Demo in Hannover

Hier zwei Presseberichte von der Demo am 08.09.2015. Bitte auf die Artikel klicken, um sie zu vergrößern.

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08.09.2015: Demo in Hannover

Wir wollen, was uns zusteht: Eine angemessene Entschädigung!

Friedliche Demo ehemaliger Heimkinder vor dem evangelischen Landeskirchenamt in Hannover, Rote Reihe 6, 10:00 Uhr bis ca. 14:00 Uhr.

Wir hoffen auf rege Beteiligung und schön große, ausdrucksstarke mitgebrachte Transparente!

karte rothe reihe

Noch Fragen? Bitte melden bei
Walter Hans, Tel.: 04102-31547

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Petiton zur Entfristung des Fonds

Am 11.11.2014 schrieb der VEH e.V. folgende Petition an den Bundestag:

Petition Text
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass der Fonds Heimerziehung (Ost wie West) entfristet wird und Anmeldungen sowie Zahlungen für ehemalige Heimkinder damit wieder möglich werden.

Begründung:
In der Zeit von 1949 bis 1975 lebten etwa 700.000 bis 800.000 Kinder und Jugendliche in Säuglings-, Kinder- und Jugendheimen in der Bundesrepublik Deutschland. Andere Schätzungen sprechen von 800.000 bis 1.000.000 Personen. Hinzu kamen Kinder und Jugendliche, die über einen längeren oder kürzeren Zeitraum in der Psychiatrie eingesperrt waren und tausende von Kindern in Einrichtungen für Behinderte.

Dieser Zahl entspricht eine geschätzten Zahl von 270.000 Kindern und Jugendlichen, die gezwungen waren, in Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen in der ehemaligen DDR zu leben.

Der Heimaufenthalt war vielfach von traumatisierenden Lebens- und Erziehungsverhältnissen geprägt: Misshandlungen, sexuelle Gewalt, Zwangsarbeit, Bildungsentzug waren systembedingt und an der Tagesordnung.

Wem während der Heimunterbringung im vorgenannten Zeitraum in der Bundesrepublik Deutschland bzw. in den Heimen der ehemaligen DDR Unrecht und Leid zugefügt wurde, das heute noch zu Beeinträchtigungen führt, „kann Unterstützung“ gewährt werden.

Aus einer Übereinkunft von Bund, westdeutschen Bundesländern und Kirchen ist der Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ hervorgegangen, der zum 1. Januar 2012 errichtet wurde.

Der Fonds „Heimerziehung Ost“, zuständig für Menschen, die in den Heimen der ehemaligen DDR ein ähnliches Schicksal wie in Westdeutschland erlitten, wurde erst zum 01.07.2012 eingerichtet, ist aber bereits seit dem 30.09.2014 für Neuanmeldungen geschlossen.

Die Anmeldefrist für ehemalige Heimkinder beim Fonds West war bis zum 31.12.2014 befristet, auch diese Frist ist also demnächst abgelaufen, obwohl:

  1. davon ausgegangen werden kann, dass lediglich etwa 1 – 2 % der Anspruchsberechtigten West und weniger als 10 % der Anspruchsberechtigten Ost sich bislang überhaupt bei einer der Anlauf- und Beratungsstellen gemeldet haben;
  2. der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. auch heute noch täglich Anrufe von Ehemaligen bekommt, die noch nie von diesem Fonds und dessen (wenn auch eingeschränkten) Möglichkeiten erfahren haben;
  3. sich auf Grund weiterer Auswertungen von Akten und Unterlagen neue Tatsachen (u.a. auch zu dem festgelegten Zeitfenster 1949 – 1975 Fonds West) ergeben können und tatsächlich ergeben, aus denen sich Ansprüche ableiten lassen;
  4. es nie eine ausreichende Bekanntmachung der Möglichkeiten der Inanspruchnahme des Fonds gegeben hat;
  5. es sattsam bekannt ist, dass viele ehemalige Heimkinder es erst nach langer Zeit überhaupt wagen, den Verein, eine Behörde oder Anlauf- und Beratungsstelle aufzusuchen, selbst wenn sie von dem Fonds gehört oder gelesen haben;
  6. die Namen der ehemaligen Heimkinder, die aus den unterschiedlichen Gründen in Heime der ehemaligen DDR eingewiesen wurden, den entsprechenden Behörden vorliegen, diese jedoch eine Benachrichtigung der Personengruppe aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ verweigert;
  7. es nicht mit dem Grundsatz zu vereinbaren ist, nach dem alle Menschen gleich seien und ihnen demnach die gleichen Möglichkeiten offen stehen müssen. Es kann und darf nicht sein, dass, wer erst nach dem 30.09.2014 (Ost) bzw. dem 31.12.2014 (West) von dem Fonds erfahren oder die Kraft gefunden hat, sich an diesen zu wenden, einfach leer ausgeht.

