Medikamente

Ehemalige Heimkinder hatten im Rahmen des Runden Tisches Heimerziehung (RTH) gefordert, dass auch die Problematik der Medikamente aufgearbeitet wird. Im Abschlussbericht des RTH von 2010 hieß es dazu: „Wenn es im Rahmen der Heimerziehung zu generellen und kollektiven Behandlungen bzw. Sedierungen gekommen ist, die weniger den Kindern und Jugendlichen als der Disziplin im Heimalltag oder gar der Erforschung von Medikamenten zuträglich waren, ist dies als Missbrauch zu beurteilen und erfüllt ggf. den Tatbestand der (schweren) Körperverletzung – auch nach damaligen Maßstäben.“ Doch hätten sich bis auf eine Ausnahme keine konkreten Hinweise auf solche Studien gefunden.

Heute stellt sich nicht mehr die Frage, ob es zu solchen medikamentösen Ruhigstellungen und zur Erforschung von Medikamenten gekommen ist, sondern wie die Verantwortlichen darauf reagieren, dass es gängige Praxis war. Denn inzwischen ist bekannt, dass es in vielen Einrichtungen an der Tagesordnung war, den „Insassen“ Psychopharmaka zur Sedierung zu verabreichen. Darüber hinaus sind bislang ca. 80 Versuchsreihen bekannt, in denen Arzneimittel an Heimkindern getestet wurden. Und das ist womöglich erst die Spitze des Eisberges. Tausende Kinder und Jugendliche waren betroffen.

Schon Säuglinge wurden medikamentös ruhig gestellt und mussten für Impfstoffstudien herhalten. Kinder und Jugendliche erhielten Psychopharmaka und triebhemmende Mittel und auch diese Präparate wurden an ihnen getestet. Sie mussten die Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente ertragen und leiden zum Teil noch heute an den Langzeitfolgen. Das ist Gewalt!

VertreterInnen von Einrichtungen und Trägern von Einrichtungen sowie PolitikerInnen bekunden, wie leid es ihnen tut und wie schrecklich das alles ist. Aber eine Entschädigung… leider nein.

Verschont uns mit Eurem angeblichen Mitleid! Wir verlangen eine ernsthafte Aufarbeitung und Konsequenzen!