimkinderhöllen erreicht:

Sehr geehrte Frau Heidi Dettinger,

ich nehme mal an das Sie in irgend einer Weiße mit der Heimerziehung in Verbindung stehen oder standen und Ihnen die Problematik bekannt ist.

Ich gehöre zu den geschädigten Heimkindern und seit dem das Ergebnis des runden Tisches vorliegt versuche ich einen Opferanwalt zu finden, bis heute vergebens.

Trotzdem bin ich nicht bereit mich mit dem Abzufinden.

Angeblich soll es 800.000 geschädigte Heimkinder gegen. 800.000 Heimkinder stellen eine Macht bei jeder Wahl dar.

2011 bin ich aus der Kirche ausgetreten und habe vor dem Kirchenaustritt den Kardinal Lehmann in Mainz davon in Kenntnis gesetzt.

Ich habe keine Antwort erhalten.

Meine Kinder sind hier getauft, zur Kommunion gegangen und Messdiener. Als ich dem Kardinal den Kirchenaustritt meiner ganzen Familie und Freunde mitteilte 47 Personen, mit Angabe der Namen, Wohnort, Kirchensteuerzahlung bekam ich Besuch vom Gemeindepfarre.

Das zeigt, nicht die Sache macht es, sonder die Menge.

Seit 2011 gehe ich auch zu keiner Wahl mehr und kündige das auch den Politiker und Parteien vor der Wahl an.

Auf meine Ankündigung kam nichts.

Ich bin davon überzeugt, wenn alle Heimkinder in Mainz nicht zur Bürgermeisterwahl gegangen wären und das den Politikern vor der Wahl mitgeteilt hätten, die Politiker hätten sich gemeldet,

So ist das auch bei der jetzigen Bundestagswahl 2013,

Ich gehe nicht wählen und bin dabei das den Politikern und Parteien mitzuteilen und ich gehe erst wieder zur Wahl wenn sich etwas in der Entschädigung der Heimkinder tut. Nur die, die meine Mail lesenwerden lachen und die Mail löschen.

Wenn aber nur 10% der 800.000 Heimkinder, deren Frauen, Kinder und Enkel den Politikern mailen das sie nicht zur Wahl gegen und dann auch nicht wählen wird sich ganz schnell was ändern.

Diese Mail werden nicht so einfach gelöscht und diese Mails werden die Politiker zwingen sich mit der Problematik der Entschädigung sich noch einmal auseinander zu setzen.

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“Mein Körper gehört mir” – Kinderrechtskampagne gegen Zwangsbeschneidung

“Zwangsbeschneidung ist Unrecht – auch bei Jungen.” Mit dieser entschiedenen Aussage ist heute, ein Tag vor der öffentlichen Sitzung des Deutschen Ethikrats, die Kinderrechtskampagne der Giordano-Bruno-Stiftung gestartet. “Ziel der Kampagne ist es, die geplante Legalisierung medizinisch unnötiger Vorhautbeschneidungen zu verhindern”, erklärt Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon. “Denn die Zwangsbeschneidung ist keine Bagatelle, wie so oft behauptet wird, sondern ein durch nichts zu rechtfertigender Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht und die körperliche Unversehrtheit des Kindes.”

Auf der heute freigeschalteten Website www.pro-kinderrechte.de führt der von der Stiftung ins Leben gerufene “Arbeitskreis Kinderrechte”, dem u.a. der Strafrechtler Holm Putzke angehört, zahlreiche medizinische, psychologische, politische und juristische Argumente auf, die diese Einschätzung belegen. Tragischerweise, so die Experten des “AK Kinderrechte”, sei das Wissen über die tatsächlichen Folgen der Vorhautbeschneidung, die sehr wohl mit “milderen” Formen der weiblichen Genitalbeschneidung vergleichbar sei, in der Gesellschaft kaum vorhanden.
So wüssten viele Eltern nicht, dass Säuglinge während der Beschneidung besonders schwere Schmerzen erleiden, weil das schmerzunterdrückende System erst Monate nach der Geburt funktionstüchtig sei. Fallen die Kinder aufgrund der ungefilterten Qualen in einen traumatischen Schockzustand, würden die Eltern die plötzliche Ruhe sogar als Zeichen für die vermeintliche Harmlosigkeit der Beschneidung fehlinterpretieren.

In der hier zum Ausdruck kommenden “fehlenden Aufklärung beziehungsweise gezielten Desinformation der Eltern” liegt nach Ansicht des “AK Kinderrechte” das “Hauptproblem der gegenwärtigen Debatte”: “Wüssten die Eltern über die dramatischen Konsequenzen der Zirkumzision Bescheid, müsste man über ein Beschneidungsverbot gar nicht mehr diskutieren, da die meisten Mütter und Väter von sich aus den Gedanken verwerfen würden, ihre Kinder beschneiden zu lassen.”

Um nun im Sinne der Kinderrechte Druck auf die deutsche Politik auszuüben, hat die Giordano-Bruno-Stiftung eine Plakatkampagne entworfen, bei der sie auf möglichst breite Unterstützung seitens der Bevölkerung hofft. Dazu heißt es auf der Website www.pro-kinderrechte.de: “Mit jedem Euro, den Sie der Aktion zur Verfügung stellen, können wir mehr Plakatflächen mieten und damit die Wahrnehmung unseres Anliegens in der Öffentlichkeit stärken. Denn nur durch einen vehementen Protest der Bevölkerung wird die angestrebte Legalisierung der Zirkumzision noch verhindert werden können. Machen wir den Verantwortlichen in Politik und Justiz unmissverständlich klar, dass Zwangsbeschneidung Unrecht ist – auch bei Jungen!”

Siehe hierzu auch folgende Links:

http://www.pro-kinderrechte.de/

http://www.helpedia.de/spenden-aktionen/pro-kinderrechte

http://pro-kinderrechte.de/wp-content/uploads/2012/08/faq_beschneidung.pdf

www.giordano-bruno-stiftung.de

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