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Einige Zeit später bekamen wir die Nachricht, dass die Petition nicht online gestellt werde, da es sich um die Petition einer Gruppe (VEH e.V.) handele.

Vor einem Monat erreichte uns dieses Schreiben:

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Petition ehemaliger Heimkinder – Zum Stand des Verfahrens

Die von BioSkop unterstützte Petition von Rolf-Michael Decker zur Aufarbeitung und Entschädigung der von Gewalt betroffenen ehemaligen Heimkinder (wurde) im Petitionsausschuss parteiübergreifend und einstimmig angenommen (…).

Darüber hinaus sind diese und ähnlich lautende Petitionen dem Bundesarbeitsministerium mit der Erwägung zugeleitet worden, einen Fonds für die früheren Heimkinder aus Behinderteneinrichtungen einzurichten, da sie nach den Beschlüssen des “Runden Tisches Heimerziehung” noch nicht berücksichtigt worden sind. Schließlich sind die Petitionen auch den verschiedenen Länderparlamenten zugeleitet worden, da die Behindertenhilfe und psychiatrische Versorgung zum Aufgabengebiet der Bundesländer gehört. Sie müssen, so die Ansicht der Bundesbehöreden, auch ihren Teil zu dem Entschädigungsfonds beitragen.

Allein dies ist schon ein großer Erfolg, denn viele Gesuche von Bürgerinnen und Bürgern werden schon nach wenigen Wochen abschlägig beschieden. Doch es gibt noch viel zu tun.

Die zweite Forderung von Rolf-Michael Deckers Petition, die die Aufhebung der 30jährigen Frist zur Ahndung der Verbrechen an Heimkindern zum Inhalt hat, ist noch nicht entschieden. Sie ist aber auch nicht abgelehnt worden.

Wie das Abgeordnetenbüro von Corinna Rüffer (Bündnis 90/Die Grünen) mitteilte, gehen die Beratungen zwischen Parlament und Justizministerium dahin, eine generelle Regelung zu erarbeiten, die Kinder mit Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von Heimen betrifft.

Wir können ergänzen, dass auch viele frühere Heimkinder noch gar nicht berücksichtigt sind. Viele der heute aktiven sind mit Falschgutachten eingewiesen worden – waren also nicht behindert oder schwachsinnig und daher unrechtmäßig weggesperrt.

Völlig unbekannt ist etwa die Zahl der ehemaligen Heimkinder und heutigen Erwachsenen, die seinerzeit wirklich schwer geistig und/oder körperlich behindert waren/sind, sich gegen Gewalt nicht wehren können, niemals die Einrichtungen verlassen konnten und von den Diskussionen und Entschädigungsregelungen nichts wissen.

Wie gesagt: Es gibt viel zu tun. Wir halten Sie/euch auf dem Laufenden.

Volker van der Locht, Essen

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Zeugen gesucht: St. Wendel, u.a. Orte, Saarland

Sehr dringend gesucht!

Wer war im süd-west-deutschen Rum (Saarland, genauer in 66606 St. Wendel) in der Zeit von 1972 bis ca. 1980 im Kinderheim Hospital, einer Stiftung des privaten Rechtes? Die damalige Adresse war Hospitalstr. 35 – 37, das Haus liegt zwischen der Hospitalstraße und der Straße Alter Woog. Seine heutige Adresse lautet Alter Woog 1.

Sollte jemand in dem fraglichen Zeitraum in dem Heim gewesen sein, möge er oder sie sich bitte melden bei:
Heidi Dettinger, Tel. 05032.964647

Des weiteren suchen wir Ehemalige, die um 1965 im Haus der Borromäerinnen in Trier, einem Säuglingsheim, leben mussten. Das Klinikum der Borromäerinnen besteht noch, über das (ehemals) dort integrierte Waisenhaus mag unter anderem Namen weiterhin existieren.

Außerdem suchen wir Ehemalige, die Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger im St. Vincenz-Haus in Neunkirchen, Saar lebten. Das St. Vincenz-Haus war bis 1980 ein Waisen- und Kinderheim. 1980 wurde es in eine Altenpflegestelle umgebaut und umgewidmet.

Sollte sich jemand an das Haus der Borromäerinnen in Trier und/oder an das St. Vincenz-Waisenhaus in Neunkirchen erinnern, bitte melden bei
Heidi Dettinger, Tel. 05032.964647

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Sexuelle Gewalt bei den Grünen – Zwei Untersuchungsergebnisse

Wir stellen hier zwei Untersuchungsergebnisse über praktizierte sexuelle Gewalt bei den Grünen zum Lesen oder Herunterladen zur Verfügung.

Der erste Bericht
“Die Grünen und die Pädosexualität. Ergebnisse des Forschungsprojekts. Umfang, Kontext und die Auswirkungen pädophiler Forderungen in den Milieus der Neuen Sozialen Bewegungen/Grünen”
basiert auf einer Untersuchung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung an der Georg-August-Universität Göttingen und wurde 2014 veröffentlicht.

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Der zweite, weit ausführlichere Bericht
“Kommission zur Aufarbeitung der Haltung des Landesverbandes Berlin von Bündnis 90/ DIE GRÜNEN zu Pädophilie und sexualisierter Gewalt gegen Kinder von der Gründungsphase bis in die 1990er Jahre. Bericht und Handlungsempfehlungen”
wurde 2015 herausgegeben vom Landesverband Berlin Bündnis 90/Die Grünen

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Zum Lesen/Vergrößern und/oder Runterladen den jeweiligen Bericht bitte anklicken.

 

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Man lese und staune: Zölibat und Kindesmissbrauch in Australien

In einem wegweisenden Report sagt die Katholische Kirche Australiens, das Zölibat von Priestern und Geistlichen trugen bei zu jahrzehntelangem sexuellem Missbrauch von Kindern.

  • In dem Bericht des „Rates für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ heißt es: „das obligatorische Zölibat“ könnte die Ursache sein, dass Priester Tausende von Kindern missbraucht haben
  • Die Kirche muss jetzt prüfen, „wie Individuen … gesund bleiben können und nicht aus einem dysfunktionalen Selbstgefühl heraus zu handeln beginnen“
  • Das Zölibat war vielleicht eine weitere und unerträgliche Belastung“ für einige Priester, die dann zu Kinderschändern wurden
  • Allerdings besagt eine aktuelle Studie aus den USA, dass das Zölibat nicht für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden kann.

(John Carney, Daily Mail Australia, 11. Dezember 2014)

Ein neuer, wegweisender Bericht hat dargelegt, dass das Keuschheitsgelübde katholischer Priester als wesentlicher Faktor zu dem jahrelangen Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche zu sehen sei.

Herausgegeben vom „Rat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ der Katholischen Kirche Australiens sagt aus, dass der „obligatorische Zölibat“ Priester dazu gebracht hat, Tausende von Kindern sexuell zu missbrauchen und dass Priester dringend ein psycho-sexuelles Entwicklungstraining benötigen.

Der Ratsvorsitzende Francis Sullivan teilte The Australien (Australische Tageszeitung, H.D.) mit, dass die Kirche jetzt untersuchen muss, „wie Individuen, die sich für ein zölibatäres Leben entschieden haben, gesund bleiben können und nicht aus einem dysfunktionalen Selbstgefühl heraus zu handeln beginnen“.

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„Wir müssen uns fragen, ob das Zölibat zu einer zusätzlichen und unerträglichen Belastung für einige wurde“, sagte er.

„Das bedeutet nicht, dass das Zölibat ausgerottet werden muss – lassen Sie uns die Kirche nicht auf den Kopf stellen – aber wir sagen, dass eine ehrliche und offene Diskussion über die Zukunft ohne eine ehrliche und offene Diskussion über das Zölibat nicht möglich ist. Wir setzen den Zölibat auf die Tagesordnung.“

Katholizismus ist die wichtigste Religion in Australien. Es ist einzigartig unter den großen christlichen Kirchen, dass Priester und religiöse Führer ein Zölibatsgelübde ablegen und auf Sex ganz verzichten müssen.

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In dem Bericht werden die Kultur von Gehorsam und geschlossenen Umgebungen und auch die Art der Auswahl von potenzielle Kandidaten für den Klerus identifiziert als eine potenzielle Quelle gehäuften Vorkommens von Missbrauch in einigen Orden und Diözesen genannt.

Der „Rat für Wahrheit, Gerechtigkeit und Heilung“ umfasst die Erzbischöfe von Melbourne, Brisbane, Perth, Canberra und Adelaide und seine Ergebnisse stehen in Kontrast zu einer aktuellen US-Studie, die besagt, dass der Zölibat nicht für den Missbrauch verantwortlich gemacht werden kann.

Es war eine radikale Abkehr von den Ergebnisse der fünfjährigen Studie „Ursachen und Kontext des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch katholische Priester in den Vereinigten Staaten 1950-2010“, berichtet The Australian.

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Dieser Bericht wurde der US-Konferenz der katholischen Bischöfe im Jahr 2011 vorgestellt.

„Es ist nicht klar, warum das Engagement für oder der Zustand der ehelosen Keuschheit als Ursache für den stetigen Anstieg der Häufigkeit von sexuellem Missbrauch gesehen werden sollte,“ so der (US-amerikanische, H.D.) Bericht.

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(Übersetzung: Heidi Dettinger)
Link zum englischen Original

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Sexueller Missbrauch durch katholische Geistliche

Presseerklärung
KFN-Betroffenenbefragungen zu sexuellem Missbrauch
durch katholische Geistliche abgeschlossen

Nach der von der deutschen Bischofskonferenz erfolgten Kündigung des Forschungsprojekts „Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige“ im Januar 2013 hat das KFN die Befragung von Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche eigeninitiativ fortgeführt. Auf verschiedene Aufrufe über die Medien und die Homepage des Instituts zur Teilnahme an der Forschung meldeten sich zwischen März und Oktober 2013 mehr als einhundert Betroffene. Darüber hinaus konnten einige Betroffene bereits im Herbst 2011 und im Frühjahr 2012 zur Teilnahme an der qualitativen Interviewstudie gewonnen werden. Dank ihrer Bereitschaft, von ihren Missbrauchserfahrungen zu
berichten, war es den Forscherinnen und Forschern am KFN möglich, erstmals für Deutschland Informationen über Hintergründe, Charakteristika und Folgen sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche aufzuarbeiten und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Forschung konzentrierte sich zum einen auf qualitative Tiefeninterviews mit Betroffenen, die zum Ziel hatten, vertiefende Erkenntnisse über Besonderheiten von Missbrauchserfahrungen in katholischen Kontexten und deren Bewältigung zu erarbeiten. Zum anderen wurde eine Fragebogenuntersuchung durchgeführt, um die Entstehung und den Verlauf des Missbrauchsgeschehens aus Sicht der Betroffenen nachzuvollziehen. Zudem sollte geklärt werden, welche Folgen die Taten bei den Betroffenen ausgelöst haben und wie sich die katholische Kirche ihnen gegenüber verhalten hat.

Die Ergebnisse beider Befragungen erscheinen nun in einem Sammelband mit dem Titel „Sexueller Missbrauch Minderjähriger durch katholische Geistliche in Deutschland“ (Hrsg.: Sandra Fernau und Deborah F. Hellmann) beim Nomos-Verlag. Die entscheidenden Erkenntnisse aus beiden Betroffenenbefragungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Der sexuelle Missbrauch durch Priester fand oft in Heimen oder Internaten statt. Dort hatten die Betroffenen besonders wenige Möglichkeiten, sich dem Zugriff der Täter zu entziehen und waren den Missbrauchshandlungen besonders häufig ausgesetzt.
  2. Vielfach haben die geistlichen Täter bei der Annäherung an die Betroffenen und bei der Tatbegehung ihre religiöse Machtposition ausgenutzt.
  3. Viele Personen im direkten Umfeld der Betroffenen haben von dem Missbrauch gewusst oder ihn zumindest erahnt. Die besondere soziale Stellung der geistlichen Täter hat mit dazu beigetragen, dass viele Betroffene sich nie oder erst sehr spät offenbart haben.
  4. Die im kirchlichen Rahmen erlittenen Missbrauchserfahrungen sind für einen Großteil der Betroffenen auch noch nach Jahrzehnten mit starken psychischen Beeinträchtigungen verbunden.
  5. Der Stellenwert des katholischen Glaubens im Leben der Betroffenen ist nach der Tat als ambivalent einzustufen: Einerseits bestehen Distanzierungsbemühungen von der Kirche als Institution, andererseits lassen sich oftmals Verankerungen in katholischen Glaubenszusammenhängen feststellen. Tendenziell erschwert die katholisch geprägte Religiosität der Betroffenen Prozesse der Aufarbeitung und Bewältigung des sexuellen Missbrauchs.
  6. Auch das Urteil der Betroffenen über die Unterstützung durch die katholische Kirche fällt ambivalent aus. Generell wird eine offene Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit den Missbrauchstaten vermisst.
  7. Der sexuelle Missbrauch durch katholische Geistliche ist vor allem im institutionellen Kontext ein rückläufiges Phänomen.
  8. Eine gewaltfreie, liebevolle elterliche Erziehung kann vor sexuellem Missbrauch schützen. Sie kann Betroffene zudem befähigen, sich hilfesuchend zu offenbaren.

Das letzte Kapitel des Sammelbandes mit einer ausführlichen Darstellung der zentralen Erkenntnisse steht auf der Homepage des KFN zum Download bereit.

Dipl.-Soz. Sandra Fernau
Tel.: 0511-3483628
E-Mail: Sandra.Fernau@kfn.de

Dr. Deborah F. Hellmann, Dipl.-Psych.
Tel.: 0511-3483630
E-Mail: Deborah.Hellmann@kfn.de

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Ehemalige Heimkinder in Den Haag

In  insgesamt 6 oder 7 Autos machte sich eine Gruppe ehemaliger Heimkinder in aller Frühe von der Raststätte Münsterland aus auf, Michael Decker nach Den Haag zu begleiten, der der Staatsanwaltschaft des Internationalen Strafgerichtshof eine Klageschrift wegen Folter gegen die Bundesrepublik Deutschland übergeben wollte.
Auf nach Den Haag

Auf nach Den Haag (Foto: W. Petersen)

Michael Decker, ehemaliges Heimkind und Mitglied im VEH e.V., hat lange Jahre damit zugebracht, die einzelnen Punkte seiner Klageschrift zu sammeln und zu belegen. Das Resultat ist eine 4.000 Seiten lange Anklage gegen die Bundesrepublik.
Die ganze Fahrt wurde von M. Decker hervorragend organisiert – angefangen vom Treffen auf besagter nachtdunkler Raststätte bis hin zur Übergabe seiner gewichtigen Aktenordner an die Staatsanwaltschaft.
Der Internationale Strafgerichtshof

Der Internationale Strafgerichtshof (Foto: W. Petersen)

Die BegleiterInnen – unter ihnen Eckardt Kowalke, Überlebender und Künstler – parkten die Autos in der Nähe des Gerichtsgebäudes und bauten als erstes das bekannte Kreuz mit den blutigen Puppen auf, dass Kowalke zu diesem Anlass in einem Hänger mitgebracht hatte.
Das "Kinderkreuz" mit dem Künstler E. Kowalke (v. li.)

Das “Kinderkreuz” mit dem Künstler E. Kowalke (v. li.) (Foto: W. Petersen)

Ein eindrückliches, verstörendes Kunstwerk, das zu vielen Diskussionen anregt. Auch auf dieser Fahrt war es so.
Das "Kinderkreuz"

Das “Kinderkreuz” (Foto: W. Petersen)

Da ein paar Ehemalige “vorgeprescht” waren und uns – entgegen aller mit Michael getroffener Absprachen – beim Gerichtshof als Demo angekündigt hatten, war die Polizei bereits vor uns dort. Eigentlich, so wurden wir von drei freundlichen, jungen Polizisten unterrichtet, muss eine Demo mindestens 48 Stunden vorher angemeldet sein.
Vor dem Internationalen Strafgerichtshof

Vor dem Internationalen Strafgerichtshof (Foto E. Kowalke)

Wir durften dann aber auf den Stufen des Gerichtsgebäudes mit unserem Kreuz und den Transparenten stehen bleiben, bis Michael seine Klageschrift im Inneren des Gebäudes abgegeben hatte.
Diskussionen mit der freundlichen Polizei

Diskussionen mit der freundlichen Polizei – Fernsehen immer dabei… (Foto E. Kowalke)

Dann zogen ein Teil von uns mit dem schweren Anhänger wieder auf – zurück zu den geparkten Autos – um das Kreuz wieder abzubauen. Der Rest blieb vor dem Gerichtsgebäude stehen und wartete auf Michael.
Vor dem Gerichtsgebäude

Vor dem Gerichtsgebäude (Foto E. Kowalke)

Nach kurzer Zeit kam eine alarmierende Nachricht: Ein Demo-Teilnehmer sei verhaftet und mitgenommen worden. Aber es stellte sich dann doch heraus, dass Burkhardt Wiebel die Verantwortung für die Organisation übernommen hatte und mit zur Polizeistation musste, um ein Protokoll zu fertigen und zu unterzeichnen. Nach einer knappen halben Stunde war er zurück und sagte, dass die niederländische Polizei sehr freundlich und fair gewesen sei. Sie habe sich mit dem Bürgermeister Den Haags ins Vernehmen gesetzt. Dieser sei auch sofort gekommen und habe – im Nachhinein – eine Genehmigung für eine halbstündige Demo vor dem Gebäude für uns unterschrieben. Also gab und gibt es keinerlei “Nachwirkungen” wegen “unerlaubten Demonstrierens” vor diesem international wichtigen Gerichtshof!
Die jungen Polizisten übrigens blieben noch eine ganze Weile bei uns stehen, unterhielten sich mit uns, erfragten unsere Motive, drückten ihr Erstaunen aus über die miserable Behandlung deutscher Überlebender, verabschiedeten sich von den Anwesenden mit Handschlag.
Das uns begleitende Fernsehteam hat eifrig gefilmt und mit Sicherheit einige gute Bilder “geschossen” und gute Statements auf Band bekommen.
"Unser" Fernsehteam

“Unser” Fernsehteam (Foto E. Kowalke)

 Ansonsten hat unser Auftritt wohl genug Aufsehen erregt – am späten Abend gab es eine Nachricht dazu im holländischen Fernsehen.
Insgesamt eine gute Aktion! Danke an alle, die sich beteiligt haben, Danke an Michael Decker für die großartige Organisation. Und natürlich für das akribische Sammeln und Zusammenstellen der notwendigen Dokumente, ohne die eine Klageschrift gar nicht möglich gewesen wäre! Danke auch an E. Kowalke für das Kunstwerk und an ihn und Wolfgang Petersen für die Fotos!
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